Die Footballer von Stuttgart Surge stecken in der Zwickmühle: Solange die EFA es nicht schafft, die angekündigte neue Liga zu gründen, ist es schwierig, an frisches Geld zu kommen.
Auf die rauschende Party folgte die große Ernüchterung. Vor zehn Wochen gewann Stuttgart Surge vor 36 784 Fans in der MHP-Arena die Meisterschaft in der European League of Football (ELF). Es gab ein wildes Fest, doch mittlerweile ist niemand mehr zum Feiern zumute. Auch nicht bei Stuttgart Surge.
Noch immer ist unklar, ob es den elf Rebellen, die sich aufgrund finanzieller, organisatorischer und persönlicher Ungereimtheiten von der ELF und ihrem Mehrheitsgesellschafter Zeljko Karajica losgesagt haben, tatsächlich gelingen wird, wie angekündigt eine eigene Liga zu gründen. Statt irgendwann den Vollzug zu verkünden, gab es zuletzt aus der European Football Alliance (EFA) nur Nachrichten über Uneinigkeiten, Streitereien und eine neuerliche Abspaltung einiger Franchises – gefolgt von Gerüchten über finanzielle Probleme ausgerechnet beim Meister aus Stuttgart.
Surge-Sprecher Sascha Müller sagt nur zwei Worte: „Kein Kommentar!“
„Geht Surge die Kohle aus?“ titelte der gewöhnlich sehr gut informierte Ex-Footballer Dirk Jaschok, der früher unter anderem für Premiere, das DSF, Sport 1 und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) gearbeitet hat und mittlerweile eine eigene Football-Seite in den sozialen Medien betreibt. In seinem Facebook-Text zitierte der erfahrene Medienmann – ohne deren Namen zu nennen – mehrere Manager anderer Franchises, die sich zur finanziellen Situation in Stuttgart äußern. „Es ist gut möglich, dass es für Surge nicht mehr reicht“, hieß es dort. Oder auch: „Die finanzielle Zukunft der Surge sieht offenbar extrem düster aus.“ Daraus folgerte der Autor, dass es im Stuttgarter Football „Existenzangst“ gebe, sich der Club im „Kampf ums finanzielle Überleben“ befinde und es fraglich sei, ob er 2026, in welcher Liga auch immer, überhaupt noch antrete.
Konkret wollte diese Frage bei Stuttgart Surge am Montag niemand beantworten. Geschäftsführer Suni Musa war nicht erreichbar, Medienchef Sascha Müller sagte nur zwei Worte: „Kein Kommentar!“
Nach Informationen unserer Zeitung ist die Lage tatsächlich ernst. Der Jahresetat von Stuttgart Surge, der sich zuletzt bei rund 1,7 Millionen Euro bewegt hat, war schon immer auf Kante genäht. Es stehen zwar keine Gehaltszahlungen aus, offene Rechnungen bei Dienstleistern aber sehr wohl. Aus dem Umfeld der Franchise ist zu hören, dass es mit allen betroffenen Unternehmen Gespräche und Vereinbarungen gebe, der Druck aber – das liegt auf der Hand – ist aktuell größer als bei vergleichbaren Situationen in der Vergangenheit.
Gehen die Football-Clubs gemeinsam unter?
Denn derzeit weiß niemand, wie lange es noch dauert, bis Klarheit darüber herrscht, ob es auch in der nächsten Saison eine Football-Liga auf höchstem europäischem Niveau geben wird. Und solange diese Entscheidung aussteht, ist es für Surge (und alle anderen Franchises) schwierig, an frisches Geld zu kommen, egal ob von den eigenen Gesellschaftern oder neuen Investoren. Der dazu passende Satz wurde aus dem Surge-Umfeld gegenüber unserer Zeitung öfter geäußert: „Wir sitzen alle im selben Boot – wenn es nicht bald eine neue Liga gibt, werden wir gemeinsam untergehen.“
Dass nun die Manager anderer Clubs hinter vorgehaltener Hand über die finanziellen Sorgen des Meisters sprechen, findet man in Stuttgart alles andere als lustig. Dies sei, so ist zu hören, wohl der Versuch, Surge unter Druck zu setzen. Denn der Champion soll nach Informationen unserer Zeitung zu den Franchises gehören, die das von den Vienna Vikings ins Spiel gebrachte Modell bevorzugen, für die Gründung einer neuen Liga einen Investor mit an Bord zu holen, der die Anschubfinanzierung leistet. Andere EFA-Mitglieder wollen stattdessen offenbar einen Spielbetrieb nach dem Vorbild der US-Profiliga NFL organisieren, in der ausschließlich die beteiligten Clubs das Sagen haben. Das hört sich gut an, allerdings dürften die wenigsten Franchises über genügend finanzielle Reserven verfügen, um das nötige Startkapital aufzubringen. Die Stuttgarter Footballer könnten dies dem Vernehmen nach auf keinen Fall. Und noch ein Problem gibt es bei Surge.
Coach Jordan Neuman, der auch für die komplette Kaderplanung zuständig ist, scheint zu befürchten, dass er seinen Arbeitsplatz in Stuttgart verliert. Das Gerücht, der Meistermacher habe sich bei den Franchises, die für 2026 noch eine Trainerstelle zu vergeben haben, nach einem etwaigen Interesse an seiner Person erkundigt, wurde unserer Zeitung von verschiedener Seite bestätigt. Jordan Neuman selbst ließ eine Anfrage am Montag unbeantwortet. Zuletzt, so ist zu hören, sollen ihm die Surge-Verantwortlichen noch einmal verdeutlicht haben, dass er in ihren Planungen für die Zukunft eine zentrale Rolle spiele. Sofern es weitergeht. Im europäischen Top-Football. Und bei Stuttgart Surge.