Das Denkmal ist ein Werk des Künstlers Nikolaus Kernbach. Aus einem bruchrauh belassenen Steinblock wurde eine schematische Figur herausgesägt und vor dem aufgesägten Block platziert, was das Heraustreten aus der Masse symbolisiert. Foto: Torsten Ströbele

Wenn es nach den Stadträten geht, wird das Kunstwerk nicht mehr lange am Pragsattel stehen. Der Standort am Hotel Silber wird für geeigneter gehalten. Aber die Stadtverwaltung tritt noch auf die Bremse.

Stuttgart-Feuerbach - Nur wenige Schritte vom Eingang des Theaterhauses entfernt, steht das Stuttgarter Denkmal für Deserteure. Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, was das Kunstwerk des Bildhauers Nikolaus Kernbach aus Aulendorf aussagen möchte und vor allem wem zu Ehren es an der Siemensstraße aufgestellt wurde. Eine kleine, unscheinbare, verdreckte und abgenutzte Hinweistafel gibt Aufschluss: „Gewidmet den Deserteuren aller Kriege“, steht darauf zu lesen.

Am 30. August 2007 wurde das von 300 privaten Spendern finanzierte Deserteur-Denkmal in Anwesenheit von Vertretern der Stadt und des damaligen Bürgermeisters Klaus-Peter Murawski am Theaterhaus enthüllt. Doch der Standort galt schon damals nicht unbedingt als optimal. 2015 stellte die Gemeinderatsfraktion von SÖS-Linke-Plus einen Antrag, damit das Denkmal in die Innenstadt versetzt werden kann. Ein Jahr später forderte das auch die SPD. Im Juli vergangenen Jahres erneuerten die Sozialdemokraten und SÖS-Linke-Plus ihren Wunsch. Gemeinsam mit den Grünen und der FDP wollten sie die Verlegung des Denkmals auf einen zentralen Platz in der Innenstadt endlich umgesetzt sehen – „als ein Zeichen der sichtbaren, öffentlichen Würdigung der Stuttgarter Deserteure und auch als ein Zeichen der Anerkennung bürgerschaftlichen Engagements“. Auch in den vergangenen Haushaltsberatungen des Gemeinderats war das Denkmal ein Thema. Einige Fraktionen wollten die Umzugskosten in Höhe von geschätzten rund 7500 Euro bereit stellen. Auch ein neuer Standort schwebte den Stadträten vor.

Bürgermeister Mayer: Erst muss das Hotel Silber saniert sein, ehe eine Entscheidung fällt

„Rund um den Karlsplatz mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das die Reichseinigung und den Krieg von 1870/71 gegen Frankreich heroisiert, hat sich in Erinnerung an die Opfer des Naziregimes und der Gewaltherrschaft eine Reihe von Gedenkorten etabliert“, heißt es in dem Antrag von FDP, Grünen, SPD und SÖS-Linke-Plus. „Vom Mahnmal gegen Krieg und Faschismus über die Staufenberg-Gedenkstätte und die drei Skulpturen von Alfred Hrdlicka zieht sich eine Diagonale der Erinnerung bis zum Hotel Silber, das zukünftig als Lern- und Gedenkort genutzt werden wird.“ In diesem Kontext sei es konsequent, das Denkmal für Deserteure in die Innenstadt zu verlegen und der Diagonale der Erinnerung eine weitere Facette hinzuzufügen. Ein Platz, neben dem Hotel Silberan der Holz- und Dorotheenstraße, sei geeignet – etwas abseits des Eingangs. „Der Aufstellungsort ist bewusst so gewählt, um eine direkte inhaltliche Verbindung zu vermeiden, die so nicht gewollt und auch historisch nicht stimmig ist“, heißt es in dem Antrag weiter.

Bürgermeister Fabian Mayer nahm zu dem gewünschten Umzug des Denkmals in der ersten Haushaltslesung Stellung: „Das Hotel Silber wird derzeit noch umgebaut und saniert. Im Zuge dieser Bauarbeiten wurde auch der ursprünglich vorhandene Eingang an der Gebäudeecke Holz- und Dorotheenstraße, der im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Krieg geschlossen wurde, wieder freigelegt und wird möglicherweise als weiterer Gebäudeeingang reaktiviert. Dies würde zur Folge haben, dass die Flächen rund um das Hotel Silber hinsichtlich der Freiflächengestaltung neu überplant werden müssen.“ Aus Sicht der Verwaltung sei es problematisch, wenn bereits jetzt Entscheidungen getroffen würden. „Nach Abschluss der Sanierung des Gebäudes und wenn abzusehen ist, wie die Freiflächen gestaltet werden können, wird die Verwaltung prüfen, ob das Deserteur-Denkmal im Umfeld des Hotel Silber aufgestellt werden kann“, betonte Bürgermeister Fabian Mayer.

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