Münz- und Sporerstraße sollen sich an der Markthalle zu einem Platz weiten. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie. Foto: Breuninger

Breuninger-Pläne sollen fix umgesetzt werden – Einzelhandel sieht Angebot als Bereicherung.

Stuttgart - Breuninger-Chef Willem van Agtmael hatte am Dienstag seine überarbeiteten Pläne für das nun Dorotheen-Quartier genannte Projekt gemeinsam mit OB Wolfgang Schuster (CDU) und Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) präsentiert. Masse und Höhe des Entwurfs vom Stuttgarter Architekturbüro Behnisch wurden seit dessen Wettbewerbsgewinn 2010 reduziert, auch weil die Fäche des früheren Hotels Silber nicht genutzt werden kann. Das Haus im Landesbesitz bleibt stehen und soll nach dem Auszug des Finanzministeriums zum Gedenkort an die Nazi-Diktatur werden.

Van Agtmael will bis zur Eröffnung Anfang 2016 rund 200 Millionen Euro in den Bau von 10.000 Quadratmeter Handel und Gastronomieflächen, 25.000 Quadratmeter Büros und 3000 Quadratmeter Mietwohnungen investieren. Die Sprecher der großen Fraktionen im Gemeinderat lobten den Unternehmer. „Ich finde es toll, dass er seit dem ersten Vorschlag 2007 durchgehalten hat“, sagt CDU-Chef Alexander Kotz. Die jetzt gefundene Lösung mit drei statt zwei Baublöcken sei „sehr attraktiv, dass wird ein Hingucker“, so Kotz. Dass das alte Hotel Silber stehen bleibt, stört ihn nicht. Man könne mit dem gesamten Ensemble gut leben. Ein Augenmerk will Kotz auf die großflächige Dachbegrünung legen. Hier dürfe es keine Abstriche geben.

Druck des Gemeinderats hat offenbar geholfen

Peter Pätzold, Chef bei den Grünen und selbst Architekt, lobt den „skulpturalen Entwurf“. Der Druck des Gemeinderates und ein dreidimensionales Modell hätten bei der Überarbeitung der Ursprungspläne wohl geholfen. Die Höhensprünge der mit Glas verkleideten Dachflächen seien nun richtig platziert: An der Markthalle und zum Karlsplatz würden die Neubauten niedriger, die am höchsten aufragenden Flächen lägen in Richtung Holzstraße und zum Breuninger-Hochhaus hin.

Gut findet Pätzold auch, dass Behnisch die gesamte Technik unter dem Dach bündelt. Beim Einkaufszentrum der Hamburger Otto-Tochter ECE hinter dem Hauptbahnhof habe man „80 Öffnungen oder Aufbauten im Dach“, sagt Pätzold. Er hält dies für ein Negativbeispiel, auch was die Information des Gemeinderats anlange.Über die vielen Aufbauten sei der Gemeinderat zu spät informiert worden.

„Der Neubau ist gut für die Stadt“

„Deutliche Verbesserungen“ registriert auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Roswitha Blind. Der von Breuninger geplante Komplex an der Holzstraße sei mit 33,5 Meter aber noch zu hoch. Blind wünscht hier ein Stockwerk weniger. Gut sei die neue Dreiteilung der Gebäude, zu begrüßen sei, dass van Agtmael mit dem Schauraum in der Münzstraße 10 die Bürger informiere und deren Meinung hören wolle.

„Der Neubau ist gut für die Stadt“, sagt Sabine Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Einzelhandelsverbands im Land. Van Agtmael hatte erklärt, die Geschäfte im Erdgeschoss an hochwertige Anbieter vermieten und nicht selbst unter der Marke Breuninger betreiben zu wollen. „Mehr Luxus bereichert die Stadt“, sagt Hagmann. Es gebe Verbraucher in Stuttgart und er Region, die zum Einkaufen nach München führen. Diese Kundschaft müsse und könne durch ein erweitertes Angebot in Stuttgart gehalten werden. Daher sei der Neubau sogar „eine Bereicherung für das ganze Land“, so Hagmann. „Toll, dass es endlich klappt“, so die Verbandschefin.

Bei der Vermietung der 25.000 Quadratmeter Büros in bester Lage scheint Breuninger mit dem Land in intensiven Gesprächen zu sein. Der vormalige Baupartner in spe hat sein altes Innenministerium an Breuninger verkauft.

Handelskonzern ECE reagiert abgeklärt

Man habe trotz des neuen Innenministeriums an der Willy-Brandt-Straße und dem Kauf des Postquartiers in Bahnhofsnähe (für Mitarbeiter des Kultusministeriums) „in den nächsten Jahren noch Bedarf an einer zeitgemäßen Unterbringung“ von Mitarbeitern, teilt das Finanzministerium auf Anfrage mit. So sei zum Beispiel nicht geklärt, wie viel Platz man brauche, wenn die Abgeordneten mit der Landtagssanierung das Neue Schloss in Beschlag nehmen würden.

Abgeklärt reagiert ECE auf Breuningers Expansion. Der Handelskonzern ECE will in den nächsten Monaten hinter dem Bahnhof den Bau seines 43.000 Quadratmeter großes Einkaufszentrums beginnen. Vorarbeiten mit Bodenaushub laufen. Man werde mit Breuninger nicht ins Gehege kommen, sagte ein ECE-Vertreter. Breuningers zentraler Standort zwischen Karls- und Marktplatz werde immer funktionieren. Selbst 10.000 Quadratmeter mehr Handelsfläche an dieser Stelle seien leicht zu vermarkten. „Die Flächen werden weggehen wie geschnitten Brot“, so der ECE-Vertreter.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: