Der Landkreis will seine Solarstrompotenziale prüfen. Foto: dpa

Der Rems-Murr-Kreis will weitere eigene Potenziale für die Solarstromgewinnung ergründen und die Öffentlichkeit besser aufklären. Anlagen an Lärmschutzwänden von Bundes- und Landesstraßen wird es aber wohl nicht geben.

Waiblingen - Das Landratsamt will die Bürger und Unternehmen im Rems-Murr-Kreis künftig intensiver über die Möglichkeiten von Photovoltaikanlagen informieren und ein entsprechendes internes Investitionsprogramm für die Kreisliegenschaften erarbeiten. Das hat der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Die Initiative geht auf einen Antrag der FDP-Fraktion zurück, die sich für eine aktive Rolle der Verwaltung beim Ausbau der Solarenergiegewinnung stark gemacht hatte.

Selbst gestecktes Ziel nicht erreicht

Der Anlass ist der jüngste Bericht zur erneuerbaren Stromproduktion im Rems-Murr-Kreis gewesen, der im Herbst vergangenen Jahres vorgelegt wurde. Laut diesem hat sich die erzeugte Strommenge im Kreisgebiet in der Zeitspanne zwischen 2008 und 2015 zwar mehr als verdreifacht, das in einem Klimaschutzkonzept selbst gesteckte Ausbauziel auf 137 000 Megawattstunden wurde im Jahr 2015 aber mit 85 000 Megawattstunden nur zu 62 Prozent erreicht.

Der Kreis selbst trägt zu der Summe mit aktuell 23 Anlagen rund 1300 Megawattstunden bei. Um seiner Vorbildfunktion noch gerechter zu werden, will die Verwaltung nun bis zum Sommer kommenden Jahres zusammen mit den Beteiligungsgesellschaften ein mögliches Ausbauprogramm vorlegen. Geprüft werden soll konkret, ob in den Beruflichen Schulzentren in Backnang, Schorndorf und Waiblingen, auf dem Verwaltungsgebäude am Alten Postplatz, auf den Geländen der Biovergärungsanlage in Backnang-Neuschöntal, der Deponien und der Rems-Murr-Klinik in Schorndorf Potenziale für Anlagen bestehen und mit welchen Kosten deren Installation verbunden wäre. Außerdem will man die Öffentlichkeit in einer Kampagne über Möglichkeiten der Eigenstromnutzung, Fortschritte bei der Speichertechnologie oder Mieterstrommodelle informieren und dies mit Best-Practice-Beispielen veranschaulichen.

Solarkataster wird nicht erstellt

Eine Absage hat der Kreistagsausschuss hingegen der Erstellung eines Solarkatasters mit integriertem Wirtschaftlichkeitsrechner erteilt. Ein solches wäre nach Einschätzung der Verwaltung mit einmaligen Kosten zwischen 20 000 und 30 000 Euro verbunden und müsste zudem stetig aktualisiert werden. „Das könnte ein Fass ohne Boden werden“, warnte in der Sitzung der Großerlacher Bürgermeister und CDU-Kreisrat Christoph Jäger und der SPD-Abgeordnete Klaus Riedel betonte: „Wir sollten das Geld lieber in konkrete Projekte investieren.“

Anlagen an Straßen zu gefährlich

Dem FDP-Vorschlag, Photovoltaik-Anlagen an Lärmschutzwänden entlang von Landes- und Bundesstraßen zu errichten, stehen laut Einschätzung des Regierungspräsidiums Stuttgart wiederum andere Bedenken entgegen. Ein Pilotprojekt an der Mühlbachbrücke an der A 81 in der Nähe von Sulz a. N.ckar habe gezeigt, dass „das nachvollziehbare Interesse der Betreiber zur Optimierung der Wirtschaftlichkeit nur schwer in Einklang zu bringen ist mit den Interessen und Möglichkeiten der Straßenbauverwaltung“, heißt es in einer Stellungnahme. Als Hinderungsgründe genannt werden beschränkte Zugriffsmöglichkeiten auf die Anlagen und die Gefährdung von Verkehrsteilnehmern durch Blendung oder Stromschlag bei einem Unfall. Denkbar wäre laut der Kreisverwaltung zwar, die Anlagen außerhalb des Verkehrsraums aufzustellen. Hierzulande allerdings müssten dafür aufgrund der beengten Verhältnisse entlang der Bundesstraßen aufwändige und ökologisch nicht vertretbare Eingriffe gemacht werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: