Statt Kalorien lieber Stunden zählen: Essenspausen helfen wirklich beim Abnehmen, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Foto: Jens Schierenbeck/dpa/gms

Das alternierende Fasten verspricht viel: enorme Gewichtsverluste, verbesserte Blutfettwerte und gute Laune. Geeignet ist die Ernährungsweise mit stundenlangen Essenspausen vor allem für disziplinierte Zeitgenossen, sagen Experten.

Das alternierende Fasten verspricht viel: enorme Gewichtsverluste, verbesserte Blutfettwerte und gute Laune. Geeignet ist die Ernährungsweise mit stundenlangen Essenspausen vor allem für disziplinierte Zeitgenossen, sagen Experten.

Berlin - Dem Psychologen Bernhard Ludwig ging es jahrzehntelang wie vielen seiner Mitmenschen: Er aß gerne und – wie der Blick auf die Waage offenbarte – zu viel. Sämtliche Diäten blieben erfolglos: Erst nahm er ab, dann noch mehr zu. Seit fünf Jahren jedoch ist er 20 Kilo los, sein Bauchfett und die Blutfettwerte sind reduziert.

Das Geheimnis seines Abnehm-Erfolgs ist ein einfaches Fasten-Konzept, das der Mittsechziger in Form des Buches „Morgen darf ich essen, was ich will“ herausgebracht hat: Einen Tag isst er, was und so viel er will, dann wird 24 Stunden eisern Diät gehalten. Lediglich Wasser, ungesüßte Tees oder eine Gemüsebrühe sind erlaubt. „10 in 2“ lautet der Name des alternierenden Fastenprogramms, das sich wie folgt zusammensetzt: „Einen Tag essen (1), einen Tag fasten (0), in zwei Tagen (in 2).“

Das Programm gehört zu der Gruppe der alternierenden Fasten-Programme – genau wie das „Sattfasten“ von Alf Beck, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert. Andere Namen sind Intervall-Diät und intermittierendes Fasten. Der Vorteil: Anders als bei mehrwöchigen Fastenkuren werden dem Körper nur kurzfristig Nährstoffe entzogen. Solche vorübergehenden Hungerphasen kann der Körper problemlos verkraften, sagen Ernährungsexperten.

Aus medizinischer Sicht spricht deshalb bei gesunden Erwachsenen wenig gegen das alternierende Fasten. „Ernährungsformen, die mit einer dauerhaften Kalorienreduktion einhergehen, haben günstige Auswirkungen auf die Gesundheit“, bestätigt Andreas Pfeiffer von der Charité Berlin und dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. Lediglich auf das Immunsystem hat die verminderte Zufuhr von Kalorien einen leicht negativen Effekt. „Menschen, deren Gewicht an der Schwelle zum Untergewicht liegt, sind ein wenig anfälliger für Infekte.“

Frühstück oder Abendessen ausfallen lassen

Allerdings gibt es nach Ansicht des Experten einen großen Einwand gegen das populäre „10 in 2“-Programm. „Nur an jedem zweiten Tag essen? Das hält doch kein Mensch auf Dauer aus.“

Andere alternierende Fastenprogramme kommen im Vergleich zu „10 in 2“ geradezu sanft daher. „Essenspausen“ heißt ein weiteres Buch, das Abnehm­willige gerne kaufen. Der Autor Rolf ­Ehlers preist in diesem Ratgeber die Ernährungsweise an, bei der man zwischen den Mahlzeiten fünf bis sechs Stunden Pause einlegen sollte.

Ein weiteres Konzept ­empfiehlt, je nach persönlicher Vorliebe entweder das Frühstück oder das Abendessen aus­fallen zu lassen. Täglich gibt es dann nur noch ein Zeitfenster von acht Stunden, in denen man Kalorien zu sich nehmen darf.

„Bislang gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass lange Essenspausen die Fettverbrennung ordentlich ankurbeln und die Pfunde schneller purzeln lassen“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Dennoch führen solche Programme oftmals zu einer Gewichtsreduktion, weil sie mit verminderter Kalorienaufnahme einhergehen.“

Zucker, Weißmehl und tierische Fette nur in Maßen genießen

Doch den Anhängern des alternierenden Fastens geht es ohnehin um mehr als den Gewichtsverlust: Insbesondere der Verzicht auf das Abendessen soll das ­Leben nachhaltig verlängern. Steigt man mit leerem Magen ins Bett, werden die Hormone Somatropin und Melatonin vermehrt ausgeschüttet, die den biolo­gischen Alterungsprozess verlangsamen sollen. Den Beweis dafür hat vor einigen Jahren der österreichische Endokrino­loge Professor Johannes Huber erbracht. So zeigten Tierversuche an Mäusen ­tatsächlich lebensverlängernde Wirkungen. Auf Menschen lassen sich die Ergebnisse der Studien aber nicht übertragen.

Wer die alternierenden Fasten­programme ausprobieren möchte, sollte zunächst seinen Arzt fragen. Wichtig ist laut Ernährungsexpertin Antje Gahl, dass man sich in den Ess-Phasen gesund und ausgewogen ernährt und sich nicht auf Schweinshaxen oder Sahnetorten stürzt. Dazu raten auch die Autoren der Diätbücher: Zucker, Weißmehl und tierische Fette sollten nur in Maßen genossen werden. Zudem ist viel Bewegung Pflicht. Der Spruch „Morgen darf ich ­essen, was ich will“ ist deshalb eine ­Mogelpackung. Eigentlich müsste das Programm „Morgen darf ich gesund ­essen“ heißen. Ein Vorsatz, den ohnehin jeder nach einer Diät beherzigen sollten.

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