Ein anerkannter Asylbewerber handelt mit Rohopium -und ist selbst süchtig danach. Foto: dpa/Volker Hartmann

Ein 37-Jähriger Mann aus dem Iran hat mit Drogen gehandelt – unter seinen Landsleuten. Das Rauchen von Rohopium sei in seiner Heimat eine Art Tradition, erklärte er vor Gericht.

Gäufelden - Mit Rohopium hat die Polizei selten zu tun: „Der Konsum ist auf bestimmte Kulturkreise beschränkt“, berichtet ein als Zeuge geladener Kommissar vor dem Böblinger Amtsgericht. Der 37-jährige Mann, der dort wegen Drogenhandels angeklagt ist, war süchtig danach. Er stammt aus dem Iran und ließ sich von Landsleuten im hessischen Limburg an der Lahn mit dem Stoff sowie mit Marihuana und Ecstasy versorgen. Der in Gäufelden wohnende, anerkannte Asylbewerber verkaufte die Drogen auch an Bekannte aus seiner Heimat. Er war Teil eines Netzwerks, das die Limburger Kriminalpolizei aufgelöst hat.

Probleme mit dem Regime

Weil er „Probleme mit dem Regime“ hatte, ist der Angeklagte vor fünf Jahren in die Türkei geflüchtet. Über Griechenland und die Balkanroute kam er nach Bruchsal, wo seine Schwester lebt. Er wurde in ein Flüchtlingsheim in Nebringen geschickt. „Dort habe ich keine guten Menschen kennengelernt“, sagt er. Sie hätten mit Drogen zu tun gehabt, deshalb nahm er eine alte Gewohnheit wieder auf: das Rauchen von Rohopium. „Im Iran ist es weit verbreitet, eine Art Tradition“, sagt der Angeklagte. Als sein Vater starb und die Mutter alleine in Teheran zurechtkommen musste, tröstete er sich damit. Rohopium wirke beruhigend und schmerzlindernd, sagt er: „Meine Schmerzen waren die Trennung von der Familie.“

Der Angeklagte ist einer von 20 Iranern, die die Kriminalpolizei Limburg hinter Gitter brachte. Er wurde im vergangenen August festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Indem sie die Telefone der Drogenhändler abhörten, deckten die Kommissare das Netzwerk auf. In Lastwagen wurden das Rohopium sowie kleinere Mengen an Marihuana und Amphetaminen nach Deutschland gebracht. Das Verfahren gegen die in Hessen wohnenden Haupttäter steht noch aus. Der 37-Jährige aus Gäufelden sei einer von vielen Abnehmern gewesen, aber in größerem Stil, weil er Bestellungen im Kilobereich aufgegeben habe, berichtet der mit dem Fall befasste Beamte als Zeuge. „Er war die zentrale Figur hier, weil er den Kontakt mit Limburg aufgebaut hat“, ergänzt sein Böblinger Kollege.

Das meiste Rauschgift selbst verbraucht

Der Angeklagte stellt seine Rolle anders dar. Er will wesentlich weniger Rauschgift erhalten haben, als in der Anklage ursprünglich aufgelistet war. Und er will das meiste davon selbst verbraucht haben. Wie er seine Sucht denn finanziert habe, wollte die Staatsanwältin von dem 37-Jährigen, der von Sozialhilfe lebt, wissen. Daraufhin räumt er dann doch einige Verkäufe ein. Sechs Fälle legt die Staatsanwältin dem Mann schließlich auf seinem Geständnis basierend zur Last: Zwischen Oktober 2018 und vergangenen August hat er sich mindestens 400 Gramm Marihuana, 200 Ecstasy-Tabletten und 40 Gramm Rohopium liefern lassen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden außerdem mehr als 350 Gramm von der Mohnmasse sowie – direkt daneben liegend – ein Dolch gefunden, was noch als bewaffnetes Handeltreiben gewertet wurde.

„Wenn man ein Auge zudrückt“, seien die Erklärungen des Angeklagten plausibel, befand der Vorsitzende Richter. Für ihn ist es „ein tragischer Fall“, weil der Iraner „eigentlich einen vernünftigen Eindruck“ mache. Er ist nicht vorbestraft, hat in Gäufelden Unterstützung von Einheimischen und hatte eine Ausbildung zum Automechaniker in Aussicht. Die Drogen hätten ihn ins Gefängnis gebracht, urteilte der Richter und verhängte eine Haftstrafe von drei Jahren. Davon muss der 37-Jährige noch etwa sechs Monate absitzen. Im Anschluss wolle er eine Therapie machen. Er sei nicht nach Deutschland gekommen, um drogensüchtig zu werden, sagte er vor Gericht.

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