Stuttgarter wollen im hohen Alter in den eigenen vier Wänden bleiben Foto: 13000451

Seit dem Jahr 2009 ist der Anteil der betagten Bürger in Stuttgart um drei Prozent jährlich angestiegen. Deshalb müssen Statistiker und Sozialplaner die Prognosen korrigieren. Im März soll ein neuer Altenhilfeplan vorliegen.

Seit dem Jahr 2009 ist der Anteil der betagten Bürger in Stuttgart um drei Prozent jährlich angestiegen. Deshalb müssen Statistiker und Sozialplaner die Prognosen korrigieren. Im März soll ein neuer Altenhilfeplan vorliegen.

Stuttgart - „Seit wir die neuen Prognosen zum Pflegebedarf im Land bekommen haben, gehen wir davon aus, dass wir unsere Altersplanung anpassen müssen“, sagt Ga­briele Reichhardt. Die Sozialplanerin der Stadt Stuttgart schätzt, dass das Werk im März dieses Jahres im Gemeinderat vorgestellt werden kann.

Das Sozialamt kann sich bei der Fortschreibung der Altersplanung allerdings auch auf harte Fakten aus dem eigenen Haus stützen. Laut Statistischem Amt lebten im Jahr 2003 insgesamt 44 801 Menschen im Alter über 75 Jahren in der Stadt, zum Stichtag 31. Dezember 2013, also nur zehn Jahre später, waren es bereits 53 485. Das bedeutet eine Steigerung um rund 9000 Personen.

Auch die Entwicklung der letzten Jahre ist eindeutig: Bis zum Jahr 2003 schrumpfte der Anteil der Hochbetagten an der Gesamtbevölkerung, doch dann gab es eine Kehrtwende, und die Zahl der Hochbetagten steigt seither um jährlich drei Prozent. „Es deutet nichts darauf hin, dass dieser Anstieg merklich nachlassen wird“, sagt Ansgar Schmitz-Veltin vom Statistischen Amt der Stadt.

Die Prognose aus dem Jahr 2011 war noch eine ganz andere: Im Jahr 2008 lebten rund 45.000 Menschen in der Landeshauptstadt, die 75 Jahre und älter waren. Für das Jahr 2015 lautete die Annahme, dass es 55 424 Hochbetagte geben würde, für das Jahr 2025 sagte man einen Rückgang dieser Bevölkerungsgruppe auf 54 386 Menschen voraus.

Bis zum Jahr 2025 könnte die Zahl der 75-Jährigen und Älteren nochmals um 8000 bis 10.000 steigen; insgesamt wären dies dann mehr als 60.000 Einwohner – oder aber rund zehn Prozent der Stuttgarter, für deren Pflegebedarf die Sozialplaner Vorsorge treffen müssen.

Pflegeheim meist nicht erste Wahl

Laut Sozialplanerin Gabriele Reichhardt gab es im Dezember des vorigen Jahres 5430 Pflegeplätze in Stuttgart. Wie groß die Zahl der Pflegebedürftigen zu diesem Zeitpunkt tatsächlich war, ist noch nicht vollständig erhoben; die Statistik wird nur im Zwei-Jahres-Rhythmus geführt. 2011 aber lebten 12 978 pflegebedürftige Menschen in der Stadt. Rund ein Drittel von ihnen (36,2 Prozent) hatte stationäre Pflege in Anspruch genommen, alle anderen Menschen wurden zu Hause von Angehörigen ohne oder mit Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes betreut.

Das Sozialamt sei mit allen Trägern von Pflegeeinrichtungen im Gespräch, so Ga­briele Reichhardt. „Da spielt auch die neue Heimbauverordnung eine Rolle, weil künftig nur noch Einzelzimmer gewünscht sind.“ In vielen Heimen sind deshalb Umbauten nötig, und in vielen Heimen werden deshalb auch Pflegeplätze wegfallen.

Das Pflegeheim ist bei den meisten älteren Menschen jedoch nicht erste Wahl. Das hatte der Alterssurvey im Jahr 2012 gezeigt. Damals sind Stuttgarter Einwohner befragt worden, die älter als 50 Jahre waren. Unter anderem sollten die Befragten angeben, wie sie im Alter, auch im Falle einer Pflegebedürftigkeit, leben wollen. Das Ergebnis: An den Umzug in eine seniorengerechte Wohnung oder eine betreute Einrichtung denken 78 Prozent nicht. 3546 Teilnehmer hatten sich an der Umfrage beteiligt.

Ursprünglich hatten die Landesstatistiker im Sommer 2013 mit neuen Prognosen zur Pflegebedürftigkeit aufgeschreckt. Ein landesweiter Anstieg um 43 Prozent bis zum Jahr 2030 wird für möglich gehalten, eine Verdoppelung auf 352.000 Pflegebedürftige bis zum Jahr 2050 nicht ausgeschlossen. Der Sprecher der Stuttgarter Altenheimträger, Bernhard Schneider, befürchtet von 2020 an ein Defizit von 51.000 Pflegeplätzen.Ob bei der wachsenden Gruppe der 75-Jährigen und Älteren eine Pflegebedürftigkeit tatsächlich kaum auszuschließen ist, bleibt offen: Der Stuttgarter Alterssurvey ergab auch, dass Menschen, die älter als 75 sind, Sport als Teil ihres Alltags begreifen. Vielleicht zählen bald nur noch die über 80-Jährige zur Risikogruppe. Das waren Ende 2013 rund 29.000 Personen in Stuttgart.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: