Auf einem Mercedes Tourenwagen war die Werbung des Angeklagten bei mehreren Rennen zu sehen – bislang ungewollt kostenlos. Foto: nordphoto

Ein 52-jähriger Schweizer muss sich derzeit vor dem Amtsgericht Marbach wegen Betrugs in Millionenhöhe an dem Daimler-Tochterunternehmen HWA mit Sitz in Affalterbach verantworten.

Affalterbach - Selbst einmal einen Rennwagen in der deutschen Tourenwagenmeisterschaft steuern und im internationalen Motorsport neue Kontakte für seine Geschäfte finden – das war sein Wunsch. Stattdessen muss sich ein 52-jähriger Schweizer derzeit vor dem Amtsgericht Marbach wegen Betrugs in Millionenhöhe an dem Daimler-Tochterunternehmen HWA mit Sitz in Affalterbach verantworten. „Ich bin kein Betrüger“, erklärte der Berufspilot und Elektroingenieur entrüstet vor dem Schöffengericht.

Er sei selbst Geschädigter aus den Vorgängen, so die Auffassung des 52-Jährigen, der seit seiner Festnahme auf Zypern im März in einem deutschen Gefängnis in Untersuchungshaft sitzt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, 2015 Sponsorenverträge mit der HWA abgeschlossen und Werbeleistungen in Anspruch genommen zu haben. Für zehn Rennen, bei denen auf den Mercedes-AMG-Rennautos das Unternehmenslogo des Angeklagten prangen sollte, verpflichtete sich der Mann, mehr als vier Millionen Euro zu zahlen. Allein: Die Summe floss laut der Ermittler nicht.

Angeblich 900 Euro Verdienst pro Tag

Ende September 2015 hatte Daimler den Einstieg des Unternehmens UBFS invest als Co-Sponsor des Mercedes-AMG -Teams in der populären Tourenwagenserie bekannt gegeben und schon beim Rennen auf dem Nürburgring wenige Tage später Rennwagen, Rennanzüge, die Boxenausstattung und die Transporter des Teams mit dem Firmenlogo des Schweizers versehen. Als nach einem zweiten Rennen immer noch kein Geld in Affalterbach eingegangen war, erstattete der Autobauer schließlich Anzeige.

Der Angeklagte hat seinen Schilderungen zufolge in seiner Zeit als Dozent in St. Gallen ein Devisenhandelssystem entwickelt, das die Wahrscheinlichkeit von Kursschwankungen zu 95 Prozent vorhersagt. „Ich analysiere den Handel nicht mathematisch, sondern physikalisch, mit natürlichen Algorithmen, mehr als 100 Indikatoren und nur mir bekannten Korrekturen“, berichtete der Angeklagte selbstbewusst und ausführlich vor Gericht.

Ende 2014 machte er sich selbstständig und gründete „aus steuerlichen Gründen und wegen des guten Wetters“ die Firma UBFS invest auf Zypern. Später zog er auch selbst auf die Mittelmeerinsel. Allein von Januar bis Mai 2015 habe er mit seinem ­Geschäftspartner einen Reingewinn von 170 000 Euro erzielt. Für seinen Lebensunterhalt auf Zypern habe er 900 Euro monatlich gebraucht, das „trade“, also handle, er „an einem Tag herein“. Seinen Schilderungen zufolge wollte der Schweizer den Vertrag mit HWA aus einem Projekt mit einem italienischen Geschäftsmann finanzieren, der 100 Millionen Euro „spätestens bis Ende August 2015“ bei UBFS investieren wollte. Der dafür vom Angeklagten aufgestellte Businessplan sah unter anderem Beteiligungen an einer neu gegründeten Bank, an Geschäftsflügen sowie einen Landkauf auf Zypern vor.

Weitere Zeugen sollen gehört werden

Zum Beweis seiner Bonität überwies der Angeklagte zweimal 70 000 Euro, doch ein ums andere Mal verzögerte sich der weitere Geldfluss – angeblich stets gut begründet. Der Angeklagte drang vor dem Schöffengericht darauf, in Gesprächen mit der HWA stets darauf verwiesen zu haben, dass er seinen Sponsorenvertrag erst voll erfüllen könne, wenn er die 100  Millionen aus Italien erhalte habe. Erste Zeugen am Freitag bestätigten diese Darstellung nicht.

Der Prozess wird voraussichtlich am 20.Oktober mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.

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