Plug-in-Hybride, die mit einem Verbrennungsmotor und mit einer extern aufladbaren Batterie ausgestattet sind, sind für Hersteller und Käufer attraktiv. Foto: dpa/Uli Deck

Plug-in-Hybride sind nicht so sauber unterwegs wie vom EU-Gesetzgeber angenommen, sagt unser Experte Markus Grabitz und fordert mehr Ehrlichkeit beim Klimaschutz – nicht nur von den Herstellern.

Brüssel - Aus Sicht der Branche und der Käufer von Neuwagen sind die Autos hochattraktiv, die sowohl mit einem Verbrenner als auch mit einer extern aufladbaren Batterie für den Elektrofahrbetrieb ausgestattet sind. Diese Plug-in-Hybride helfen den Herstellern, die immer anspruchsvolleren CO2-Flottenziele der EU einzuhalten, weil sie seitens der Regulierung massiv privilegiert werden.

 

Diese Fahrzeuge gehen nicht mit den tatsächlichen Werten zum Spritverbrauch in die Statistik ein, sondern mit fiktiven Werten, meist im niedrigen zweistelligen Grammbereich, die nichts mit den tatsächlichen Emissionen zu tun haben. Studien belegen, dass die Fahrzeuge deutlich mehr im Verbrennermodus unterwegs sind als unterstellt. Auch die Autofahrer mögen diese Fahrzeuge, weil sie beim Kauf einen hohen vierstelligen Zuschuss von Staat und Herstellern bekommen.

Nur eine Frage der Zeit

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese Privilegien weniger oder ganz geschafft werden. Dass sie abgeschafft werden ist überfällig. Es ist niemandem gedient, wenn Klimaziele nur auf dem Papier eingehalten werden. Mit der Abschaffung der Privilegierung muss auch die CO2-Flottenregulierung der EU kritisch überprüft werden.

Ohne den äußerst vorteilhaften Beitrag der Plug-in-Hybride werden die Hersteller es aber wohl kaum schaffen, die CO2-Ziele zu erreichen, die der EU-Gesetzgeber bis 2030 beschlossen hat. Die EU-Kommission will noch mehr: Statt einer Reduzierung um durchschnittlich 37,5 Prozent will sie schon in wenigen Monaten minus 50 Prozent bezogen auf den Wert von 2021 vorschlagen. Auch wenn die Absatzzahlen vollelektrischer Fahrzeuge – auch dank der Förderung - kräftig steigen, wird das nicht machbar sein.

Es ist höchste Zeit für den EU-Gesetzgeber, realitätsnähere Vorgaben zu machen. Ziele, die nicht zu schaffen sind, verursachen Frust und haben Strafzahlungen für die Hersteller zur Folge. Mitten in der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten sollte die EU beim sogenannten Green Deal die Latte nicht noch höher legen. Zumal die Branche nicht nur die Krise verkraften, sondern auch viele Milliarden investieren muss, um den Abschied vom Verbrenner zu stemmen. Bei etlichen Herstellern geht es ums nackte Überleben.