Am 1. März: Tübingens Kunsthallenchefin Nicole Fritz in der StN-Reihe „Über Kunst“ Nicole Fritz: Lächeln mit Nachdruck

Von Nikolai B. Forstbauer 

Näher dran an herausragenden Persönlichkeiten der Kunstszene – die „Stuttgarter Nachrichten“ machen dies mit der Gesprächsreihe „Über Kunst“ möglich. Nächster Gast in der Staatsgalerie ist am 1. März Nicole Fritz.

Stuttgart - „Überraschend“. Dieses Wort fällt immer noch, wenn man in Ravensburg nach dem Wechsel von Nicole Fritz an die Spitze der Kunsthalle Tübingen fragt. „Oberschwaben trauert“ titelte denn auch der „Südkurier“.

Eine Erfolgsgeschichte

Von 2011 war Fritz für die Kunst-Geschicke in Ravensburg verantwortlich, lenkte den Aufbau des neuen Kunstmuseums und positionierte das 2013 eröffnete Kunst­museum Ravensburg in Höchstgeschwindigkeit auch auf der überregionalen Kunstlandkarte. Eine Erfolgsgeschichte.

Rückenwind von der Kunststaatssekretärin

Kann die 48-jährige Kunsthistorikerin, die über Joseph Beuys promovierte, den ­Erfolg von Ravensburg in Tübingen ­bestätigen? Petra Olschowski, parteilose Staatssekretärin im Ministerium für ­Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, ist davon „absolut überzeugt“. „Den Anspruch an Qualität und Wirkung in die Gesellschaft hinein“, sagt Olschowski, „verbindet Nicole Fritz aufs Beste“. Und die Staatssekretärin scheint in Ravensburg gelauscht zu haben, wenn sie sagt: „Ich ­habe Nicole Fritz kennengelernt als eine Persönlichkeit, die sowohl ein avanciertes Programm macht, als auch Wert auf die Vermittlung von Kunst und die Anbindung an Stadt und Region legt“.

Hans J. Baumgart: „Unabhängigkeit wird bleiben“

Seit Jahresbeginn ist sie für die Geschicke der Kunsthalle Tübingen verantwortlich – für das Ausstellungsprogramm, aber auch für die Weiterentwicklung der die Kunst­halle tragenden Stiftung. 2003 war es Götz Adriani, 1971 Gründungsdirektor der Kunsthalle, gelungen, die Kunsthalle in eine Stiftung bürgerlichen Rechts umzuwandeln. „Die Unabhängigkeit der Kunsthalle wird bleiben“, sagt auf Anfrage hierzu Hans J. Baumgart. Als Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Kunsthalle Tübingen war er in den vergangenen Monaten intensiv mit personellen und strukturellen Fragen beschäftigt. Dass mit dem Antritt von Nicole Fritz nun, erstmals seit 2007, die künst­lerische Leitung und die Verantwortung für die Stiftung wieder in einer Hand liegt, sieht Baumgart als „Idealzustand für die ­effektivste Aufgabenwahrnehmung. Die Ziel­vorstellung wurde verwirklicht, die von ­Anbeginn der Gründung der Stiftung an ­bestand“.

OB Boris Palmer: „Studierende als Publikum gewinnen“

Positive Erwartungen allerorten also – auch bei Tübingens Oberbürgermeister ­Boris Palmer. „Ich bin gespannt“, sagt der Grünen-Politiker, „auf die künstlerische Perspektive von Nicole Fritz, die sich darin andeutet, dass sie sich mit gesellschaftlichen Prozessen auseinandersetzen will“. Und mit einem weiteren Satz verbindet Palmer ­Ravensburger Lobeshymnen für Nicole Fritz mit deutlichen Erwartungen für Tübingen: „Und“, so der OB, „ich freue mich, dass sie auf die Kulturakteure in der Stadt zugehen und auch die Studierenden als Publikum gewinnen möchte“.

Frauen geben die Kunst-Richtung vor

Erstmals werden die Geschicke der Kunsthalle Tübingen von einer Frau gelenkt. In der Metropolregion Stuttgart sind damit nahezu alle Spitzenpositionen der Kunst mit Frauen besetzt – allen voran Christiane Lange als Direktorin des baden-württembergischen Museums-Flaggschiffs Staatsgalerie Stuttgart und Cornelia Ewig­leben als Direktorin des Landesmuseums Württemberg. Und längst auf dem nationalen und internationalen Parkett agiert Ulrike Groos als Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart.

Auch auf anderer kommunaler Ebene gilt: Die einstige Männerbastion Galerieleitung gibt es nicht mehr: Öffentliche Sammlungen wie in Böblingen (Corinna Steimel) und Ostfildern (Holle Nann) haben ebenso Frauen an der Spitze wie die bekannten privaten Kunstmuseen Ritter in Waldenbuch (Barbara Willert), Schauwerk in Sindelfingen (Barbara Bergmann) oder Kunstwerk in Eberdingen-Nussdorf (Valeria Waibel).

Alle Kunstfäden laufen im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst zusammen – mit Theresia Bauer (Grüne) als Ministerin und Petra Olschowski als ­Staatssekretärin. Staatsgaleriedirektorin Christiane Lange summiert: „Als ich mein Studium begann, waren fast 90 Prozent der Studierenden weiblich; die Museums- und Universitätsstellen aber ausschließlich in männlicher Hand. Das ist doch nun ­erfreulich anders ­geworden.“

Nicole Fritz: Museen verstärkt an Bedürfnissen der Menschen ausrichten

Nicole Fritz sieht solche Fragestellungen „eher gelassen“. Ihre Pläne für die Kunsthalle? „Ich glaube“, sagt sie, „dass es ­sinnvoll ist, dass sich Museen, aber auch andere öffentliche Institutionen heute verstärkt nach den Bedürfnissen der Menschen ausrichten und mit den Menschen ent­sprechende Formate entwickeln“. „In Ravensburg“, sagt sie ­weiter, „war der Weg, das Museum ortspezifisch, mit den dort vorhandenen Zielgruppen im Dialog zu entwickeln, der richtige. Dort habe ich mich, neben der langfristigen Planung der Ausstellungen, auch mich immer wieder auf Gruppen, die auf mich ­zukamen, eingelassen und gemeinsam Neues entwickelt. Das ist zeitintensiv und aufwendig, aber so ergibt sich auch in einem work in progress ein Alleinstellungs­merkmal ganz von selbst.“

Ein Ansatz auch für Tübingen? „Der ­Kontext in Tübingen“, sagt Fritz, „ist wieder ein ganz anderer und ich möchte auch hier mit den Menschen, Angebote für die Bedürfnisse vor Ort entwickeln. Dazu muss ich ­diese aber erst mal kennenlernen“.

Digitalisierungsstrategie für die Kunsthalle

Einen Weg hierzu hat Fritz bereits geebnet: „Wir haben“, sagt sie, „ein studentisches Projekt mit der ­Dualen Hochschule Ravensburg initiiert, bei dem ­StudentInnen in den ­nächsten Monaten für unser Haus und die Zielgruppe der Tübinger Studenten eine ­Digitalisierungsstrategie erarbeiten“. Eine Initiative mit zweifachem Ziel: „So wissen wir zukünftig besser, wie wir diese Zielgruppe auch erreichen können“, sagt Nicole Fritz – „damit verbunden ist aber auch der ­Ausbau der entsprechenden technischen Infrastruktur“.

Erste Eröffnung am 23. März

Am 23. März eröffnet Nicole Fritz ihre ­erste Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen. „Sexy & Cool. Minimal goes emotional“ – eine Schau über die Weiterentwicklung der Minimal Art, sieht Fritz als Angebot vor ­allem für Kunstkenner. „Für das breite ­Publikum“, sagt sie, „wird die Sommerausstellung, die hyperrealistische Skulpturen von den 1960er Jahren bis heute vereint, ­interessant sein“.

Am 1. März in der Staatsgalerie Stuttgart: Nicole Fritz bei „Über Kunst“

Leserinnen und Leser unserer Zeitung können Nicole Fritz schon vor der Eröffnung von „Sexy & Cool“ erleben – als Gast der Gesprächs­reihe „Über Kunst“ unserer ­Zeitung. Am ­Donnerstag, 1. März, wird Nicole Fritz sich im Metzler-Saal der Staatsgalerie Stuttgart Fragen zu ihrer Arbeit als neuer Direktorin der Kunsthalle Tübingen und zu ihrer Sicht auf die Kunst und deren Vermittlung stellen.

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