Mit einer Pop-up-Gastronomie möchte Leonhard Hell den Merkelpark beleben. Die Sommerbar ist Teil des städtischen Kulturkonzepts für die Nutzung der Villa Merkel.
Mit dem Akkuschrauber arbeitet Leonhard Hell an dem Kiosk, der jetzt auf der Freifläche am Wintergarten der Villa Merkel steht. Am 14. Juli öffnet dort die Pop-up-Gatronomie „fünfbisneun“. Da wird es kühle Getränke und Snacks geben. Mit Sitzgelegenheiten und einem Sandkasten haben der Gastronom und sein Team vor der Galerie Aufenthaltsqualität geschaffen. Damit möchte die Stadt Esslingen den Merkelpark beleben und mehr in die Stadtgesellschaft einbeziehen.
Neues Leben ist im vergangenen Jahr bereits mit dem Stadtacker für Vielfalt und Kunst in den Merkelpark eingezogen. Mit Esslinger Bürgerinnen und Bürgern pflanzt und erntet ein Team des Kunstmuseums Salat, Kartoffeln und Karotten. Manchmal wird auch gemeinsam gekocht. „So erreichen wir ein Publikum, das sonst nicht in die Galerie kommen würde“, schwärmt die Kunstvermittlerin Johanna Knoop von dem Konzept. Der junge Mann aus der Türkei, der seine Deutschkenntnisse verbessern möchte, zählt ebenso zu den Freizeitgärtnern wie der Senior, dem es in den eigenen vier Wänden zu langweilig ist.
Neue Perspektiven für die Nutzung
Das Kulturamt der Stadt Esslingen und das Team der Villa Merkel haben neue Perspektiven für die Nutzung des Kunsthauses und des Merkelparks mit seinen Skulpturen entwickelt, die jüngst im Gemeinderat vorgestellt worden sind. Die Sommergastronomie, die immer donnerstags und freitags von 16 bis 22 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 22 Uhr öffnen soll, ist ein wichtiger Baustein für das neue Konzept. „Die Projektgastronomie soll auch als Brücke ins Haus funktionieren“, sagt Kulturamtsleiterin Alexa Heyder. „Wir wollen die Menschen, die sich draußen im Park aufhalten, zu Führungen und zu den anderen Vermittlungsangeboten ins Haus abholen.“ Manche Angebote fänden auch ganz draußen statt, sagt die Chefin des Kulturamts. „Gleichzeitig werden wir dabei auch die Skulpturen im Park mehr in den Fokus rücken. „Ziel des Ganzen ist selbstverständlich auch die Teilhabe von mehr Menschen an unseren Angeboten.“ Heyder und ihr Team wollen die Schwelle ins Haus kleiner machen und das Haus mehr zu den Menschen hin öffnen. Die Ausstellung „Surface Treatments – 150 Jahre Zeit“, die am 5. August eröffnet wird, thematisiert nach ihren Worten unter anderem das Haus und seine 150-jährige Geschichte. „Das ist für uns die ideale Gelegenheit, das Gebäude anders zu betrachten und neu in der Öffentlichkeit zu positionieren.“ Heyder wünscht sich, dass Menschen aller Generationen mit Picknicks und Decken in den Park kommen.
Dass die Bewirtung gut funktionieren wird, steht für Leonhard Hell außer Frage. Gemeinsam mit Sabine D’Aloia und mit Michael Belthle hat er den Kiosk aus Holz aufgebaut, der am 14. Juli in Betrieb gehen soll. „Die Gastronomie schafft Menschen aus Esslingen und der Region die Möglichkeit, sich im Park zu begegnen und ins Gespräch zu kommen.“ Dass dieses Konzept klappt, hat Hell im vergangenen Jahr beim Festival der Kulturregion Stuttgart erlebt. Da fand das zentrale Festivalzentrum im Merkelpark großen Zuspruch. Die Sitzgelegenheiten aus Holz mit einem kleinen Sandkasten übernimmt der Gastronom vom damaligen Festivalzentrum. Dazu kommen Toiletten in einem Container. „Diese Infrastruktur ist wichtig, damit sich die Gäste wohlfühlen.“ Hell und sein Team von „fünfbisneun“ haben Erfahrung mit ihrem Lokal, das sie im Esslinger Jugendhaus Komma betrieben haben. Nun ist der Gastronom gespannt, wie sich das Konzept im Merkelpark umsetzen lässt. Er plant auch Konzerte im Freien.
Ein beliebter Anlaufpunkt für Familien
Mit Kühlschränken und einem Pizzaofen für heiße Snacks ist der Holzkiosk bestens ausgestattet. Schon beim Aufbau kamen Zaungäste. Anna Luz und Florian Kube sind mit ihren zwei Kindern und mit Freunden in den Merkelpark gekommen. „Wir leben hier in der Stadt und finden es schön, mit den Kindern draußen zu sein.“ Da die Familie keinen Garten hat, ist der Park im Sommer für sie ein beliebter Anlaufpunkt. Der einjährige Emil findet es spannend, den Sandkasten zu entdecken. Für Liam, den dreijährigen Sohn der Familie Mittnacht, bietet die Wiese viel Platz zum Spielen und Toben.
Volles Programm in der städtischen Galerie
Blick ins Museum
Zur Eröffnung erwartet die Gäste am Freitag, 14. Juli, ein abwechslungsreicher Tag im Grünen und in der Villa Merkel. Die städtische Galerie ist an diesem Tag bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist ab 16 Uhr für alle frei. Ebenfalls kostenfrei sind kurze Highlight-Führungen zu den Kunstwerken im Haus.
Die Künstlerin kommt
Im Erdgeschoss sind die Videoarbeiten von Julika Rudelius zu erleben, die sich mit Machtstrukturen in der Gesellschaft auseinandersetzen. Die Ausstellung „…in the days of the bullies“ fasst über 20 Jahre ihres künstlerischen Schaffens zusammen. Julika Rudelius wird am 14. Juli anwesend sein.
Kreativ werden
Gleichzeitig sind im Obergeschoss der Villa Merkel Schätze aus der Graphischen Sammlung der Stadt Esslingen zu sehen: von Arbeiten der Brücke-Künstler über zeitgenössische Fotografie bis hin zur Malerei. Die Gäste dürfen an Staffeleien selbst kreativ werden, und es gibt Rückzugsräume.