Dein Bus ist eine Fernbusgesellschaft, die Stuttgart anfährt. Foto: Dein Bus

Wem die Bahn zu teuer, die Mitfahrgelegenheit mit wildfremden Leuten im Auto zu anstrengend ist, der kann seit Jahresanfang nun auch im Inland im Fernbus Platz nehmen. Anbieter wie Dein Bus punkten vor allem beim Preis – und beim Service.

Stuttgart/Konstanz - Neun Euro kostet das Ticket von Stuttgart nach Konstanz bei Dein Bus im Internet. Beim Preis wird selbst die günstige Mitfahrzentrale abgehängt. Sie ist einen Euro teurer: Außerdem fahren die ersten Autos frühestens um die Mittagszeit los und kommen am Nachmittag in Konstanz an. Für einen Tagesausflug viel zu spät.

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Früh aufstehen ist angesagt: Dein Bus startet um 7 Uhr vom Flughafen in Stuttgart. Marco Pinni ist eine halbe Stunde früher da. Der Gärtner kommt aus Heilbronn und ist seit 4.30 Uhr auf den Beinen. Er will heute nach Kreuzlingen, seinen Cousin besuchen. „Ich schlafe gern lang“, sagt der 31-Jährige und lacht verschmitzt. „Doch um für 13 Euro von Heilbronn nach Konstanz zu kommen, kann man den Wecker schon mal früher stellen.“

Die Haltestelle am Flughafen ist eine Art Drehkreuz für Dein Bus. Sie befindet sich direkt am Eingang des Terminals 1. Von hier aus werden Heidelberg, Frankfurt, München, Villingen-Schwenningen und Singen angefahren. Und wo bitte geht’s nach Konstanz? Das Ziel taucht nicht auf der Anzeigentafel auf. Die Fahrer der quietschgelben Busse helfen weiter. „Der Bus kommt in ein paar Minuten.“

Keine Lust, mehrmals umzusteigen

Ums Gepäck muss man sich nicht kümmern, das Aus- und Einladen der Koffer gehört zum Service. Den Ausweis oder die Ticketbestätigung will der junge Mann beim Einstieg nicht sehen. Der Name genügt – und wird mit den Daten abgeglichen, die im Computer des Fahrers gespeichert sind. Was ein Ticket koste, wenn er es im Bus kaufe, will ein Franzose wissen, der neugierig an der Türe steht. „Das ist teurer als im Internet, 19 Euro“, sagt der Fahrer. „Ach, das geht noch“, meint der Reisende. Einsteigen will er trotzdem nicht. „Ein anderes Mal, ich habe heute schon was vor.“

Ingeborg Wiederstein nimmt vorne in der zweiten Reihe Platz. Die 59-Jährige aus Leinfelden-Echterdingen fährt zweimal im Monat nach Konstanz. Ihr Sohn lebt dort. Er wohnt mit seiner Familie mitten in der Stadt. „Dort kostet ja schon der Parkplatz mehr als der Fahrschein.“ Mit der Bahn ist sie oft gefahren, doch mit etwa 40 Euro sei das Ticket deutlich teurer. Zudem habe sie keine Lust, mehrmals umzusteigen und in zugigen Bahnhöfen zu warten. „Einmal war ich sechseinhalb Stunden unterwegs.“ Auf der Internetseite der Mitfahrzentrale hat Ingeborg Wiederstein Dein Bus entdeckt. Und danach entschieden, auf eine Mitfahrgelegenheit im Auto zu verzichten. „Der Bus ist komfortabler, und man hat ausreichend Platz.“ Mehr als genug. Gerade mal sechs von knapp 50 Sitzen sind an diesem nasskalten, tristen Tag belegt.

Kampf mit Billigpreisen um Reisende

Gedränge herrscht anderswo. Im Januar ist das Monopol der Deutschen Bahn auf Langstrecken im Inland gefallen. Seither kämpfen immer mehr Unternehmen mit Billigpreisen um Reisende. Flixbus wirbt mit Sonderangeboten von einem Euro. „Die Ticketpreise liegen im Schnitt 60 bis 80 Prozent unter den Preisen der Bahn“, sagt Flixbus-Geschäftsführer André Schwämmlein. Doch auch große Anbieter wie die Deutsche Touring Eurolines machen der Bahn Konkurrenz. Zudem erobern junge Firmen wie Dein Bus oder Mein Fernbus die Straße. Mit City 2 City rollt der britische Marktführer National Express von 2. April an durch Deutschland – und will mit regionalen Busunternehmen zusammenarbeiten. Auch die Deutsche Post plant mit dem ADAC ein bundesweites Liniennetz und will spätestens 2014 einsteigen.

Doch wie lange können die Wettbewerber die Schnäppchenpreise halten? Wirtschaftlich trägt sich ein 9-Euro-Ticket nach Konstanz erst, wenn der Bus halb voll ist, sagt Christian Janisch, Mitgründer von Dein Bus. „Wir versuchen, langfristig günstige Tickets für Frühbucher anzubieten, weil wir so die Auslastung steuern können.“

Umsteigen nach einer halben Stunde in Tübingen. Doch die Anschlussverbindung lässt auf sich warten. Immerhin: Bis der andere Bus kommt, können die Fahrgäste sitzen bleiben und müssen nicht in der Kälte stehen. Nach zehn Minuten biegt er um die Ecke. „Ich bin der Eberhard“, begrüßt der Fahrer die Passagiere, acht sind es jetzt. „Ich komme leider etwas später, an der Kreuzung gab es einen Unfall.“ Aus der Ruhe bringen lässt sich der 61-Jährige nicht. „Wir haben stets einen Puffer eingeplant, das schaffen wir schon.“

Gestern Freiburg, heute Konstanz, übermorgen das Montafon in Österreich: Eberhard Schneck kutschiert seit 19 Jahren Jung und Alt durch die Gegend. „Es sind immer andere Leute dabei, das macht den Reiz aus.“ Der 61-Jährige arbeitet für ein regionales Busunternehmen. Auf solche Mittelständler setzen Firmen wie Dein Bus, Flixbus und Mein Fernbus. „Wir vernetzen die Anbieter im Nahverkehr, vom Busverkehr verstehen sie mehr als wir“, sagt Christian Janisch von Dein Bus. „Wir kümmern uns um Kartenverkauf, Werbung, Vertrieb und Beschwerden.“ Risiko und Gewinn seien wie bei einer Genossenschaft auf mehreren Schultern verteilt.

Nach zwei Stunden werden Vesperbrote ausgepackt

Das Wetter wird besser, je näher der ­Bodensee rückt. Die Sonne bricht durch die Wolken – so stark, dass der Asphalt blendet. Drinnen ist es mucksmäuschenstill, man hört, wie nach zwei Stunden die ersten ­Vesperbrote ausgepackt werden. Alina Stuwe bekommt davon nichts mit. Sie sitzt mit Stöpseln im Ohr am Fenster und hört Musik. Die 22-Jährige pendelt alle zwei Wochen von Stuttgart nach Konstanz. Normalerweise nutzt die Sportstudentin die Mitfahrzen­trale. Mit dem Auto dauere es knapp zwei Stunden. „Doch diesmal war keine passende Verbindung dabei.“ Ob sie nun öfter Bus fahre? „Klar, wenn die Preise so bleiben, mache ich das.“ Dafür würde sie auch in Kauf nehmen, dass sie mit drei Stunden deutlich länger unterwegs sei als mit dem Pkw.

Ein paar Reihen weiter hinten hat es sich Markus Burger bequem gemacht. Er macht in Tübingen an der Klinik eine Ausbildung zum Medizinisch-Technischen Assistenten und fährt für ein paar Tage nach Hause. Weil er keine Lust hat, sich mit mehreren Leuten in ein Auto zu quetschen, fährt er Bus. „Bei der Mitfahrgelegenheit muss man sich nach den Leuten richten, und wenn es schlecht läuft sitzt man in einer Klapperkiste“, meint der 22-Jährige. Zudem könne man mehr Gepäck mitnehmen. 20 Kilo plus Handgepäck sind bei Dein Bus erlaubt. Das Wichtigste für ihn: Er kann während der Fahrt lesen.

Das tut auch Anita Dorner. Die 65-Jährige aus Filderstadt will eine Freundin besuchen und vertreibt sich die Zeit mit Zeitungslektüre. Kurz vor Konstanz klingelt ihr Handy. „Wir sind in einer Viertelstunde da“, sagt sie. „Ja, es alles hat gut geklappt, wir kommen pünktlich an.“

Endstation, kurz vor zehn. Eberhard Schneck lädt auf dem Döbeleplatz das Gepäck aus und verabschiedet sich von allen Reisenden. Bevor es für den Fahrer wieder zurück nach Tübingen geht, hat er noch eineinhalb Stunden Zeit. „Ich gönne mir jetzt erst mal einen Kaffee.“ Nicht nur er, auch Marco Pinni, der Frühaufsteher aus Heilbronn, braucht einen kleinen Muntermacher.

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