Windräder in Ostbrandenburg Foto: dpa-Zentralbild

Geschlossene Fonds sind zur Altersvorsorge nicht geeignet. Die Anlage kann sich als Albtraum erweisen.

Stuttgart - Vor zehn Jahren kamen Windenergiefonds gerade in Mode. Und landeten prompt auf dem Tisch von Volker Friederich . Der damals 60-Jährige wollte Geld anlegen, und seine Beraterin bei der BW-Bank schlug ihm dafür einen geschlossenen Fonds vor – den Sachsenfonds Windpark VII. „Mein Anlageziel war ganz klar: Ich wollte vorsorgen, damit ich im Alter meinen Kindern nicht zur Last falle“, sagt Friederich.

Ein geschlossener Fonds war für den BW-Bank-Kunden etwas Neues. „Ich hatte davor noch keine Erfahrungen mit geschlossenen Fonds“, sagt Friederich. Doch er war aufgeschlossen und vertraute seiner Bank. „Ich fühlte mich sicher mit dem Angebot von einer seriösen baden-württembergischen Bank.“

Was Friederich damals nicht überblickte, war das Risiko. Bei einem geschlossenen Fonds handelt es sich um eine unternehmerische Beteiligung. Die Fondsgesellschaft sammelt Geld von Anlegern ein, ergänzt es meist um Bankkredite und errichtet mit diesen Mitteln einen Windpark, den sie anschließend betreibt. Die Anleger werden an den Erlösen beteiligt, die der Windpark erzielt, indem er Energie ins Stromnetz einspeist. So weit die Theorie. Doch in der Praxis machen oftmals die Risiken einen Strich durch die Rechnung.

Bis heute keine Ausschüttung

Im Dezember 2002 stieg Friederich mit dem Mindestbetrag von 15 000 Euro ein. Die Fondsgesellschaft stellte eine jährliche ­Ausschüttung in Aussicht, die kontinuierlich gesteigert werden sollte – angefangen von sieben Prozent im ersten Jahr bis auf 27,95 Prozent im Jahr 2022. Über 20 Jahre – so lange läuft die Beteiligung – sollte die Ausschüttung auf das eingesetzte Kapital insgesamt 244,7 Prozent betragen. Die Nachsteuerrendite sollte 9,58 Prozent erreichen.

Eine zu optimistische Rechnung, wie sich zeigen sollte. Denn tatsächlich hat es in den zehn Jahren seit 2002 noch nie eine Ausschüttung gegeben. „Bis heute habe ich von der in Aussicht gestellten Ausschüttung noch keinen Cent gesehen“, so Friederich. Er glaubt auch nicht mehr, dass sich das noch ändern wird.

In dem fast 60-seitigen Prospekt von Sachsenfonds Windpark VII werden schon auf den ersten Seiten Risiken angeführt wie ungünstige Windverhältnisse, Gesetzesänderungen, oder die mögliche Erhöhung der Kosten für Instandhaltung. Doch erst weit hinten steht, dass „zukünftige Entwicklungen die Rentabilität der Beteiligung nachteilig, gegebenenfalls bis zum vollständigen Verlust der Einlagen, beeinflussen.“ Sprich: Der Totalausfall des eingesetzten Kapitals ist möglich.

Nicht zur Altersvorsorge geeignet

„Dass bei dem geschlossenen Fonds das Risiko eines Totalausfalls bestand, darauf wurde ich im Gespräch nicht hingewiesen“, meint Friederich. Die BW-Bank sagt dazu nichts. Sie verweist auf das Bankgeheimnis, obwohl Friederich über seine Anwältin Petra Brockmann sich damit einverstanden erklärt hat, dass die BW-Bank dazu Stellung bezieht. Ganz allgemein teilt die Bank mit: „Grundsätzlich sind geschlossene Fonds nicht zur Altersvorsorge geeignet, da diese eine stark unternehmerische Prägung haben und damit einem gewissen Risiko unterliegen.“ Seit 2005 seien über die Bank keine Anteile mehr an Sachsenfonds Windenenergiefonds platziert worden. Sie war zudem „nur ein Vertriebspartner unter mehreren“.

Risiken dieser Anlagen „werden vom Vertrieb heruntergespielt“

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, warnt generell vor geschlossenen Fonds wie beispielsweise Medien-, Solar- oder Windenergiefonds, die stets große Risiken bergen. Aus der Praxis weiß er, dass die Risiken dieser Anlagen „vom Vertrieb heruntergespielt werden“. So sei es etwa bei Windfonds immer wieder üblich, dass Berater auf sichere Gewinne aufgrund des Energieeinspeisegesetzes verweisen. Ein derartiger Verweis sei „haarsträubend und vollkommen unseriös“, rügt der Finanzexperte. Denn das Energieeinspeisegesetz sichere nur den Preis je verkaufte Einheit ab. „Die Rentabilität kann man nur beurteilen, wenn die Energiemengen und die Kosten bekannt sind, was aber vorab niemals der Fall ist und sein wird.“

Zahlreiche Windkraftfonds haben nach Expertenmeinung in den vergangenen Jahren enttäuscht. Auch der Sachsenfonds Windpark VII mit seinen neun Windrädern im Hunsrück hat offenbar viel zu optimistisch gerechnet. „Die Fondsgesellschaft hat sich total verkalkuliert, was das Windaufkommen betrifft“, urteilt Brockmann. Von einer „desaströsen Entwicklung des Sachsenfonds Windpark VII“ spricht die Schutzvereinigung für Anleger (SfA). Als Grund führt die SfA die „mangelhafte Rentabilität der Windkraftanlagen“ an. Die im Prospekt angenommenen Megawattstunden hätten nicht produziert werden können. „Im Ergebnis läuft es auf den Totalverlust der meisten Anlagen hinaus.“

Unklare Provision

Die Anlegeranwältin dringt nun bei der BW-Bank auf Schadenersatz, weil sie Friederich „nicht anlegergerecht“ beraten habe. „Er wollte ein Produkt für die Altersvorsorge, dafür ist ein geschlossener Fonds aber nicht geeignet.“ Brockmann sieht darin eine Pflichtverletzung. Hinzu kommt: „Die BW-Bank hat Herrn Friederich nicht über die Provisionszahlungen informiert, die sie von der Fondsgesellschaft erhalten hat“, sagt Brockmann. Aus dem Prospekt der Fondsgesellschaft ist nur abzuleiten, dass Provision in Höhe von 16 Prozent auf das Eigenkapital gezahlt wurde – genau 816.000 Euro. Was die BW-Bank für die Vermittlung der Fonds von der Fondsgesellschaft erhalten hat, ist daraus nicht abzuleiten.

Die BW-Bank hält damit auch jetzt hinter dem Berg. Von den 16 Prozent, teilt sie lediglich mit, habe sie „in 2003 tatsächlich eine erheblich darunterliegende marktübliche Zuweisung erhalten“.

Hohe Provisionszahlungen sind nach Einschätzung von Nauhauser der wesentliche Grund, weshalb geschlossene Fonds vom Vertrieb gern verkauft werden. „Nicht zuletzt aufgrund der verschwiegenen Provisionszahlungen gehen wir von guten rechtlichen Chancen aus“, sagt Brockmann.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale sollten Anleger nicht in geschlossene Fonds investieren. Das Risiko eines Totalverlusts sei aufgrund geringer Publizitätspflichten nicht erkennbar.

Volker Friederich hat sein Kapital in den Sand gesetzt. „Heute würde ich jedem empfehlen, kein Geld in einen geschlossenen Fonds zu stecken“, so seine bittere Erfahrung.

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