Vor 120 Jahren zimmerte ein Schreiner seinen Kindern einen Kolonialwaren-Kaufladen zum Spielen. Foto: Mathias Kuhn

Historische Kaufläden, Puppenstuben, Dampfmaschine, selbst gebaute Autos – der Förderverein Altes Haus hat in seinem Archiv gestöbert und Spielzeug-Raritäten gefunden. Sie werden jetzt im Alten Haus gezeigt.

Hedelfingen - Bei diesen Kostbarkeiten haben einst Kinderaugen gestrahlt: Puppenstuben, Kaufläden, Kasperlefiguren, Setzkästen und selbst gebaute Lastwagen. Waltraud Bücheler und Michael Wießmeyer vom Förderverein für heimatkundliche Sammlung im Stadtbezirk Hedelfingen-Rohracker haben im vereinseigenen Archiv gestöbert und besondere Schätze für die neue Ausstellung zusammengestellt. In den Fachwerkräumen des Alten Hauses sind die Raritäten zu sehen – Spielzeug aus den vergangenen Jahrzehnten, das Kindheitserinnerungen weckt.

In der Bauernhof-Vitrine steht ein kleines, fast unscheinbares Spielzeug-Schwein. Sein Kopf kann bewegt werden. Er hängt an einem dünnen, notdürftig befestigten Draht. „Während seiner Kriegsgefangenschaft hat dies ein Vater für seinen Sohn gebastelt – aus den Materialien, die ihm damals zur Verfügung standen,“, erzählt Wießmeyer. Das über 70 Jahre alte Kriegsschweinchen ist nicht das älteste Unikat, das Waltraud Bücheler in ihrer gewohnt liebevollen Art in die Vitrinen im Alten Haus dekoriert hat.

Abbild früherer Zeiten

Gegenüber den betagten Spielzeugtieren hat die Hedelfinger Künstlerin einen Schrank voll herrlicher Spielläden aufgebaut, die früher sicherlich der Stolz der Kinder waren – wie der Kolonialwaren-Kaufladen der Familie Schweizer. Schön aufgereiht stehen Miniatur-Knorr-Haferflocken-Päckchen neben Birkelnudeln und Butterkeksen im Regal. Stundenlang konnten sich die Kinder damals mit Kaufmannspielen beschäftigen: Der Kunde bekam eine Flasche Jägermeister, Badedas, lose Hühnereier und Markenwaschmittel. Auch die Spitztüten aus Papier lagen neben der Waage als Verpackung bereit.

In der Nachbarschaft hat Bücheler einen Buchladen aufgebaut, etwas versetzt stehen noch Puppenherde, ein Miniatur-Topfset sowie eine Puppenküche. „Den Kolonialwarenladen hat Schreinermeister Rüdt um 1890 für seine Söhne gebaut. Seine Großnichten und Neffen Schweizer haben ihn vor sechs Jahren dem Förderverein vermacht“, sagt Wießmeyer. Ganz bewusst – auch als Dankeschön an die Spendengeber – hat der Förderverein dieses Jahr auf Leihgaben verzichtet und nur Spielzeug aus dem eigenen Archiv ausgestellt.

Mehr Spielzeug für Mädchen

„Wobei wir deutlich mehr Spielwaren für Mädchen haben“, sagt Waltraud Bücheler fast bedauernd. Im großen Wandschrank stehen gemütlich eingerichtete Puppenheime mit schönen Schlafzimmern, einer Miniküche, „Puppenmöbele“, Tischchen samt Geschirr, Puppenmütterchens Nähstube und vielen Details, die die Betrachter oft erst auf den zweiten oder dritten Blick entdecken. Wer selbst noch eine Puppe herstellen will, kann sich in einer Vitrine Anregungen zur „Fabrikation von Puppen“ holen, bevor er dann ins „Bubenzimmer“ wechselt.

Dort fällt als erstes der große, blaue Spielzeug-Lastwagen der Familie Keppeler auf. „Kein Modell aus dem Kaufhaus, von der Stange oder online im Versandhandel bestellt, sondern einst von einem Familienmitglied selbst gebaut“, sagt Bücheler. Ein Fahrzeug zum Anfassen, Schieben und Einparken für die damaligen Kinder. Natürlich haben die Bengels von einst auch mit Dampfmaschinen, Holzeisenbahnen, mit Bällen und mit Setzkästen gespielt – Gegenstände, die einst über Generationen hinweg weitergegeben wurden und nun im Archiv des Fördervereins Altes Haus schlummerten. Jetzt sind sie endlich einmal öffentlich zu sehen. Und die Ausstellungsmacher rechnen mit einem regen Publikumsinteresse. „Wir werden die Ausstellung auch nach Februar an vereinzelten Sonntagen und zu Veranstaltungen in Hedelfingen öffnen“, verspricht Wießmeyer.

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