In den abgelegenen Regionen Kanadas werden Feuer, die aufgrund eines Blitzschlags entstanden sind, oft nicht bekämpft. „Wir lassen der Natur dort ihren Lauf“, sagen Forstwissenschaftler. Foto: dpa

In Kanada gehören Feuer zum Zyklus der Natur. Pro Jahr werden 2,3 Millionen Hektar Baumbestand vernichtet. Mehr dazu am Samstag in der Infografik der Stuttgarter Nachrichten.

Ottawa - In Kanada brennen weiter Tausende Hektar Wald. Nach einem trockenen Sommer 2015, einem niederschlagsarmen Winter und frühen hochsommerlichen Temperaturen drohen vielen Gegenden Kanadas extrem viele Waldbrände. Ein wesentlicher Faktor für die Zunahme der Feuer ist der Klimawandel mit dem Anstieg globaler Temperaturen.

Das hört sich dramatisch an: Ist Kanada doch eines der waldreichsten Länder der Erde mit einer Waldfläche von etwa 3,5 Millionen Quadratkilometern. Waldbrände habe es daher schon immer gegeben, sagen Forstwissenschaftler: „Feuer ist ein natürlicher Bestandteil des Ökosystems“, sagt Alex Drummond, Forscher am Institut für Forstwissenschaften der Universität von Alberta in Edmonton. „Es ist Teil der Landschaft und bringt nach der Zerstörung von Wäldern ihre Erneuerung.“ So steht im Waldbericht 2015 des für die Forstwirtschaft zuständigen Bundesministeriums für Naturressourcen, dass seit 2006 im Schnitt pro Jahr 2,3 Millionen Hektar Wald verbrannten. Jährlich werden etwa 8300 Waldbrände gezählt, von denen aber nur etwa drei Prozent eine Fläche von mehr als 200 Hektar bedecken.

Brennt es lange nicht, wird der nächste Waldbrand umso heftiger

In nördlichen Wäldern treten Feuer etwa alle 100 Jahre auf. Je länger es nicht brennt, um so mehr abgestorbenes Buschwerk und Bäume häufen sich am Boden an, liefern Brandmaterial und führen dazu, dass das Feuer immer heißer wird und sich weiter ausbreitet. „Wenn es lange Zeit nicht brennt, steigt das Risiko, dass der nächste Waldbrand umso heftiger wird“, sagt Drummond.

Feuer beseitigen aber nicht nur das Altholz, sie führen auch dazu, dass sich die Wälder verjüngen und in ihrem Bestand verändern. „Feuer erzeugen ein Mosaik von Pflanzengemeinschaften unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Arten“, sagt Matt Meade vom Canadian Forest Institute. Hinzu komme, dass kein Waldbrand dem anderen gleiche: „Aufgrund der unterschiedlichen Landschaft und anderen Faktoren wie beispielsweise eine Änderung der Windrichtung, brennen Feuer mal mehr mal weniger intensiv“, sagt Meade. Gebiete, in denen das Feuer den Wald komplett zerstörten, wechseln sich mit Gebieten ab, die unversehrt blieben oder nur leicht verbrannten.“ Auch das trägt zur Verschiedenheit der Waldbestände bei. Gelöscht wird übrigens nicht immer: In den abgelegenen Regionen des Landes werden Feuer, die aufgrund eines Blitzschlags entstanden sind, oft nicht bekämpft. „Wir lassen der Natur dort ihren Lauf“, sagt Drummond.

Außerdem in der Wochenendbeilage den StN:

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