Amazons Sprachassistent Alexa kapert Windows Der Rechner versteht uns jetzt

Von Thomas Klingenmaier 

Amazons Echo-Geräte sind nicht mehr das einzige Biotop für den digitalen Sprachassistenten Alexa. Der fühlt sich bald auch auf Windows-PCs wohl. Foto: Amazon
Amazons Echo-Geräte sind nicht mehr das einzige Biotop für den digitalen Sprachassistenten Alexa. Der fühlt sich bald auch auf Windows-PCs wohl. Foto: Amazon

Amazons Sprachassistent Alexa macht sich bereits in den Privatwohnungen breit. Nun hüpft das Programm auch in die Bürowelt. Es versteht sich jetzt mit Microsoft. Das wird Folgen haben.

Stuttgart - Die großen Erdbeben der digitalen Welt machen manchmal fast kein Geräusch. Solch einen täuschend stillen Ruckler gab es gerade auf der Computermesse CES in als Vegas. Der PC-Hersteller Acer hat dort bekannt gegeben, auf seinen Geräten werde künftig Amazons Sprachassistent Alexa vorinstalliert sein – und zwar so, dass er sich mit Microsofts Sprachassistent Cortana vertrage.

Dem Computerlaien mag das zunächst wie die banale Ankündigung einer neuen Lästigkeit erscheinen: Noch mehr vorninstallierter Firlefanz, den im Endeffekt kein Mensch nutzt. Tatsächlich aber wurde hier ein wichtiger strategischer Schachzug im Kampf um einen der wichtigsten Zukunftsmärkte verkündet.

Digitale Sprachassistenten sind kein Schnickschnack mehr, auch wenn manch einer beim ersten Auftauchen von Amazons Lautsprecher Alexa, der zugleich als akustisches Befehlsannahmesystem funktioniert, gelästert haben mag, dies sein das unüberbietbar überflüssige Gadget für Menschen, die sonst schon alles haben. Digitale Sprachassistenten sind die Schnittstelle der lange eher theoretischen Forschung zur künstlichen Intelligenz mit der alltäglichen Lebenswelt.

Unwiderstehlicher Komfort

Bald schon werden sie einen Komfort bieten, dem die Mehrzahl der Menschen so wenig widerstehen wird wie der Chance, das Internet via Smartphone in der Hosentasche mit sich herumtragen und immer online zu sein. Von den Möglichkeiten der Datensammlung und -verknüpfung, die sich Wirtschaft, staatlichen Organen und Kriminellen bieten, ganz zu schweigen.

Schlaue Programme, die das nicht immer logische Sprechen von Menschen richtig deuten und flexibel darauf reagieren können, sind eines der großen Themen in allen Silicon Valleys dieser Welt. Und mit einiger Verblüffung haben Google, Apple und Samsung, die jeweils eigene Systeme am Markt haben – Google Home, Siri und Bixby - zur Kenntnis nehmen müssen, dass ausgerechnet das Internet-Kaufhaus Amazon mit Alexa das bislang wohl beste System anbieten kann.

Nun hat Alexa eben auch einfache, sofort einsichtige Anwendungen zu bieten. Hat man einen Echo-Lautsprecher von Amazon zuhause, sagt man Alexa etwa, welche Musik aus dem eigenen Cloud-Speicher bei Amazon es abspielen soll. Gerade das machte den Konkurrenten, die alle große Geldsummen in die Weiterentwicklung ihrer Assistenten stecken, die falsche Hoffnung, Alexa könne letztlich aufs Konsumbiotop Amazon beschränkt bleiben. Google schien mit seinen vielen Services und Diensten das attraktivere Umfeld für einen Sprachassistenten, der dauerhaft viele Leben durchdringen würde.

Arbeit und Privates werden verknüpft

Nun aber ist Alexa in die globale Bürowelt gehüpft. Weitere PC-Hersteller haben schon angekündigt, Acers Beispiel zu folgen. Wenn Alexa sich mit Cortana verträgt, dann gibt der Mensch Alexa Arbeitsbefehle und Alexa reicht sie weiter, via Cortana an Excel, Word und Outlook etwa. Vom einfachen Öffnen von Programmen und Dokumenten über die Diktierfunktion bis hin zu komplexen Befehlsketten, bei denen ein intelligenter Assistent umgangssprachliche Wendungen in präzise Aktionen verwandelt, dürfte die Pflichtenliste der Entwickler klar sein.

Bis vor kurzem hätte man vor allem über die möglichen Fehler eines unausgereiften Systems gefeixt. Im Zeitalter ernsthafter Arbeit am selbstfahrenden Auto muss man einem Alexa-Cortana-Team nach seiner Einfindungszeit mehr als Pannen zutrauen. Wer zuhause schon mit Alexa tändelt, wird im Büro früher, als er das sonst getan hätte, auf Sprachbefehle umsteigen. In der Datenwolke verknüpfen sich Arbeits- und Privatleben dann noch stärker als jetzt. Wo das hinführen wird, ist unklar. Aber Amazon wird in der Allianz mit Microsoft eine größere Macht in der Medienwelt der Zukunft, als Google je befürchtet hat.

Lesen Sie jetzt