Der Landkreis Böblingen wollte im Leonberger Ex-Seniorenzentrum geflüchtete Menschen unterbringen. Diese Pläne sind passé. Der Eigentümer will wieder in die Altenpflege einsteigen.
Der große Aufschrei ist längst verstummt. Seit fast genau einem Jahr ist klar, dass im einstigen Leonberger Senioren- und Pflegeheim „Haus am Parksee“ keine Geflüchteten untergebracht werden. Seitdem köchelte die ganze Angelegenheit rund um die Zukunft der Immobilie relativ unauffällig vor sich hin. Als sicher gilt, dass der derzeitige Besitzer – die Carestone-Gruppe mit Sitz in Hannover – das Gebäude erneut seiner früheren Bestimmung zuführen möchte. Doch hat sich innerhalb der vergangenen zwölf Monate überhaupt etwas getan?
Wie man seitens Carestone nun betont, halte man nach wie vor an den Plänen fest. „Die Planungen zur Revitalisierung des Standorts für altersgerechtes Wohnen werden weiterhin vorangetrieben“, antwortet Unternehmenssprecher Stefan Schlichting auf eine Anfrage unserer Zeitung. In diesem Zusammenhang sei zwischenzeitlich auch ein Bauantrag eingereicht worden. „Unser Ziel bleibt unverändert, den Standort entsprechend der bisherigen Planung zu entwickeln und dort seniorengerechten Wohnraum sowie eine Tagespflege zu realisieren.“
Haus am Parksee: keine Informationen über Kosten und Investitionen
Die Planungen aus dem vergangenen Jahr umfassen 120 seniorengerechte Wohnungen und eben jene Tagespflege. Zum Investitionsvolumen und zu den Projektkonditionen äußert sich Carestone indes grundsätzlich nicht.
Der aktuelle Status rund um das Haus am Parksee hat eine turbulente Vorgeschichte. Im Herbst 2023 war publik geworden: Der Landkreis Böblingen plane, das leerstehende Haus am Parksee für 24 Monate von Carestone zu mieten und dort 200 geflüchtete Menschen unterzubringen. Es formierte sich in der Folge massiver Protest, vor allem unter den Nachbarn. Unter anderem sammelten die Bewohnerinnen und Bewohner des Betreuten Wohnens nebenan Unterschriften gegen das Vorhaben des Landratsamts. Zudem gab es eine Demonstration vor dem Rathaus, die in mehr als grenzwertigem Stil angekündigt wurde.
Auch der Leonberger Gemeinderat und die Verwaltungsspitze rund um den damals noch amtierenden Oberbürgermeister Martin Georg Cohn votierten in einer Abstimmung geschlossen gegen die Pläne des Kreises – was jedoch lediglich Signalwirkung hatte. Schließlich schien der Landkreis im Winter 2023 Nägel mit Köpfen zu machen: Das Gebäude sollte fit gemacht werden und die Menschen sollten tatsächlich einziehen. Im Anschluss geschah viele Monate lang: nichts.
Dann, eineinviertel Jahre später, kam die Kehrtwende. Sah sich der Landkreis zu Beginn der Planungen im Herbst 2023 noch mit mehr als 300 Zuweisungen pro Monat zur Aufnahme in seinen auf die Kommunen verteilten Unterkünften konfrontiert, sank die Zahl auf weniger als 50 Personen. Der Landkreis verzichtete auf die Anmietung, der Mietvertrag mit Carestone sollte aufgehoben werden.
Carestone: konkrete Angaben zum Zeitplan sind beim Haus am Parksee nicht möglich
Doch wie geht es jetzt weiter? „Im weiteren Verlauf geht es nun insbesondere um die Abstimmung der genehmigungsrelevanten Details sowie die Vorbereitung der nächsten Umsetzungsschritte“, formuliert Carestone-Sprecher Stefan Schlichting. Konkrete Zeitangaben ließen sich in diesem Stadium „naturgemäß erst im Anschluss an die weiteren Verfahrensschritte belastbar einordnen“.
Das Gebäude selbst mit seinen etwa 100 Zimmern befand sich bis 2017 noch im Besitz des Landkreises selbst. Nach einer Grundsatzentscheidung zog dieser sich aufgrund gesetzlicher Regelungen jedoch aus dem Betrieb von Altenpflegeheimen zurück. Das Haus am Parksee unter Trägerschaft der Samariterstiftung war am Ende das letzte von acht Heimen, das vom Landkreis betrieben wurde. Die Behörde verkaufte es zunächst an das Unternehmen INP Care, von dort ging es weiter zu Primus Concept und schließlich zu Carestone, einem der Big Player im Business rund um Pflege-Immobilien.