Die Anzahl der Grünen Tonnen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, obwohl das Gewicht des gesammelten Papiers und der Kartonagen rückläufig ist. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

In den vergangenen Wochen wurden die Grünen Tonnen teilweise erst Tage später geleert. Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart sucht nach neuen Mitarbeitern, derzeit sind rund 20 Stellen im Bereich Abfallsammlung offen.

In den vergangenen Wochen haben sich Anwohner der Landeshauptstadt immer wieder gewundert, dass ihre Grüne Tonnen nicht pünktlich geleert wurden. Mitarbeiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) hatten die Behälter zwar planmäßig auf die Straße gerollt, das Müllfahrzeug rückte aber teilweise erst Tage später an – entsprechende Beschwerden sind bei der Stadt zuletzt aus Gablenberg, aus den Bereichen rund um die Gänsheidestraße und die Albert-Schäffle-Straße eingegangen. „Grund für die Nachleerungen ist, dass die Anzahl von Grünen Tonnen relevant gestiegen ist. Darüber hinaus sind die entsprechenden Touren durch Mehrfachleerungen überlastet“, sagt Andrea Schlepper, Abteilungsleiterin bei der AWS.

 

Mehr Tonnen – weniger Gewicht

„Die Gründe, weshalb die Bürgerinnen und Bürger mehr oder größere Grüne Tonnen bestellen, sind uns nicht bekannt. Möglich, dass es mit dem Online-Handel und großen Verpackungen zu tun hat. Für diese These spricht, dass das Behältervolumen insgesamt steigt, das Gewicht des gesammelten Papiers und der Kartonagen dagegen rückläufig ist.“ Während 2016 noch mehr als 43 000 Tonnen zusammenkamen, waren es im Jahr 2020 nur noch etwas mehr als 37 000 Tonnen. „Schwere Papierprodukte wie Telefonbücher, Versandkataloge und andere Printwerbung, die wenig Volumen haben, sind rückläufig. Vergleichsweise leichte Produkte wie Kartons nehmen zu und benötigen Platz, insbesondere, wenn sie nicht oder nur teilweise gefaltet und zerkleinert in die grüne Tonne gegeben werden.“

Touren werden bald angepasst

Zusätzlich aufgestellte Behälter, größere Tonnen oder beauftragte Mehrfachleerungen würden sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen. „In den dichter besiedelten Kernzonen mehr als in den Randgebieten“, so Schlepper. „So kommt es immer wieder einmal vor, dass Touren vom Fahrplan abweichen müssen. In der Regel bemerken die Bürgerinnen und Bürger das gar nicht, weil wir noch am selben Tag die Touranpassung vornehmen und dann später am selben Tag die Tonnen leeren“, so die AWS-Mitarbeiterin, die betont, dass Nachleerungen außerhalb der regulären Tour nur eine Interimslösung seien. Man werde die bestehenden Touren baldmöglichst entsprechend anpassen. Dafür müsse aber die Personalkapazität entsprechend erhöht werden, sagt Schlepper.

Keine geeigneten Bewerber gefunden

Seit Anfang Juni seien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstärkt im Urlaub. Auch die Corona-Sommerwelle und andere Krankheitsfälle würden sich leicht bemerkbar machen. „In der Abfallsammlung sind jedoch circa 20 Lader-Stellen offen, um die sich keine geeigneten Personen – geschlechtsunabhängig – beworben haben“, so Schlepper. „Derzeit läuft eine Ausschreibung, und wir sind angesichts der Anzahl der Bewerbungen zuversichtlich, dass wir einige dieser offenen Stellen besetzen können.“

Zugeparkte Straßen erschweren die Müllabfuhr

Neben dem Personalengpass erschweren zugeparkte Straßen und Kreuzungen die Müllabfuhr. „Das kommt im Stadtgebiet immer vor. Wir versuchen dann, die betreffenden Standorte am selben Tag erneut anzufahren.“ Mitunter sei es aber aufgrund von Dauerparkern nicht möglich, Abfallbehälter zum vorgesehenen Termin zu leeren. Zuletzt so geschehen im oberen Bereich der Gablenberger Hauptstraße. Dort wurden Grüne Tonnen am Montag auf die Straße gerollt, aber erst am Mittwoch geleert. „Das Müllfahrzeug ist nicht durchgekommen“, sagt Schlepper. Letztlich habe sich die AWS die Polizei zur Unterstützung geholt. „Dadurch war es dann möglich.“

Mehr Flexibilität von der Stadt gewünscht

Sehr zur Verärgerung von Klaus Rurländer. Der Anwohner hat einen anderen Lösungsansatz, der wohl auch auf andere Wohngebiete übertragbar wäre. Seit Jahren wünscht er sich mehr Flexibilität von der Stadt und kämpft dafür, dass bei ihm vor der Tür ein Parkstreifen auf einem der Gehwege eingerichtet wird. „Wenn auf beiden Straßenseiten geparkt wird, ist es einfach zu eng, um mit größeren Fahrzeugen durchzukommen. Schon ein halber Meter mehr würde reichen, um das Problem dauerhaft aus der Welt zu schaffen. Es wäre viel einfacher, als immer nur Strafzettel zu verteilen. Das ist ein unnötiger Zeitaufwand und eine Personalverschwendung.“

Abfallwirtschaft Stuttgart

Personal
Mehr als 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) sorgen vor und hinter den Kulissen dafür, dass die Landeshauptstadt sauber und lebenswert bleibt. Nur zehn Prozent der Angestellten sind Frauen (Stand 31. Dezember 2021).

Stadtreinigung
In Stuttgart sind 390 Männer und Frauen in der Abfallsammlung eingeteilt, ein Team aus 350 Personen in der Straßenreinigung und im Winterdienst. Rund 40 Beschäftigte arbeiten auf den fünf Stuttgarter Wertstoffhöfen, der Deponie Einöd und im Schadstoff- und Wertstoffmobil.

Müll
Im vergangenen Jahr sammelte die AWS in Stuttgart aus rund 280 000 unterschiedlich großen Behältern und an den Wertstoffhöfen über 220 000 Tonnen Abfall und Wertstoffe ein. Dazu addieren sich mehr als 6200 Tonnen Kehricht und Abfall in den Straßen und den über 5300 Papierkörben.