Gorillas und Bonobos (Bild) erwarten die Besucher in neuer Umgebung. Was Besucher erwartet, sehen Sie in der Bildergalerie. Foto: Leif Piechowski

Mehr Platz für Affen, mehr Einblicke für Besucher – Wilhelma-Freunde haben die Eröffnung des neuen Menschenaffenhauses herbeigesehnt. Minister Schmid eröffnet das supermoderne Gehege für Gorillas und Bonobos.

Stuttgart - Mimi kannte nichts anderes. 40 Jahre lang lebte die betagte Äffin im zuletzt maroden Menschenaffenhaus. Aber für die Seinen ist eigentlich nur das Beste gut genug. Das hält ein Zoo-Chef ähnlich wie ein Familienvater. Deshalb sollten Mimi, Gorilla-Mann Kibo und ihre Sippe das schönste, tollste, modernste Haus bekommen, das man sich für Primaten in Gefangenschaft vorstellen konnte. So lautete der lange gehegte Plan von Wilhelma-Direktor Dieter Jauch und den verantwortlichen Zoologen. Zehn Jahre nach der Zusage des Wilhelma-Fördervereins, das Projekt mitzubezahlen, ist der große Tag da: An diesem Dienstag wird in der Stuttgarter Wilhelma das neue Menschenaffenhaus eröffnet. Es ist eines der modernsten Gehege für Menschenaffen weltweit.

Die Tiere haben in der insgesamt 11 000 Quadratmeter großen Anlage 14-mal soviel Platz als bisher. Höhere Innen- und ausladendes Außengehege erlauben mehr Kletterei. Die Pfleger, die keinen direkten Kontakt zu den Affen haben, können sich durch Gehegedecken aus Gitterstäben intensiver mit ihren Schützlingen beschäftigen. Mehr Elektronik soll zudem mehr Sicherheit gewährleisten. Ein Boden aus Rindenschrot und ein Urinablauf vereinen überdies werden Natur und Hygiene.

Die Besucher sind Teil der Inszenierung, weil ihr Weg durchs Haus die Gehege trennt. Sie sehen mehr und können die Tiere dank der Gitter hören und riechen. Neu gestaltete Infotafeln komplettieren das Tiererlebnis. Fragt sich, ob der Koloss aus Beton und Stahl das schönste Affengehege ist. „Wir sind auf die Reaktionen gespannt“, sagt die stellvertretender Leiterin des Zoos, Marianne Holtkötter. Besucher dürfen erstmals am Mittwoch in die Anlage, die sich von außen betrachtet in den Park einfügen soll.

Artgerechte Haltung hat Vorrang

Optik hat für die Wilhelma-Zoologen bis heute nicht allerersten Vorrang, auch wenn die Besucher lange vor der Jahrtausendwende die „hässliche Badezimmerarchitektur“ der alten Anlage bemängelten. Ob sich Kibo an der kalten Atmosphäre der bisherigen Menschenaffengehege wirklich störte, weiß ohnehin niemand genau. Ein Gorilla benötigt keinen künstlich modellierten Canyon, um sich im Zoo wohlzufühlen, sagt Direktor Jauch. Artgerechte Haltung hat Vorrang vor teuren Kunstfelsen. Erstere sei in Gegensatz zu den alten Betonquadern wieder gewährleistet. Tierschützer, die sich ernsthaft mit Zootierhaltung befassen, „werden uns recht geben“, so Marianne Holtkötter.

Nicht vergessen, aber nachrangig dürften am heutigen Eröffnungstag die Querelen sein, die Planung und Bau der Anlage begleitet haben. Die Zoologen, die Planer des Büros Hascher Jehle Architekten, der Förderverein und das Land als Geldgeber – die Beteiligten waren sich oft uneins über das schönste, tollste, modernste Haus für die Affen. Auch das hat den Bau von zunächst rund 14 Millionen auf 22 Millionen Euro verteuert und die Eröffnung immer wieder vergezögert. Nur zuletzt waren die Affen schuld, dass der Zeitplan noch mal ins Wanken geriet: Just als der Umzug der Bonobos starten sollte, kam Äffchen Lubao zu Welt.

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