Wir sind Helden – auch wenn die Kröten das ziemlich kalt lässt. Auch der elfjährige Andreas hilft bei der Amphibienrettung engagiert mit. Foto: Gottfried Stoppel

Die Amphibien wandern in ihre Laichgewässer. Unser Redakteur war dabei – im Backnanger Biotop Pfaffenrinne, das von Austrocknung bedroht ist. Auch andernorts kümmert man sich um Kröten und Co.

Backnang/Fellbach - Der schmale Kegel der Taschenlampe durchzuckt die Dunkelheit. Da, ist das nicht eine Erdkröte? Fehlalarm – wieder nur ein Blatt. Alles sieht irgendwie gleich aus in der Düsternis. „Papa“, tönt es hinter mir. Meine sechsjährige Tochter hat eindeutig bessere Augen als ich. Den Teichmolch, den sie gerade anleuchtet, hätte ich glatt für einen Zweig gehalten. Flugs wandert das kleine Tier in unseren Eimer.

 

Wir befinden uns zwischen Backnang und Steinbach beim Biotop Pfaffenrinne. Und wir sind Helden – auch wenn die Lebewesen, die wir vor dem Straßentod retten, einen eher gleichgültigen Eindruck machen. Immerhin: Die Warnweste, die meine Tochter trägt, taugt aufgrund ihrer (also meiner) Größe locker als Superheldenmantel. Frösche, Kröten und Molche sind derzeit unterwegs, um in der Pfaffenrinne zu laichen. Da sie dabei eine Straße überqueren müssen, ist das für die Tiere natürlich gefährlich. Der Nabu Backnang hat daher am Straßenrand Zäune aufgestellt, von denen wir die Tiere sammeln und sie sicher ins Wasser bringen. Nicht nur meine Tochter und ich, auch drei Kids und ihre Eltern helfen den Nabu-Mitgliedern heute.

Die Kröten sind nicht schleimig

Dazu braucht es nicht viel: Taschenlampe, Gummistiefel, verschließbare saubere Eimer, eine Warnweste und Handschuhe. Letztere tragen die Froschsammel-Profis vom Nabu übrigens nicht etwa, weil sie sich vor dem Anfassen eines Frosches ekeln würden. „Sondern eher, damit die Tiere nicht mit Hautcremes und dergleichen in Berührung kommen“, erklärt Tanja McGrath, die Vorsitzende des Nabu Backnang.

Zugegeben, mein Töchterlein beschäftigt sich derzeit eher mit Tieren, die deutlich flauschiger sind, regenbogenfarbig und mit einem Horn auf der Stirn. So ein kaltes, nasses Amphib flößt ihr zumindest Respekt ein. Aber irgendwann nimmt sie doch eine Kröte in die bloße Hand. „Die ist ja wirklich gar nicht schleimig“, ist sie fasziniert. Eher kalt, etwas nass und ziemlich zart. Und die Laute, die die Krötenmännchen von sich geben, klingen auch nicht wie ein klassisches „Quak“ – vielmehr erinnert es an Meeresvögel.

Biotope anzulegen ist gar nicht einfach

Von einem Meer ist das Biotop Pfaffenrinne weit entfernt. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr setzte dem Froschlaich erst ein Kälteeinbruch und dann die Trockenheit stark zu. Der kleine See am Rande des Plattenwaldes ist zwar bei den Amphibien ein beliebter Laichplatz, doch die Murr spült ständig neuen Sand in das Gewässer. Dieses verlandet immer mehr, ohne dass ausreichend Wasser nachfließt. Die Stadt Backnang lässt daher derzeit prüfen, wie groß die Amphibienpopulation ist, und sieht sich nach einem Ersatzbiotop für den Tümpel um, der als Ausgleichsmaßnahme für ein Bauprojekt entstanden war. Selbst wenn ein Standort gefunden würde, wäre es aber ein recht langfristiges Unterfangen, die Kröten, Frösche und Molche von dessen Qualitäten zu überzeugen. Zudem wäre es möglich, die Pfaffenrinne in den Trockenzeiten mit einer Rohrleitung und Murrwasser zu bewässern.

Auch andernorts legt man sich für Kröten und Co. ins Zeug. Die Stadt Fellbach beispielsweise hat im vergangenen Jahr ein neues Biotop im unteren Weidachtal angelegt. „Allerdings ist dieses erst im Herbst fertig geworden, dort wurden gerade erst Anpflanzungen gemacht“, erklärt die Sprecherin der Stadt, Sabine Laartz. Noch stehe nicht überall Wasser, wo welches hingehöre. Bis die Kröten wirklich einziehen, dauere es noch ein bisschen. An der Stettener Straße dagegen hüpft und kreucht es im Frühjahr oft – ein Krötentunnel, Nabu-Helfer und Straßensperrungen sollen kleine Leben retten.

Ein weiteres Projekt ist ein sogenannter Krötenzirkel am Oeffinger Berg: In diesem Betonkonstrukt, das Stadtverwaltung, Nabu und Landratsamt gemeinsam errichtet haben, sollen sich vor allem Wechselkröten ansiedeln. „Vorbild war ein gut funktionierender Krötenzirkel in Stetten“, sagt Solveig Birg vom Grünflächenamt Fellbach. Allerdings halten sich die Tiere bislang zurück, was den Einzug angeht. Birg ist aber zuversichtlich, dass sich das dieses Frühjahr ändern könnte.

Die laichenden Kröten werden ins Wasser gesetzt

Zum Schluss der Suchaktion in Backnang tummeln sich in unserem Eimer immerhin sechs Erdkröten – gar nicht schlecht für Laien wie uns. „Alles Männchen“, stellt eine freundliche Froschexpertin fest, die für den Nabu Zahl und Geschlecht der geretteten Tiere akribisch dokumentiert. Unsere beiden Molche im Extraeimer könnten aber tatsächlich ein laichendes Pärchen werden – wir betreiben Kuppelei im Eimer, sozusagen.

Während die Schwanzlurche hinaus in die Dunkelheit schwimmen, setzen wir die Krötenkerle aus. In sicherer Entfernung zu den laichbereiten „Doppeldeckern“, die sich bereits gefunden haben. Denn Krötenliebe kann, wenn sie in Massen auftritt, für die Weibchen buchstäblich erdrückend sein. Und das wollen wir verhindern.