Bald arbeiten Jan Pinkavas Studierende im Souterrain an ihren Projekten. Foto: S. Granville

Das Alte Ludwigsburger Stadtbad hat einen neuen Nutzer. Wo früher Therapiebäder standen, probieren sich ab sofort Studierende des Animationsinstituts der Filmakademie an der neuesten Technik aus. Warum das so wichtig ist, erklärt „Ratatouille“-Macher Jan Pinkava.

Noch laufen die Vorbereitungen. Computer, Bildschirme, Tische und Stühle werden aufgebaut, aus der Decke hängen Kabel – doch zum Start des Wintersemesters soll das außergewöhnliche Projekt an den Start gehen. Die Filmakademie bezieht mit ihrem Animationsinstitut Räume des Alten Stadtbades. Nachdem bereits die Schulmensa und ein Jugendtreff in das ehemalige Schwimmbad gezogen sind, arbeiten nun also auch Ludwigsburger Studierende unter der Leitung des Oscar-Gewinners Jan Pinkava in den über 100 Jahre alten Gemäuern an ihren Filmen.

 

Auf rund 220 Quadratmetern wurden unter anderem ein Vorführraum, eine Teeküche und vier sogenannte Suiten für die Postproduction eingerichtet. Die Postproduction beinhalte alles, was zwischen Kamera und fertigem Film passiert, erklärt Jan Pinkava. Der 61-Jährige gewann zwei Oscars mit seinen Disney-Pixar-Filmen „Geri’s Game“ sowie „Ratatouille“ und ist seit Mitte 2023 Leiter des Animationsinstituts in Ludwigsburg.

Unter dem ehemaligen Schwimmbecken verlaufen die neuen Gänge des Animationsinstituts. Foto: Simon Granville

Hier feilen die Studierenden ab Ende des Monats an Bildern, Ton und Animationen. Foto: Simon Granville

Die neuen Räume seien ein Segen, da sie genau am Rande des Hochschulcampus liegen und beste Glasfaseranbindung haben, sagt Pinkava. „Denn wenn man ehrlich ist, sind Filme vor allem Daten, die man hin und herschieben muss.“ Neue, vernetzte Technologie spiele in der Animationswelt und der Lehre des Instituts eine entscheidende Rolle. Deswegen wird im Souterrain des Alten Stadtbades unter anderem eines der modernsten Motion-Capture-Programme zum Einsatz kommen. Dabei werden physische Bewegungen eines Schauspielers mit Sensoren erfasst und anschließend digital nachgebildet.

Die Weiterentwicklung des Greenscreen

Außerdem können sich Studierende an einem sogenannten Virtual-Production-Screen ausprobieren. Dieser ist im Grunde die Weiterentwicklung des Greenscreen. Hintergründe wie Städte, Wälder oder Wüsten werden hier jedoch direkt auf riesige LED-Wände übertragen, sodass Schauspieler und die Kameracrew die virtuellen Welten bereits direkt am Filmset erfahren können.

Eine von vier Postproduction-Suites im alten Stadtbad. Foto: Simon Granville

Die Kunst an den Glastüren schlägt die Brücke zum alten Stadtbad. Foto: Simon Granville

Laut Stadt Ludwigsburg sind rund 775 000 Euro in den Umbau des Souterrains geflossen, das sind gut 21 Prozent der Kosten für den gesamten Umbau des Alten Stadtbades. Ab dem kommenden Wintersemester können die rund 150 Studierenden des Animationsinstituts sowie die gesamte Filmakademie dann die Räume frei nutzen. Sechs Tage die Woche, 24 Stunden am Tag – Zutritt hat jeder eingeschriebene Student mit einer Chipkarte.

Die Ausrichtung des Instituts ist global

Das Animationsinstitut ist als Teil der Ludwigsburger Filmakademie weltweit bekannt, „und mit Blick auf die gewonnenen Preise die beste Hochschule ihrer Art in Deutschland“, sagt Pinkava. Das Institut sei einmalig, es ist zwar klein, habe aber einen umso größeren Anspruch. „Unsere Zahl an Studierenden ist sehr überschaubar, ich kenne jeden mit Namen – auch wenn ich den ein oder anderen manchmal vergesse“, sagt Pinkava und lacht.

Die Ausrichtung des Instituts ist global, nicht regional, stellt der Institutsleiter klar. „Ich sehe uns in Konkurrenz mit den besten Hochschulen weltweit, deswegen müssen wir unseren Studierenden auch immer das Beste bieten.“ Die moderne Technik im Alten Stadtbad sei dabei ein wichtiger Schritt – und nebenbei auch ein schöner Kontrast, sagt Pinkava. „Und Kontraste machen auch Filmgeschichten erst richtig interessant.“