Erste Einschränkungen rund um den Neubau des Landratsamts in Waiblingen fallen weg. Warum Autofahrer trotzdem weiter Geduld brauchen.
Der Asphalt ist frisch markiert, erste Fahrspuren sind wieder frei – doch rund um den Alten Postplatz in Waiblingen liegen die Nerven vieler Autofahrer weiterhin blank. Seit Monaten prägen Absperrungen, Rückstaus und Umleitungen das Bild an der sogenannten AOK-Kreuzung vor dem Neubau des Landratsamts. Nun versprechen Stadt und Landkreis eine schrittweise Entlastung. Doch zuvor hatte sich im Gemeinderat Ärger entladen.
Wie das Landratsamt Rems-Murr mitteilt, sind seit Montag die Geradeaus- und Linksabbiegerspuren zwischen der Villa Roller und der AOK-Kreuzung vorübergehend wieder freigegeben. Bis zum 8. Juni sollen damit die Einschränkungen reduziert werden. Bis Mitte Juni seien weitere „spürbare Verbesserungen“ geplant, die vollständige Freigabe der Außenanlagen soll allerdings erst im Juli folgen.
Waiblingens Baustelle: Neue Markierungen und Ampelanlage geplant
Die Baustelle gehört schon lange zum Alltag in der Waiblinger Innenstadt. Bereits im April hatte das Landratsamt angekündigt, die Arbeiten würden „auf Hochtouren“ laufen. Geplant sind unter anderem neue Fahrbahnmarkierungen, eine modernisierte Ampelanlage und die Fertigstellung der sogenannten Dreiecks- und Mittelinseln, die den Verkehr künftig besser ordnen sollen. Parallel saniert die Stadt Waiblingen die Fahrbahn – bewusst zeitgleich, um spätere zusätzliche Sperrungen zu vermeiden.
Tatsächlich gibt es erste Fortschritte: Die erste Bauphase ist abgeschlossen, die Dreiecksinsel bei der Polizei wurde hergestellt. Ab 26. Mai soll zudem die Abbiegespur an der Polizei vorbei wieder befahrbar sein. Dann könnte der Verkehr Richtung Fellbach spürbar besser abfließen.
„Kaum ein Handwerker zu sehen“ – Frust im Waiblinger Gemeinderat
Doch während Behörden von Synergien und Bauphasen sprechen, erleben viele Autofahrer vor allem eines: Stillstand im Stau. Besonders deutlich wurde der Frust zuletzt im Waiblinger Gemeinderat. Laut einem Bericht der Lokalzeitung platzte dem CDU-Stadtrat Hermann Schöllkopf der Kragen. „Jetzt war eine Woche lang die Fahrbahn gesperrt, aber kaum ein Handwerker zu sehen“, kritisierte er im Gremium. Jeden Morgen und Abend suche sich der Verkehr „irgendwo einen Schlupfwinkel“, während auf der Baustelle „fast nichts“ passiere, zitierte ihn die Zeitung.
Für Gelächter im Rat sorgte Schöllkopfs Spitze gegen den angekündigten Zeitplan des Landratsamts. „Wenn es in diesem Tempo weitergeht, wird es vielleicht sogar Weihnachten“, sagte der CDU-Stadtrat laut Lokalzeitung. Vor allem die dauerhaft aufrechterhaltenen Sperrungen über Feiertage und Wochenenden stoßen auf Unverständnis.
Behörden verteidigen Bündelung der Arbeiten
Die Stadtverwaltung reagierte bereits auf die Kritik. Baubürgermeister Dieter Schienmann kündigte Gespräche mit dem Landratsamt über mögliche Verbesserungen an. Das reagierte nun mit der Update-Meldung. Gleichzeitig verweisen Stadt und Landkreis darauf, dass die Bündelung der Arbeiten langfristig Vorteile bringe.
Bis dahin bleibt die AOK-Kreuzung allerdings ein Nadelöhr. Noch bis Anfang Juni gilt: Vom Hallenbad kommend steht Richtung Polizei nur ein Geradeausfahrstreifen zur Verfügung. Ab dem 26. Mai ist zudem das Linksabbiegen von der Polizei Richtung Innenstadt für mehrere Wochen nicht möglich.
Für viele Waiblinger dürfte deshalb auch in den kommenden Wochen gelten: mehr Geduld als Tempo.