Wer bei Google Maps die Strecke zwischen Degerloch und S-Süd sucht, wird über die Alte Weinsteige gelotst. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Routenplaner wie Google Maps oder auch der ADAC nehmen auf das Durchfahrtsverbot auf der Alten Weinsteige zwischen Stuttgart-Degerloch und Stuttgart-Süd keine Rücksicht. Darauf berufen können sich Autofahrer aber nicht.

Degerloch/S-Süd - Das Problem ist Anwohnern und Behörden seit Jahren bekannt: Die Alte Weinsteige ist ein Falschfahrer-Paradies. Vor allem in den werktäglichen Stoßzeiten schieben sich ganze Kolonnen illegal die steile Strecke hinauf oder hinab, trotz klar erkennbarer Verbotsschilder. Die Misere hat viele Gründe. Faulheit und mangelnde Gesetzestreue der Fahrer spielen eine Rolle, aber nicht nur. Vor allem Ortsfremde verlassen sich oft auf ihr Navigationssystem – und lassen sich geradewegs in die Verbotszone navigieren.

Mehrere Routenplaner zeigen die verbotene Strecke

So auch unser Leser Patrick Moser (Name von der Redaktion geändert). Moser ist zwar kein klassischer Ortsfremder, er wohnt seit sechs Jahren in der Landeshauptstadt. „Dort bin ich bisher aber noch nie mit meinem Auto unterwegs gewesen“, sagt er – und meint die Gegend zwischen Degerloch und dem Marienplatz. Deshalb verließ er sich eines Abends auf Google Maps, den kostenlosen Navigationsservice von Google, der ihn schnurstracks, von Ostfildern aus kommend, die Alte Weinsteige hinunterschickte. „Da es doch relativ spätabends war und ich dieses Verbot anscheinend gar nicht schnell genug wahrgenommen habe, war ich eher verwundert“, sagt Moser. „War das ein Durchfahrtsverbotsschild? Warum schickt mich Google Maps einen Weg entlang, der eigentlich gesperrt ist? Das kann doch eigentlich gar nicht sein, oder?“, beschreibt er seine Reaktion. Durchgefahren ist er letztlich trotzdem – auch deshalb, weil die Schranke auf Höhe der Wielandshöhe eine reine Staffage ohne Wirkung ist. „Eine physische Barriere wäre da schon sinnvoll“, findet Patrick Moser.

Eine Stichprobe bei einigen kostenlosen Routenplanern im Internet zeigt, dass einige tatsächlich die verbotene Strecke über die Alte Weinsteige vorschlagen, wenn man nach der besten Route vom Marienplatz in die Degerlocher Epplestraße sucht. Neben Google Maps zum Beispiel noch die Seite Routenplaner24.de. Selbst der Routenplaner des ADAC schlägt die illegale Strecke vor, und das auch in der verbotenen Zeit zwischen 15 und 19 Uhr. Bergab ist die Durchfahrt ab Wielandshöhe bekanntlich ohnehin dauerhaft verboten. Hinweise auf das Verbot liefert der Planer des ADAC nicht. Er gibt lediglich den Hinweis, dass man die Stuttgarter Umweltzone befahre.

Autofahrer tragen die Verantwortung

Andere Routenplaner schlagen die legalen Strecken vor, entweder über die Neue Weinsteige oder über die Karl-Kloß-Straße, so etwa die Routenplaner von Falk und von Michelin. Die Verantwortung dem System zuzuschieben, ist jedenfalls keine Option für Autofahrer. Denn erstens tragen sie die Verantwortung dafür, wie sie fahren, und können sich im Zweifelsfall nicht auf fehlerhafte Software berufen. Und zweitens gibt es auch keine rechtliche Grundlage, wie der ADAC auf Anfrage sagt. „Die Navi-Hersteller sind gesetzlich nicht dazu verpflichtet, die Durchfahrtsverbote anzugeben“, sagt Julian Häußler, Pressesprecher beim ADAC.

Immerhin gebe es bei Google Maps eine Warnmeldung, sagt Häußler. Tatsächlich heißt es da: „Strecken auf dieser Route dürfen an bestimmten Tagen und zu bestimmten Zeiten nur von Fahrgemeinschaften genutzt werden.“ Diese Meldung ist allerdings irreführend: denn Ausnahmen gelten dort zwar, aber nicht für Fahrgemeinschaften, sondern für Taxis, Anwohner und Lieferverkehr. Und der Hinweis auf „bestimmte Tage“ und „bestimmte Zeiten“ ist freilich wertlos, wenn man nicht weiß, welche konkret gemeint sind.

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