Ameli in the Woods in der Petruskirche Stuttgart ... und die Kirchen wären voll

Von Jan Georg Plavec 

Das Abschlusskonzert der Musikstudentin Franziska Schuster alias Ameli in the Woods wird zum bislang gelungensten Event des Konzertjahrs. Die Sängerin füllt die Gablenberger Petruskirche spielend - und das nicht nur mit ihrer großartigen Stimme.

Stuttgart - Über das Verhältnis von Kirche und Popmusik lässt sich viel sagen, und nicht nur Erfreuliches. Aber Kirchenräume als Konzertspielstätten zu nutzen, ist fast immer eine gute Idee. Das erste Freikonzert in der Marienkirche war ein rasender Erfolg und am Montagabend hat man auch in der Petruskirche in Stuttgart-Gablenberg von Anfang an ein gutes Gefühl. Der Abend ist als Abschlusskonzert für die Bachelor-Jazz-Studentin Franziska Schuster alias Ameli in the Woods konzipiert. Andere Abschlusskonzerte de Musikhochschule finden regelmäßig im Bix statt und sind übrigens durchweg zu empfehlen. Ein Kirchenkonzert ist halt noch ein bisschen besonderer. Zumal, wenn die Lichtgestalten sich um die Beleuchtung kümmern. 

Es ist dann trotzdem erstaunlich, wie schnell sich ein geradezu transzendentes Erleben einstellt, das man ja genau in solchen Räumen sucht, wenn auch sonst eher im Gottesdienst. Die Stimme von Franziska Schuster ist mal seidig, mal tastend, spielt mit den Halbtönen, leuchtet ganz leise und ganz hohe Melodien aus. Immer wieder loopt sie ihre eigene Stimme, setzt sich ans Klavier und füllt mit alledem die Kirche spielend.

Das ist auch wörtlich zu verstehen: die Bänke sind voll, randvoll, sogar die Empore ist besetzt. Und man darf vermuten, dass keine/r der Hunderten Anwesenden diese besondere Stunde der Kirchenmusik bereut. Die Band, die Ameli in the Woods um sich geschart hat, lässt ihre Stimme zwar strahlen und gibt ihr Raum. Und doch brilliert etwa der Gitarrist Marvin Holley in den Zwischentönen. Markus Zinks treibendes, aber nie übertreibendes Schlagzeugspiel trifft auf den warmen Sound von Sebastian Schusters Kontrabass und des Rhodes-E-Pianos.

Jesus und die Discokugel

All das geschieht unter dem leidenden Blick des Jesus am Kruzifix, vor dem die Lichtgestalten eine Discokugel angebracht haben. Der Sound des Kirchenraums, vielleicht liegt's an der hölzernen runden Decke, ist für diese Art von grenzüberschreitendem Experimental-Jazz-Pop wie gemacht. Ja, wenn es so etwas regelmäßig gäbe - die Kirchen wären voll. Standing Ovations für die Absolvetin verstehen sich am Montagabend von selbst.

Die Noten des Abschlusskonzerts kriegt man einen oder zwei Tage nach dem Konzert mitgeteilt, erklären Kommilitonen von Franziska Schuster nach dem Konzert. Wir plädieren für eine Eins mit Sternchen.


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Redaktion Stuttgart-Ost

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