Die Spurensicherung hat sich in den letzten Jahrzehnten rasant entwickelt. Damit stehen der Polizei heute neue Möglichkeiten zur Verfügung, alte Mordfälle zu lösen. (Symbolfoto) Foto: dpa

Ungelöste Mordfälle beschäftigen die Polizei unter Umständen auch Jahrzehnte nach der Tat. Die technische Entwicklung lässt heute ganz neue Verfahren in der Spurenauswertung zu und weckt neue Hoffnung bei den Ermittlern. Diese Mordfälle in Baden-Württemberg sind bis heute ungelöst.

Ungelöste Mordfälle beschäftigen die Polizei unter Umständen auch Jahrzehnte nach der Tat. Die technische Entwicklung lässt heute ganz neue Verfahren in der Spurenauswertung zu und weckt neue Hoffnung bei den Ermittlern. Diese Mordfälle in Baden-Württemberg sind bis heute ungelöst.

Stuttgart - Alte Spuren werden mit neuer Technik untersucht, Akten noch einmal durchgearbeitet oder neuen Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen: Ungelöste Mordfälle beschäftigten die Polizei auch nach Jahren und Jahrzehnten. Die meisten Tötungsdelikte werden aufgeklärt.

Im vergangenen Jahr stieg die Quote der aufgeklärten Fälle im Bereich Mord, Totschlag und fahrlässiger Tötung laut Kriminalstatistik im Südwesten um 1,7 Prozentpunkte auf 96,7 Prozent. Bleibt ein Rest von über drei Prozent - die ungelöst sind.

Wir haben die ungelösten spektakulären Fälle in Baden-Württemberg aufgelistet:

Mordfall Maria Bögerl

Die Bankiersgattin wird im Mai 2010 aus ihrem Haus in Heidenheim entführt. Ein bisher Unbekannter fordert 300.000 Euro Lösegeld. Die Geldübergabe an einer Autobahn scheitert, später wird Maria Bögerl tot in einem Waldstück aufgefunden. Die Ermittler treten auf der Stelle. Sowohl die Fahndung im Fernsehen als auch ein Massengentest bringt die Ermittler nicht weiter. Nun wurde ein zweiter Massengentest gestartet.

Mordfall Anja Aichele

Der Mord an der 17-jährigen Anja Aichele aus Stuttgart-Bad Cannstatt beschäftigt die Ermittler seit fast drei Jahrzehnten. Die Schülerin wird am 27. März 1987 gegen 22 Uhr auf dem Nachhauseweg von einem Jugendtreffen erwürgt. Drei Zeugen geben unabhängig voneinander an, sie hätten zu dieser Zeit einen Schrei im Weinberg unterhalb des Wohngebiets Muckensturm gehört. Ihre Leiche wird drei Tage später gefunden - vergraben in einem Beet.

60 Ermittler sammeln mehr als 4000 Hinweise - ohne Erfolg. Aichele wird zum „Altfall“. 2008 keimt Hoffnung auf: Bei einer routinemäßigen Überprüfung von Gegenständen, die sichergestellt worden waren, entdecken Ermittler eine „tatrelevante DNA-Spur“. Ein Abgleich mit 500 getesteten Männern aus dem näheren Umfeld des Opfers ergibt keine Übereinstimmung.

Neuer Anlauf dann im Jahr 2012: Per Reihen-DNA-Untersuchung werden rund 700 Männer getestet, die 1987 im Tatortbereich gewohnt haben. Neue Ansatzpunkte für den Fall gibt es aktuell nicht.

Mordfall Antonella Bazzanella

In Karlsruhe und Umgebung ist in den vergangenen Jahren jeder Mordfall aufgeklärt worden. Aber der Fall von Antonella Bazzanella liegt schon länger zurück und ist ungeklärt. Die 25 Jahre alte Italienerin fährt am 21. Juni 1987 mit dem Rad durch den Hardtwald in Karlsruhe. Dort trifft sie auf ihren Mörder. Der schleift sie ins Dickicht, malträtiert, fesselt und erdrosselt die junge Frau.

Für die Ermittler spricht einiges für einen Ritualmord. Eine richtig heiße Spur habe es nie gegeben, erklärt Ralf Minet von der Karlsruher Polizei. Weil zur Tatzeit Tina Turner ein Konzert in der Nähe des Tatorts gab, war es sehr laut, so dass offenbar niemand Schreie hörte. Die Polizei hofft immer noch darauf, den Täter zu finden. „Wir haben den Fall im Hinterkopf.“

Doppelmord in Mannheim

Ein mysteriöser Doppelmord in Mannheim beschäftigt die dortigen Ermittler seit über einem Jahr. Am 13. Mai 2013 werden ein 45 Jahre alter Mann aus Italien und seine 42-jährige thailändische Lebensgefährtin im Stadtteil Kirschgartshausen erschossen. Die einst 40 Beamte umfassende Sonderkommission „Kirschgarten“ geht über 400 Spuren nach. Ohne Ergebnis. Die Sonderkommission wird nach einiger Zeit aufgelöst, wie eine Sprecherin berichtet. Aber immer noch befassen sich mehrere Beamten mit dem Fall. Geprüft werden sowohl Bezüge zur Organisierten Kriminalität sowie auch ein möglicher familiärer Anlass für die Tat.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: