Amazon Logistics Amazon liefert Pakete jetzt selbst aus

Von Philipp Johannßen 

Amazon lässt die Päckchen nun selbst ausliefern. Foto: dpa
Amazon lässt die Päckchen nun selbst ausliefern. Foto: dpa

Der Online-Versandhandel Amazon liefert seit kurzem viele Bestellungen durch eigene Mitarbeiter an die Kunden aus. Wir haben Informationen über den neuen Service gesammelt, die Kunden interessieren könnten.

Stuttgart - Einkäufe bei Amazon werden nicht mehr nur durch Paketdienste wie DHL, Hermes, DPD oder andere ausgeliefert, sondern inzwischen auch durch das Unternehmen selbst. Der Online-Versandhändler liefert bereits seit 2015 selbst aus. Anfangs nur in einem Modellprojekt in der Nähe von München, inzwischen jedoch schon in mehreren deutschen Großstädten. Der neue Service wird von Amazon nicht öffentlich kommuniziert. Weder auf der Homepage noch im Logistikblog des Unternehmens finden sich erklärende Einträge dazu. Einzig eine Sendungsverfolgung ist zu finden.

„Wir haben Sie verpasst“ steht in weißer Schrift auf orangefarbenem Hintergrund der Benachrichtigungen im Briefkasten. Auf der Rückseite ist „Amazon Logistics“ zu lesen, sowie der Ort, an dem das Paket jetzt zu finden ist: beim Nachbarn. Die Lieferungen finden ihr Ziel – aber was steckt hinter dem neuen Paketdienst?

Warum liefert Amazon selbst aus?

Überall dort, wo andere Paketdienste nicht mit dem Liefern hinterherkommen, will Amazon einspringen. „Die Nachfrage nach Lieferungen am gleichen oder darauffolgenden Tag der Bestellung steigt schnell, aber die Infrastruktur wächst nicht im selben Tempo mit“, erklärt Amazon-Pressesprecher Stephan Eichenseher. „Wir schaffen aber nur dort Kapazitäten, wo es notwendig ist“, heißt es. Genau genommen liefert Amazon jedoch nicht selbst, sondern übernimmt vor allem die Routenplanung.

Wo liefert Amazon Logistics?

Bislang gibt es acht Verteilzentren in der Bundesrepublik, das erste wurde in Olching bei München Ende 2015 eröffnet. Seit Februar 2018 ist auch eins in Mannheim aktiv, der bislang einzige Standort in Baden-Württemberg. In Berlin, Frankfurt und der Ruhrregion stehen weitere Verteilzentren. Für Stuttgart oder die Region ist bislang kein Verteilzentrum geplant, erklärt Eichenseher auf Nachfrage.

Können Kunden den Versand durch Amazon auswählen?

Nein, der Kunde kann nicht auswählen, durch wen seine Lieferung zugestellt wird. Amazon entscheidet bei jeder Bestellung, welche Versandart die schnellste für die Lieferung ist. Über die Versandbestätigung per E-Mail kann der Kunde aber sehen, welcher Anbieter die Ware ans Ziel bringt.

Welche Vorteile hat ein Kunde dadurch?

Laut Eichenseher gibt es für Amazon-Kunden zwei Vorteile durch die Zustellung durch Amazon Logistics. Zum einen kann der Kunde später bestellen, um die Lieferung noch am selben oder nächsten Tag zu erhalten („mittags bestellt, abends geliefert“), zum anderen sollen mehr Bestellungen bereits beim ersten Versuch zugestellt werden. Amazon arbeitet mit lernenden Zustellrouten, die sich beispielsweise bei erfolgreichen Zustellungen die Uhrzeiten merken, und mit Fahrern, die immer in den selben Gebieten ausliefern.

Wie sind die Amazon-Boten zu erkennen?

Amazon arbeitet an jedem Standort mit regionalen Lieferpartnern zusammen. Die Zustellung übernehmen also andere Unternehmen, denen Amazon keine einheitliche Kleiderordnung, wie bei anderen Paketdiensten üblich, vorschreibt.

Warum ist bislang so wenig über Amazons Liefertätigkeiten bekannt

Auf diese Frage gibt es von Amazon keine direkte Antwort. Eichenseher: „Das Paket soll den Kunden finden und nicht andersherum. Idealerweise merkt der Empfänger keinen Unterschied, wer das Paket zugestellt hat. Und der Kunde kann ja auch nicht auswählen, wer die Lieferung zustellt.“

Sehen andere Paketdienste Amazon als Konkurrenten an?

Vorstöße von Wettbewerbern oder Auftraggebern – in diesem Fall trifft auf Amazon beides zu – will Hermes nicht öffentlich kommentieren. Die DHL spricht von einer „engen und vertrauensvollen geschäftlichen Partnerschaft“, die sie mit Amazon verbinde. Man werde auch künftig mit Amazon in Mannheim zusammenarbeiten, heißt es weiter. GLS arbeitet in Deutschland nicht mit Amazon zusammen und will sich nicht zu deren Geschäftsstrategie äußern. In der Pressemitteilung heißt es aber, dass Amazon sich „als innovatives Unternehmen präsentiert, das vieles ausprobiert und gerne neue Wege geht. Das hat in unserer Branche einiges in Bewegung gebracht, so zum Beispiel bei dem Thema Same-Day-Belieferung.“ DPD reagierte nicht auf unsere Anfrage.

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