Blumen und ein Plakat erinnern an die Opfer des Amoklaufs in Oregon, Foto: AP

Der Amokläufer von Oregon hat sich nach seiner Tat vermutlich selbst getötet. Das geht aus den Ergebnissen der Autopsie hervor. Sein Motiv bleibt weiterhin ein Rätsel. Der Polizei zufolge wollte der Mann anscheinend so viele Menschen töten wie möglich.

Portland - Der Schütze von Oregon war anscheinend stark verschlossen und von Waffen besessen. Das geht nach Medienberichten aus Internet-Botschaften sowie Schriften hervor, die der 26-Jährige nach seinen tödlichen Schüssen auf neun Menschen am Tatort hinterließ. Der Polizei zufolge wollte der Mann anscheinend so viele Menschen töten wie möglich, darauf deute sein großes Waffenarsenal hin. Demnach fand die Polizei am Tatort fünf Pistolen und ein Gewehr, weitere acht Waffen entdeckte sie nach Angaben vom Samstag bei ihm zuhause. Alle seien in den vergangenen drei Jahren legal gekauft worden.

Wie weiter bekannt wurde, nahm sich der Schütze vermutlich das Leben, als er von der Polizei gestellt wurde. Der zuständige Gerichtsmediziner sei zu dem Schluss gekommen, dass es sich um Suizid gehandelt habe, teilte der zuständige Bezirkspolizeichef John Hanlin mit. Bisher hatte es nur geheißen, der Täter sei bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben gekommen.

Bei seinem Amoklauf am Donnerstag im College von Roseburg hatte der 26-Jährige nach jüngsten Behördenangaben zudem auch neun Menschen verletzt, zunächst war von sieben gesprochen worden. Die Opfer waren zwischen 18 und 67 Jahre alt, der älteste Tote war ein Professor. Dem Sender CNN zufolge bestätigte das College inzwischen, dass der Täter in der Klasse schoss, in der er eingeschrieben war.

Motiv für den Amoklauf ist noch ein Rätsel

Ermittler rätselten auch am Wochenende weiter über die Motive des Schützen. Nach Augenzeugenberichten hat er gezielt Christen ins Visier genommen. Er soll seine Opfer nach ihrer Religion gefragt und Christen in den Kopf geschossen haben, anderen dagegen ins Bein oder auf eine andere Stelle ihres Körpers. Spezialisten untersuchen zurzeit Internetkommunikationen des jungen Mannes.

Bestätigt wurde, dass er am Tatort auch eine schusssichere Weste, Munition und Schriften hinterließ. Dem Sender CNN zufolge könnten sich die Papiere in einer Schachtel befunden haben, die er nach einem Augenzeugenbericht einem Überlebenden gegeben haben soll.

Das Blutbad hat in den USA eine neue heftige Debatte über Waffengesetze ausgelöst. Zwei demokratische Senatoren haben eine Gesetzesinitiative eingeleitet, die auf verschärfte Überprüfungen potenzieller Waffenkäufer abzielt. Vor allem auf republikanischer Seite ist der Widerstand gegen strengere Regeln aber äußerst groß. So ist auch Präsident Barack Obama bisher mit allen Vorstößen für schärfere Gesetze gescheitert.

Nach und nach zeichnet sich ein konkreteres persönliches Bild von dem Schützen ab. Nachbarn beschrieben ihn als einen zurückgezogenen und verletzlich wirkenden jungen Mann, der mit seiner Mutter lebte, von ihr stark beschützt wurde und der vor Kontakt mit anderen Menschen zurückzuschrecken schien.

„Nicht religiös, aber spirituell“

Nach einem Bericht des „Oregonian“ absolvierte er im Jahr 2008 ein Training bei der US-Armee, wurde für den Militärdienst aber als untauglich eingestuft. 2009 beendete er dem Blatt zufolge die Ausbildung an einer kalifornischen Privatschule für Kinder mit speziellen Bedürfnissen wie Lernschwierigkeiten, Autismus oder Gesundheitsproblemen. Der „Oregonian“ sowie die „New York Times“ schreiben von Hinweisen, dass der Schütze geistige Probleme gehabt haben könnte. In ihm zugeschriebenen Profilen in sozialen Netzwerken beschreibt er sich als „nicht religiös, aber spirituell“ und zeigt Interesse an der bewaffneten irischen Untergrundorganisation IRA.

„Weil Du ein Christ bist, wirst Du Gott in wenigen Sekunden gegenüberstehen“, sagte der Schütze laut Stacy Boylan, der dem Sender CNN den Augenzeugenbericht seiner Tochter wiedergab. „Ich habe seit Jahren darauf gewartet, das hier zu tun“, sagte er demnach, bevor er einen Professor im Unterrichtsraum niederstreckte. Im veralteten Profil einer Website zur Partnersuche bezeichnet er sich laut „New York Times“ als „introvertierten“ Menschen, der eine Abneigung gegen „organisierte Religion“ hat.

In Washington hatte sich Obama am Abend nach der Tat in einer bewegenden Ansprache an die Nation gewandt. „Wir sind das einzige fortschrittliche Land der Erde, das diese Massen-Schießereien alle paar Monate erlebt“, sagte der sichtlich erschütterte und zugleich zornig wirkende Demokrat.

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