Verkehr an der Wielandshöhe gegen 17.30 Uhr. Von unten her kommend herrscht eigentlich Durchfahrverbot. Foto: Lg/Rettig

Die Verkehrssituation an der Alten Weinsteige ist ein Daueraufreger – besonders für Anwohner. Viele missachten die Maßnahmen der Stadt.

Stuttgart - Am Anfang hat Rebecca Maier und Simona Müller (Namen von der Redaktion geändert) die Verkehrslage gar nicht gestört. Knapp ein Jahr, nachdem das Paar in die Wohnung oberhalb der Alten Weinsteige gezogen war, hat sich das drastisch geändert. „Man kann fast die Uhr danach stellen, dass die wieder anfangen zu hupen“, sagt Simona Müller. Fast täglich passiere es, dass Autofahrer sich auf Höhe der Wielandshöhe treffen. Weil die eine Straßenseite fast immer komplett zugeparkt ist und auf der anderen Seite die Zacke fährt, kommen sie nicht aneinander vorbei. Dann gehe das Gehupe los.

Rückwärtsfahren wird zum Drama

„Beide Seiten denken, sie seien im Recht“, sagt Simona Müller. Denn der Fahrer von unterhalb wisse, dass sein Gegenüber eigentlich gar nicht durch die Straße fahren darf, die er ansteuert. Und der von oberhalb müsste rückwärts den Berg wieder hoch fahren – für viele ein zu großer Aufwand. „Wir haben mal beobachtet, wie eine junge Frau rückwärts wieder hoch fahren musste. Sie hatte riesige Probleme dabei“, sagt Rebecca Maier. Ständig sei sie am Bordstein der Zacke hängen geblieben. Jedes Mal, wenn sie zurückfahren wollte, sei sie erst einmal nach vorne gerollt – zwei Meter nach hinten, fünf Meter nach vorne. Einige Verkehrsteilnehmer haben ihr sogar geholfen. Als sie endlich in eine Parklücke einbiegen konnte, habe einer der Autofahrer von unten neben ihr gehalten und sie angeschrien.

Dass die Fahrer aggressiv werden und sich gegenseitig verbal angreifen, beobachten Rebecca Maier und Simona Müller oft. Vom Wohnzimmer aus können sie solche Vorfälle eigentlich gar nicht verpassen, denn vom Fenster aus überblickt man die Problemzone. Besonders ärgerlich finden sie, dass die meisten die Straße überhaupt nicht passieren dürften.

Unterhalb der Wielandshöhe gilt von oben ein Durchfahrtverbot für jeden, der nicht vor Ort wohnt, arbeitet, Taxi fährt oder seine Kinder in den dortigen Kindergarten bringt. Von unten darf zwischen 15 und 19 Uhr gar keiner durchfahren. „Zur Verdeutlichung wurde die Schranke angebracht und ist in diesem Zeitraum geschlossen“, so die Information aus dem Amt für öffentliche Ordnung.

Stadt lehnt Ausweichbucht ab

Was könnte also helfen? „Eine Ausweichbucht wäre eine Möglichkeit“, sagt Simona Müller. Dafür könnte man einen Teil der Parkplätze opfern, findet sie. Das habe sie auch schon der Stadtverwaltung vorgeschlagen. „Die Argumentation war, dass eine Ausweichbucht das Durchfahren angenehm machen würde“, sagt Simona Müller. Das wolle die Stadt nicht. „Super Plan“, findet sie. Leider gehe der nicht auf, denn so unangenehm der Weg auch ist – die Leute fahren trotzdem durch. Dass der Online-Kartendienst Google Maps die Straße als Durchgangsstraße anzeigt, helfe auch nicht weiter. Menschen, die sich nicht auskennen, werden durch die Alte Weinsteige geführt, sobald auf der Neuen Weinsteige Stau sei.

Unserer Zeitung gegenüber erklärt die Stadt: „Das Ausweisen weiterer Ausweichzonen halten wir für kontraproduktiv, da das Befahren der Straße für den unerwünschten Schleichverkehr durch solche Maßnahmen eher attraktiver gemacht wird.“ Auch deshalb kontrollieren der städtische Vollzugsdienst und die Polizei regelmäßig Kontrollen. „Wir haben das mal beobachtet, als die Polizei kontrolliert hat“, sagt Simona Müller. In den 45 Minuten, in denen die Polizei vor Ort war, seien 50 Autos unerlaubt durch die Straße gefahren. Einmal haben sie beobachten können, wie die unbefugten Autofahrer auf die Anweisung der Polizei hin rückwärts wieder nach oben fuhren - um just in dem Moment wieder herunterzufahren, in dem die Polizei die Kontrolle beendet hatte. Simona Müller fasst das so zusammen: „Wohnen in bester Lage, bei geringer Lebensqualität durch ständige Lärmbelästigungen.“ Nur im Winter sei es besser, finden die beiden. Denn bei vereisten Straßen fahren viele nicht durch die Alte Weinsteige. Und wenn doch, dann tun sie das nur einmal.

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