Teurer Versuch: Die Kosten für die zusätzliche Leerung hat die Stadt 480 000 Euro gekostet. Foto: Archiv Patricia Sigerist

Die Stadt will den Versuch, die Papiertonne alle zwei Wochen zu leeren, früher beenden.

Stuttgart - Es war ein Versuch. Wie es scheint, einer ohne Erfolg. Denn die Verwaltung will das Experiment, die Altpapiertonne im Bezirk Filder alle zwei Wochen zu leeren, früher beenden als geplant. So steht es in einer Vorlage, über die die Stadträte in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik am Dienstag beraten sollen, am Mittwoch befasst sich der Betriebsausschuss Abfallwirtschaft mit.

Stimmen die Lokalpolitiker der Empfehlung der Verwaltung zu, würde das Experiment in den Bezirken Birkach, Degerloch, Möhringen, Plieningen, Sillenbuch und Vaihingen fast genau ein halbes Jahr früher ad acta gelegt werden. Die geplante Laufzeit des Pilotversuchs war nämlich für den Zeitraum vom 1. Januar dieses Jahres bis zum 30. Juni des nächsten Jahres vorgesehen. Die Basis für die Entscheidung, die Papiertonne alle zwei, statt alle drei Wochen zu leeren, war eine Analyse der Stadt. Diese hatte ergeben: Jährlich landen rund 10 000 Tonnen an Zeitungen und Kartonagen in der grauen Tonne, also im Restmüll. Gleichzeitig war die grüne Tonne meist gut gefüllt. Die Schlussfolgerung: die Bürger werfen Papier und Kartons in die graue Tonne, weil die grüne bereits voll ist.

Manche Tonnen werden lediglich bis zu knapp 70 Prozent gefüllt

Mit der häufigeren Leerung wollte die Verwaltung „die Restmülltonne entlasten und dadurch die Verbrennungskosten senken“, wie es in der aktuellen Vorlage heißt. Außerdem wollte man höhere Erlöse für Altpapier generieren und herausfinden, ob gegebenenfalls die eine oder andere grüne Tonne dadurch überflüssig würde. Während letzteres nach einer Überprüfung im dritten Quartal dieses Jahres an verschiedenen Stellen bei eine Leerung alle zwei Wochen möglich wäre, weil manche Tonnen lediglich bis zu knapp 70 Prozent gefüllt waren, haperte es vor allem an der Wirtschaftlichkeit des Experiments.

Schuld daran sei die überraschend negative Entwicklung des Papiermarkts mit sinkenden Produktionszahlen deutscher Papierfabriken gewesen. Annette Hasselwander, die beim Eigenbetrieb Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, erinnert sich: „Bis ins dritte Quartal 2011 wurden für Altpapier Höchstpreise erzielt.“ Der Beschluss, den Service zu erhöhen und mehr Altpapier einzusammeln, sei am 5. Oktober vergangenen Jahres gefasst worden.

„Im vierten Quartal 2011 setzte ein massiver Preisverfall ein mit sinkenden Altpapiermengen“, sagt Hasselwander. Es sei klar gewesen, zu einer Steigerung der Menge konnte es unter diesen Umständen überhaupt nicht kommen. „Die Mengenergebnisse für das zweite Quartal 2012 waren so, dass eine frühzeitige Beendigung des Versuchs erwogen wurde“, erklärt Annette Hasselwander.

Wertstofftonnen sollen künftig den Gelben Sack ersetzen

Wegen des Abfallkalenders und der darin angekündigten Abholtermine könne der Rhythmus allerdings erst mit Beginn des neuen Jahres verändert werden. Bitter dürfte der finanzielle Verlust sein, der durch den fehlgeschlagenen Versuch entstanden ist. Zum Hintergrund: Die Kosten für die zusätzliche Leerung – also der damit verbundene Fahrzeug- und Personaleinsatz – belaufen sich auf immerhin 480 000 Euro. Diese Ausgaben konnte die Stadt nicht gegenfinanzieren. Laut Annette Hasselwander handle es sich um allgemeine Betriebskosten.

Gesondert behandeln müssen die Stadträte unterdessen die Frage, ob und wo die neuen Wertstofftonnen aufgestellt werden könnten. Diese sollen künftig den Gelben Sack ersetzen. Mitarbeiter der Abfallwirtschaft haben bereits verschiedene Standorte unter die Lupe genommen. Mit dem Ergebnis: „Die Untersuchung des Füllgrades der Papiertonnen und die Abschätzung der Standplatzsituation lassen den Schluss zu, dass wohl eine Einführung einer Wertstofftonne an einzelnen Standorten möglich wäre“, so der Wortlaut. Dies erfordere allerdings zunächst noch detailliertere Untersuchungen.

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