Da schwimmen sie – zwei Wasserpistolen: Im Pool kann das okay sein, in der Schule allerdings nicht. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Am größten Gymnasium im Land in Marbach nahm das Gespritze in jüngster Zeit dermaßen überhand, dass 60 Wasserpistolen eingezogen wurden. Offenbar handelt es sich aber um ein lokales Phänomen.

Wasserpistolen: Sind sie der Trend des Sommers? Im Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium schon. Kurz nach den Osterferien ploppte am größten Gymnasium im Land die Sache auf und plötzlich hatten alle eine. Oder zumindest viele der mehr als 2000 Schüler. Vor allem kleine Pistölchen, vereinzelt auch größere Exemplare wurden mit zur Schule gebracht und eine Weile rege zu wilden Umherschießereien genutzt. Es gab sogar Hinweise darauf, dass die kleinen bunten Plastik-Spritzerle bei den Schülern untereinander verkauft wurden.

„Ja, das scheint der Trend der Saison zu sein“, sagt der Schulleiter Volker Müller. An sich relativ harmlos, „aber es ist an der Grenze zur Waffe“. Und: „Es ist eine ungeheure Sauerei.“ Wasserlachen in den Klassenzimmern, im Foyer und auf den Treppen sorgen für Rutschgefahr, Wasser auf den Möbeln oder gar elektronischen Geräten verursachen Schäden. Zudem kann der Schuss aus der Wasserpistole im wahrsten Sinne des Wortes auch ins Auge gehen.

Die Wasserpistolen werden nur an die Eltern gegeben

Im Elternbrief vor den Pfingstferien gab es deshalb den Hinweis, dass diese Pistolen zu Hause bleiben müssen. „Ansonsten müssen wir sie einziehen und geben sie nur an Eltern heraus.“ Das ist anders als beispielsweise bei Handys, die die Schüler nach dem Unterricht selbst wieder abholen dürfen.

Um die 60 Wasserpistolen wurden mittlerweile eingesammelt. Wenig überraschend kamen aber noch keine Eltern in der Schule vorbei, um die bunten Plastikteile ihrer Sprösslinge wieder abzuholen. „Die werden wir dann irgendwann entsorgen“, sagt Müller. Er ist froh, dass der Spuk nun halbwegs durch ist. „Seit wir die Problematik mit den Eltern und Schülern besprochen haben, ist es besser geworden“, sagt er.

Woher der Trend kam? Müller vermag es nicht zu sagen. „Das tauchte einfach plötzlich auf. So wie andere Trends auch – vom Zauberwürfel über Kreisel bis hin zu Jojos.“

Erstaunlich ist allerdings, dass es sich offenbar eher um ein Marbacher Phänomen handelt. Christoph Mühlthaler, Leiter des Ernst-Sigle-Gymnasiums in Kornwestheim, sagt, dass der Trend in seiner Schule bislang noch nicht auftrat. In den vergangenen Jahren waren mal Wasserpistolen beim Abischerz zum Einsatz gekommen. „Im Schulhaus muss das untersagt werden, da an der Technik wie Beamer, Rechner, und so weiter hoher Sachschaden entstehen kann.“

Am Bildungszentrum West in Ludwigsburg gab es das Thema Wasserpistolen zwar, sagt Mathias Hilbert, der Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasium. „Allerdings deutlich abgeschwächt. Die paar Pistolen haben wir eingezogen.“

Zwei Wasserbomben konfisziert

Auch an der Oscar-Paret-Schule in Freiberg sind Wasserpistolen derzeit „nicht das große Thema“, wie René Coels, geschäftsführender Schulleiter der Gesamt-OPS mit 1450 Schülern, berichtet. Just am Freitagmorgen habe er zwei Wasserbomben konfisziert, fügt er lachend an. Und dieser Tage mal eine Wasserpistole. „Klar ist das Thema Wasser ein großes, gerade wenn es so heiß ist“, sagt René Coels. Er hatte durchaus Bedenken, dass die neuen Wasserspender in den neuen Schulräumlichkeiten auch dazu einladen könnten, damit Unsinn zu treiben. Doch das lief dann gut, „wir haben die Schüler von Beginn an sensibilisiert.“

Und auch bei den jüngeren Jahrgängen scheint sich der Trend aus Marbach (noch) nicht durchgesetzt zu haben. „Wasserpistolen sind bei uns noch keine aufgetaucht“, sagt Mechthild Wittmer, die Rektorin der Grundschule in Steinheim-Höpfigheim. Wenn dort etwas mit Wasser läuft, dann im geplanten Rahmen – beispielsweise als Wasserstaffel in der Ganztagsschule.

Ebenfalls Wasserpistolen, allerdings nicht im Zusammenhang mit der Schule, waren vor rund einer Woche im Bereich Marbach und Erdmannhausen Thema. Hier wurden Passanten aus fahrenden Autos heraus nass gespritzt. Das wurde zwar auf Facebook mit „ach komm, ist doch Sommer“ kommentiert. Doch die Betroffenen fanden es weniger lustig. In einem Fall wurde eine Seniorin bei der Aktion komplett nass, in einem anderen Fall fand es die Trägerin eines hellen Kleides „schon sehr belästigend“.

Juristisch ist das Ganze übrigens „ein ganz heikles Thema“, wie es die Beamten der Polizei-Pressestelle in Ludwigsburg formulieren. Zwar ist das Nassspritzen mit der Wasserpistole an sich keine Körperverletzung, aber wenn beispielsweise das Auge getroffen wird, kann das wieder anders aussehen. Man müsse die Umstände betrachten. Im Straßenverkehr etwa könne jemand durch eine solche Aktion erschreckt werden, sodass ein Unfall passiert. Da kann der vermeintlich harmlose Scherz dann schnell zur Straftat werden, heißt es bei der Polizei. Oder in kurz: „So etwas macht man einfach nicht.“