Szene mit Sophie Lochmann als Lena - Bilder aus dem Leben und Schaffen der Romy Schneider sehen Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Sabine Haymann

„Romy“ ist ein Stück über ein Filmsternchen, das die berühmte Schauspielerin verkörpern soll. Sie hat damit ebenso viele Probleme wie Regisseur Ulf Dietrich, der dieses ambitionierte Spiel im Spiel am Donnerstag inszeniert hat.

Ein junger attraktiver Mann, Julien (Max Claus), tanzt anzüglich und erotisch mit einem etwas älteren Mann, Henri (Norbert Aberle). Sie bewegen sich vor einem angedeuteten Swimmingpool. Sie trinken gekühlten Rosé und säuseln einander süße Worte in die Ohren. Eine junge Frau, Lena (Sophie Lochmann), stößt hinzu und wird gebeten, sich auszuziehen.

Es dauert nicht lange, bis sie ihre Prinzipien verwirft und sich tatsächlich vor den beiden Männern zu räkeln beginnt. Henri, ein Regisseur, beginnt, sie zu filmen, und verspricht ihr Aussichten auf eine Filmkarriere in Frankreich. Sie lässt sich verführen und spielt mit ihren weiblichen Zügen. „Schade, dass sie eine Nutte ist“, flüstert Henri und drückt ihr ein Manuskript in die Hand, wendet sich von ihr ab und beginnt, Julien leidenschaftlich zu küssen.

Manfred Langner, Intendant des Alten Schauspielhauses, und Regisseur Ulf Dietrich haben ein Stück geschrieben, der Titel „Romy“ weckt Erwartungen auf einen Abend über die Schauspielerin Romy Schneider, doch so leicht machen es sich die beiden nicht. „Romy“ handelt von einer jungen Schauspielerin, die in einem Fernsehfilm Romy Schneider spielen soll.

„Romy“ nimmt sich vor, die Abgründe der Film-Maschinerie zu entlarven, in der sich eine junge Schauspielerin gefangen sieht und aufzubegehren versucht. Letztlich sieht man aber vor allem einer vor allem unsympathischen, wenig interessanten Heldin dabei zu, wie sie ihre Launen auslebt. Denn was der Zuschauer bei der Uraufführung am Donnerstag zunächst tatsächlich sieht, ist ein bald kampflos aufgegebener Kampf eines kindlich naiven Soap-Sternchens auf der Suche nach Filmerfolg. Und ihr dümmliches Betragen zehrt zuweilen an den Nerven.

Weit aufgesperrte, glänzende Augen, verführerisch gespitzter Mund

Wenn sie sich nicht gerade von den Männern verführen lässt, dann hüpft Sophie Lochmann als Lena überspitzt süßlich säuselnd, mit weit aufgesperrten, glänzenden Augen, verführerisch gespitztem Mund über die Bühne und wirft sich der Presse zum Fraß vor. Mal will sie die Romy spielen, dann wieder nicht. Mal glaubt sie an sich, dann wieder nicht. Mal jubelt sie himmelhoch jauchzend, mal heult sie vor sich hin. Das Stück hat einige solche dramaturgische Hänger: Szene um Szene dasselbe Szenario, das von seinen gelegentlichen und etwas platten Gags am Leben erhalten wird: Das „Emanzen-Geschreibsel“ der Alice Schwarzer trifft’s dabei und die Unfähigkeit der Journalisten sowieso. Und nicht zuletzt bekommt auch noch ein Hitler-Double seinen Auftritt.

Das Geschehen auf der Bühne wechselt sprunghaft zwischen einer Lena als Romy beim Filmdreh und einer Lena, die auch im Privaten immer mehr zur Romy wird. Ihr angebliches Aufbegehren gegenüber den vereinnahmenden Machenschaften des Filmgeschäfts kulminiert in einem pathetischen, unglaubwürdigen Ausruf: „Ich bin nicht Romy, ich bin Lena und ein freier Mensch!“

Lange spielt Ulf Dietrichs Inszenierung mit der Geduld des Zuschauers. Und so fühlt sich der Zuschauer direkt angesprochen und erhört, wenn Regisseur Henri während einer Probe zu Lenas kläglich klingendem Singsang donnert: „Da kommt nichts an hier hinten!“ Das ist womöglich auch nicht gewollt, Langner und Dietrich brechen bewusst mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer, bleiben zeitlich auch verwirrend vage, Lena hantiert ständig mit dem Handy herum, die Kostüme und Sprache sind aber eher nicht im Hier und Heute angekommen.

Was ist Spiel, was ist Leben?

Hinter dem Verwirrspiel: Was ist Spiel, was ist Leben?, steckt freilich ein schlauer Kniff. Ein Kniff, der elegant die Problematik umgeht, das dramenreiche Leben und tragische Sterben einer Schauspielerin wie Romy Schneider authentisch nachzuspielen – und doch zum Thema machen und sich vom Glanz dieses Stars mitbescheinen zu lassen.

Lena scheitert als Schauspielerin bei ihrem kläglichen Versuch, Identifikation mit der Rolle der Romy und individuelle Persönlichkeit als Schauspielerin gleichzeitig zu wahren. Die Parallelen überwiegen, die Grenzen verschwimmen. Irgendwann scheint weder der Zuschauer noch Lena selbst zu wissen, ob sie es nun ist, die gerade bei einem Autounfall ihr Kind verloren hat, oder ob es sich um eine von ihr gespielte Filmszene handelt. Und so ist „Romy“ am Ende tatsächlich doch ein Stück über Romy Schneider, das jedoch bis zuletzt vorgibt, kein solches zu sein. So spannend das Konzept klingt, es bleiben zu viele Themen nur angedeutet, und letztlich kann das Schicksal eines nervigen ­Soap-Sternchens dann doch nicht mit dem der großen Schauspielerin mithalten.

Weitere Aufführungen bis zum 18. Juli. Karten: 07 11 / 2 26 55 05

Hintergrund: Romy Schneider

Am 23. September 1938 wurde Romy Schneider in Wien geboren. Schon als Jugendliche wurde sie mit Heimatfilmen und der „Sissi“-Trilogie berühmt, in denen sie Österreichs Kaiserin Elisabeth spielte.

Zu Weltruhm gelangte sie allerdings als Schauspielerin in Frankreich, wo sie ihr Image als niedliches Mädchen ablegte. 1969 hatte sie mit „Der Swimmingpool“ enormen Erfolg. An ihrer Seite – Alain Delon, mit dem sie auch liiert war.

In den 1970ern drehte sie mit Filmgrößen wie Claude Sautet und Luchino Visconti und war auch in Deutschland ein gefragter Gast in Talkshows.

1981 verunglückte ihr 14-jähriger Sohn David tödlich. 1982, wenige Wochen vor ihrem Tod am 29. Mai, erschien ihr letzter Film „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“.

In der Filmbiografie „Romy“ (2009) verkörperte Jessica Schwarz die Schauspielerin Romy Schneider.