Ambra Durante vor ihren gezeichneten Lebenswelten. Foto: Eric Tschernow/Galerie Friese

Lebenswelten ihrer Generation zeichnet die 21-jährige Ambra Durante. Die literarische Comic-Kunst der Wahl-Berlinerin ist bis 13. März in der Sammlung Ruoff zu sehen.

Köngen - Auf die Hinterseite von Schießscheiben zeichnet die Künstlerin Ambra Durante ihre Figuren. Die feste Substanz des Papiers fasziniert sie. Mit Filzstiften und Tinte erschafft sich die 21-Jährige ihre eigene, wilde Lebenswelt. Ihre Zeichnungen von Menschen, die nach Liebe gieren, oder von Fantasiewesen aus der Großstadt treffen ins Herz. Unter dem Titel „Alles ist jetzt – 2022“ zeigt die Sammlung Ruoff in Nürtingen Werke der jungen Künstlerin, die in Berlin lebt. Die Ausstellung ist bis 13. März zu den Öffnungszeiten der Galerie in Nürtingen zu sehen.

 

Musik ist eine Triebfeder

Für ihr Buch „Black Box Blues“ hat die junge Künstlerin den Anke-Bennholdt-Thomsen-Förderpreis der Deutschen Schillerstiftung erhalten. Diese Auszeichnung wird eigentlich für Literatur ausgelobt. Die Künstlerin, die im Jahr 2000 in Genua geboren wurde, ist eine Grenzgängerin zwischen Zeichenkunst, Comic und Literatur. Wie wichtig auch die Musik für sie ist, verriet Durante im Gespräch mit Nikolai B. Forstbauer, dem Kurator der Stiftung von Hildegard und Fritz Ruoff. In den Räumen der Schellingstraße sind nicht nur Arbeiten von Weggefährten des großen Nürtinger Künstlers Fritz Ruoff zu sehen. Einer der Schwerpunkte liegt auf der Förderung junger Künstlerinnen und Künstler. Dass die Wahl im neuen Ausstellungsjahr auf Ambra Durante fiel, wäre nach Forstbauers Worten ganz im Sinn der Fotografin und Stiftungsgründerin Hildegard Ruoff, die 2020 im Alter von 100 Jahren starb. Ruoff suchte nach Schnittstellen zwischen Literatur und Kunst.

Mit ihrer offenen, sympathischen Art fand Ambra Durante schnell einen Draht zu dem kleinen Besucherkreis, der zum Auftakt der Ausstellung eingeladen war. „Das Leben ist oft dunkel. Aber das schließt ja nicht aus, dass es auch schön ist.“ Mit diesem griffigen Satz brachte die junge Künstlerin ihre Philosophie auf den Punkt. Dass sie nicht nur die düsteren Seiten des Lebens sieht, zeigen ihre Figuren. Da ist eine schemenhaft gezeichnete Menschengruppe, die gebrochen und gekrümmt durchs Leben geht. Doch Ambra Durante hat sie in fröhlichen Farben porträtiert. Und sie halten einander in den Armen, sind sich sehr nah.

Lustvoll in die Welt eintauchen

Ihre erste Ausstellung hatte die Künstlerin 2021 in Berlin. „Lack of sleep is my eye shadow“ (deutsch: Schlafmangel ist mein Lidschatten) spiegelte das Lebensgefühl der jungen Italienerin, die sich in der Großstadt Berlin zuhause fühlt. U-Bahn-Schilder, Straßenschluchten, Menschen in Hast: Das sind die Motive, die Ambra Durantes Sicht auf die Welt prägen. Mit ihren Zeichenstiften erobert sie die Welt, in die sie lustvoll eintaucht.

Was ihr die Kunst bedeutet, bringt sie in ihrer Graphic Novel „Black Box Blues“ (Wallstein-Verlag, 2020) schön auf den Punkt: „Wenn einfach alles, was man braucht, um einen Zugang zur Welt zu erlangen, ein Stift ist.“ Darunter hat sie ein Bild ihrer Protagonistin gezeichnet, die durchs Universum schwebt und mit dem Zeichenstift an die Erde andockt. Das sieht aus wie eine Nabelschnur. In dem Buch spiegelt Durante den Geist ihrer Generation, der sich im schnellen Wandel der Zeit nach Halt und künstlerischem Ausdruck sehnt.

Öffnungszeiten der Sammlung Ruoff, Schellingstraße 12 in Nürtingen: donnerstags 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 14 bis 18 Uhr.