Die „Ameise“ ist startklar: Der automatisierte Linienbus soll bald in Ehningen Fahrgäste zu ihrem Zielort bringen. Foto: Eibner/Max Vogel

Landrat Roland Bernhard und VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger legen eine Rundfahrt durch den Kreis Böblingen zurück. Die Entwicklung des ÖPNV steht auf dem Plan. Eine Station führt sie zur Firma Bertrandt – und zu einem besonderen Bus.

Ein typisches Fahrzeug ist die „Ameise“ mit ihrer Form, den gegenüberliegenden Sitzplätzen und dem fehlenden Lenkrad definitiv nicht. „Ich hoffe, dass wir jetzt nicht abheben“, scherzt Roland Bernhard, als er in Ehningen zur Probe in dem automatisierten Linienbus mitfährt.

 

Der Landrat fliegt am Dienstag aber nicht etwa davon. Mit einem kleinen Team um Thomas Hachenberger, Geschäftsführer des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart, und Thomas Wagner, Dezernent für Verkehr und Ordnung im Landratsamt Böblingen, legt er eine Rundfahrt durch den Kreis zurück. An drei Stationen will die Gruppe die Entwicklungen des öffentlichen Nahverkehrs zeigen.

Alexander Merkel (re.) und Reha Tözün (li.) stellen Roland Bernhard (Zweiter v. li.) und Thomas Hachenberger die „Ameise“ vor. Foto: Eibner/Max Vogel

Vor dem Unternehmen Bertrandt wartet auf sie zum Start die „Ameise“, ein Projekt das es seit 2020 gibt und das vom Landesverkehrsministerium mitfinanziert wird. Die Firma ist einer der Entwicklungspartner.

Bald Straßenzulassung in Ehningen?

Die Firma will den Shuttlebus zeitnah – wenn die Zulassung kommt – 60 Tage lang für Forschungszwecke vom Bahnhof bis zur Firmengelände rollen lassen. Kostenfrei und mit einem Halt dazwischen. „Das ist nicht nur für Bertrandt-Mitarbeiter. Tagsüber werden wir auch Bürger mitnehmen“, sagt Reha Tözün von Bridging IT, einem der vielen Partner des Projekts.

Wie das in etwa ablaufen würde – und wie es bei der vorherigen Projektphase in Waiblingen ablief –, kann die Gruppe auf dem Firmenparkplatz ausprobieren: Dort fährt der Bus mit Tempo zehn, bei einer Straßenzulassung bis zu 18. Der Bus hat die Strecke eingespeichert, bewegt sich quasi wie auf Schienen fort und empfiehlt, beispielsweise bei Kurven, seine nächste Aktion. Ein Fahrer, der Operator, erteilt dafür auf einem kleinen Bildschirm die Erlaubnis.

Somit fährt die „Ameise“ nicht autonom. Sie befinde sich in der derzeitigen Projektphase 3.1 „zwischen Level zwei und drei“, sagt Alexander Merkel von Bertrandt. Das bedeutet: Der kleine Bus bewegt sich teil- bis hochautomatisch weiter. Die nächsthöhere Stufe ist das vollautomatische Fahren. Der fünfte und höchste Level ist die Autonomie.

Alexander Merkel zeigt den Innenraum der „Ameise“ mit der Fahrplananzeige. Foto: Eibner/Max Vogel

„Automatisiertes oder autonomes Fahren sind natürlich auch im ÖPNV ein absolutes Zukunftsthema“, sagt Thomas Hachenberger, der zum Jahresende in den Ruhestand geht. „Wir selbst können das kaum leisten“, ist der VVS-Chef für die Forschung rund um das Verbundprojekt dankbar. Gleichzeitig versichert er beim Termin in Ehningen: „Kein Busfahrer braucht die Sorge haben, dass sein Arbeitsplatz gefährdet ist.“

Innovationskapital zur Unterstützung

Verglichen mit dem Individualverkehr hat Roland Bernhard die Sorge, „dass wir im ÖPNV den Anschluss nicht halten können“. Grund dafür sei das Hinterherhinken in der technologischen Entwicklung. Daher betont der Landrat in Ehningen das nötige Innovationskapital für derartige Projekte, etwa vom Land. Alexander Merkel spricht die Bürokratie an. Auch die gilt es laut dem Landrat anzugehen. Er erwähnt sogenannte Experimentierklauseln: Das heißt, dass man einfach mal probieren darf. Nun warten die Verantwortlichen aber erstmal auf die Zulassung – und dann auf viele Fahrgäste.