„Emil“ fährt durch die Altstadt von Regensburg. Foto: Stadtwerke Regensburg

Der Bürgerausschuss Innenstadt kämpft für einen elektrischen Autobus in der Altstadt.

Esslingen - Emil“ ist im Herzen der Regensburger Bürger angekommen. Vier grüne Elektro-Busse mit dem schönen Vornamen „Emil“ verkehren seit dem Jahr 2017 auf einer Linie in der Regensburger Altstadt, die – anders als Esslingen – Unesco-Weltkulturerbe ist. Die Bürger schätzen den geräuschlosen Motor und das System, mit dem man flexibel von A nach B kommt und auch noch die vollen Einkaufstüten und den Kinderwagen mitnehmen kann.

Enge Gassen, überschaubare Strecken

Und weil das gut funktioniert, wie der Regensburger Stadtwerke Pressesprecher Martin Gottschalk bestätigt, will die Fraktion der Linken das System in Esslingen nachbauen. Denn die beiden Altstädte sind – bis auf das Unesco-Weltkulturerbe – ziemlich vergleichbar. Enge gepflasterte Gassen, überschaubare Strecken, wenig Gefälle in der Altstadt.

Mit ins Boot haben die Linken den Bürgerausschuss Innenstadt genommen. Gemeinsam haben sie Ende Januar zu einer Konferenz gerufen, in denen sie Bürgern und den Fraktionen des Gemeinderates das Regensburger System vorgestellt und ihre eigenen Gedanken entwickelt haben. Das Esslinger Konzept sieht vor, zwei Busse auf einer Art Ringstrecke durch die Altstadt pendeln zu lassen. Denn die Esslinger Altstadt ist, gemäß der Bedeutung der Reichsstadt im Mittelalter, ziemlich groß. Der Weg von der einen Ecke zur anderen, vom Bahnhof bis zum Neckarforum beträgt etwa einen Kilometer.

Dieses Konzept haben die Linken jetzt der Stadtverwaltung vorgelegt. Innerhalb der Verwaltung ist der Finanzbürgermeister Ingo Rust für den öffentlichen Nahverkehr zuständig. Er verspricht, „die Idee objektiv zu prüfen“.

Große Vorteile für Gehbehinderte

Rust will das Thema Altstadtbus im Rahmen der Fortschreibung der Angebotskonzeption für den öffentlichen Nahverkehr untersuchen. Diese Untersuchungen macht die Stadt Esslingen gemeinsam mit dem Landkreis und dem Verkehrsverbund Stuttgart als Dienstleister. Von daher kann er „weitere Fragen momentan noch nicht beantworten“, weil er im technischen Ausschuss seriöse Zahlen, Daten und Fakten vorlegen will. Das soll allerdings erst im vierten Quartal des Jahres geschehen.

Jörg Schall und Barbara Frey vom Bürgerausschuss Innenstadt sehen jedenfalls große Vorteile für Gehbehinderte und den Einzelhandel der Stadt. Der große Nachteil der Busse: Sie sind mit 460 00 Euro in der Anschaffung fast doppelt so teuer wie ein Dieselbus, dazu kommen Investitionen in Ladestationen.

Damit der Bus durch die historischen Stadtkerne kommt, ist er relativ klein gebaut. Er ist 2,20 Meter breit und 7,70 Meter lang. Er wiegt zwölf Tonnen und hat 14 Sitzplätze und 25 Stehplätze, ein Kinderwagen, beziehungsweise ein Rollstuhl kommt auch unter. „Emil“ sei in Regensburg eine echte Marke geworden, berichtet Martin Gottschalk. Der Bus habe eine Reichweite von 70 bis 75 Kilometern, wenn man ihn einmal zehn Minuten nachlade. Hergestellt werde er von der italienischen Firma Rampini in Umbrien, und zwar handwerklich. Einen deutschen Hersteller solcher Busse gibt es noch nicht. „Wir warten sehnsüchtig darauf“, sagt Gottschalk und schielt dabei in Richtung Daimler-Konzernzentrale. Immerhin stößt man dort mit dem E-Citaro ebenfalls ins Segment der Elektrobus-Hersteller vor. Bis es soweit ist, könnten die grünen italienischen Flitzer von Rampini die Esslinger Altstadt beleben.

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