Bei den Urnengemeinschaftsgräbern kümmern sich Friedhofsgärtner und Steinmetze um die Pflege. Es bleibt keine Arbeit an den Angehörigen hängen. Namenssteine und -Tafeln personalisieren die Gräber. Foto: Sandra Hintermayr

Auf dem Alten Friedhof können sich die Vaihinger künftig in Urnengemeinschaftsgräbern bestatten lassen. Bei dieser Art der Bestattung gewährleisten Gärtner und Steinmetze die Pflege des Grabes über die komplette Laufzeit.

Vaihingen - Die Friedhofs- und Bestattungskultur ist im Wandel. Große Familiengräber werden seltener, Urnen- und alternative Bestattungsformen wie Baumgräber dagegen beliebter. Weniger Kosten und Pflegeaufwand sind Gründe für die wachsende Nachfrage nach alternativen Begräbnissen. Doch der Platz für Urnengräber ist begrenzt – auch auf dem Alten Friedhof in Vaihingen. „Wir haben derzeit kein frei verfügbares Urnengrab mehr“, sagt der Friedhofsgärtner Joachim Hertneck. „Die Nachfrage ist größer als das Angebot.“ Der Steinmetz David Verstege ergänzt: „Uns haben Bürger angesprochen, die auf den Heslacher Friedhof hätten ausweichen müssen, weil es in Vaihingen keine solchen Anlagen gab.“ Unzumutbar, findet Hertneck. „Es kann nicht sein, dass man, nachdem man sein ganzes Leben in Vaihingen verbracht hat, nach dem Tod die Heimat verlassen muss, weil es an Urnengräbern fehlt.“

Eine Namensplatte personalisiert die Grabstätte

Die Vaihinger Friedhofsgärtner Joachim Hertneck und Bernd Elsäßer sowie die Steinmetze David Verstege und Wolfgang Machmer beschlossen 2013, das Angebot an Gemeinschaftsurnengräbern auf dem Alten Friedhof auszuweiten. Es folgten Gespräche mit Stadträten, dem Bezirksbeirat und dem Friedhofsamt. Insbesondere Jürgen Sauer, der CDU-Betreuungsstadtrat für Vaihingen, habe sich für das Projekt stark gemacht, betont Hertneck. 2015 wurden die Grabanlagen genehmigt, 2016 die Gräber fertiggestellt.

Die Vaihinger können nun zwischen zwei Urnengemeinschaftsgräbern wählen. Beide sind mit Bodendeckern und wechselnder Blumenpracht bepflanzt und mit einer Grabskulptur aus Granit versehen. Das Wahlgrab umfasst 40 Reihengrabstätten, die nacheinander belegt werden. In eine Metallplatte an der Grabeinfassung werden Name, Geburts- und Sterbedatum des Verstorbenen eingraviert. Das Wahlgrab umfasst 14 Urnengrabstätten, in denen jeweils bis zu zwei Urnen beigesetzt werden können. Die Daten der Verstorbenen werden in einen Stein eingraviert. Die Ruhestätte im Wahlgrab kann schon vor dem Tod reserviert und das Nutzungsrecht nach Ablauf der 20 Jahre Mindestruhezeit verlängert werden. Beide Grabanlagen bieten die Möglichkeit, Trauergaben und Grablichter aufzustellen. Die Gräber haben einen parkähnlichen Charakter, sie sind als Ruhezonen zum Gedenken an die Verstorbenen eingerichtet. „Es ist persönlicher als etwa ein Baumgrab“, findet Verstege.

Steinmetze und Gärtner kümmern sich um die Pflege

Die Urnengemeinschaftsgräber werden von Friedhofsgärtnern und Steinmetzen betreut. Die Angehörigen müssen sich also nicht um die Grabpflege kümmern. Für einige Menschen ein Grund, sich für ein solches Begräbnis zu entscheiden. „Viele wollen ihre Kinder nicht mit der Grabpflege belasten, teilweise leben sie gar nicht mehr im selben Ort“, sagt Verstege. Bei den Gemeinschaftsgrabanlagen ist die Pflege für die gesamte Ruhezeit gesichert, Pflanzarbeiten und die Instandhaltung der Grabmale durch Fachbetriebe sind gewährleistet. „Alles-inklusive-Gräber“, wenn man so möchte. „Es ist keine Pflege nötig, aber gleichzeitig bieten die Grabanlagen eine Möglichkeit der Erinnerung an den Verstorbenen“, sagt Hertneck. Für Pflanzung, Pflege und Inschrift liegen die Kosten beim Reihengrab bei 2700 Euro für eine Ruhezeit von 20 Jahren, beim Wahlgrab bei 4000 Euro. Dazu kommen die Bestattungs- und Grabnutzungsgebühren der Stadt.

Der Friedhofsgärtner und der Steinmetz rechnen mit einer hohen Nachfrage für die Gemeinschaftsanlagen. Die ersten Bürger hätten bereits ihr Interesse bekundet. Sind die 54 neuen Grabstätten belegt, könnte das Angebot auf dem Alten Friedhof erweitert werden. „Wir haben an ein paar Stellen noch Freiflächen zur Verfügung“, sagt Hertneck.

Übergabe: Vertreter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts, der Württembergischen Friedhofsgärtner und des Netzwerks Stein, Steinmetz und Bildhauer Genossenschaft stellen am Donnerstag, 14. Juli, die Gemeinschaftsgrabanlagen vor und übergeben sie ihrer Nutzung. Beginn ist um 14 Uhr auf dem Alten Friedhof an der Holzhauser Straße 10. Die Bürger sind willkommen.

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