Wer Familienvideos vererben möchte, sollte sie bald digitalisieren Foto: fotolia

Videokassetten, Dias oder Super-8-Filme lassen sich irgendwann nicht mehr abspielen. So können sie trotzdem an die nächsten Generationen vererbt werden.

Stuttgart - Videokassetten, Dias oder Super-8-Filme lassen sich irgendwann nicht mehr abspielen. So können sie trotzdem an die nächsten Generationen vererbt werden.

VHS-Kassetten

Selbst wenn Videokassetten nur ungenutzt im Schrank liegen, wird die Qualität Jahr für Jahr schlechter. Hinzu kommt, dass kaum mehr ein Fachgeschäft kaputte Videorekorder repariert. Neue Geräte gibt es ebenfalls immer weniger zu kaufen. Während es die meisten Spielfilme günstig und in besserer Qualität auf DVD oder Blu-ray im Handel gibt, kann man sich bei Familien-Videos für eine der folgenden vier Möglichkeiten zur Digitalisierung entscheiden.

Kombigerät: Am einfachsten geht das Digitalisieren mit einem VHS-DVD-Kombigerät. Dieses kann VHS-Kassetten auf DVD brennen. Die Anschaffung lohnt sich für alle, die noch keinen DVD-Player haben und das Gerät nicht nur zum Überspielen nutzen wollen. Auch wer viele VHS-Kassetten zum Überspielen hat, kann sich die Anschaffung überlegen. Geräte gibt es ab etwa 200 Euro.

Überspiel-Sets: Wer noch einen funktionierenden Videorekorder und einen Computer zu Hause hat, behilft sich mit einem sogenannten Analog-Digital-Wandler (vom Rekorder wird das VHS-Signal per Komponenten- oder Scart-Anschluss angenommen und per USB am PC ausgegeben) mit passender Aufnahmesoftware. Einige Hersteller wie Magix („Retten Sie Ihre Videokassette“, ca. 50 Euro) oder Q-Sonic („USB-Videograbber mit Software“, ca. 30 Euro) bieten die notwendigen Komponenten gleich als Paket mit Gebrauchsanweisung an (erhältlich im Elektromarkt oder online z. B. bei Amazon). Etwas Zeit muss man hierbei mitbringen: Das Kopieren dauert so lange wie das Abspielen des Videos. Mit Hilfe der mitgelieferten Software können Helligkeit, Farbton oder Bildschärfe der Aufnahmen verbessert werden.

Camcorder: Hat dieser einen sogenannten Komponenteneingang (steht in der ­Be­dienungsanleitung), kann der Camcorder mit einem Komponentenkabel und Scart-Adaptor an den Videorekorder angeschlossen werden, um das Video zu digitalisieren. Danach wird es auf den PC übertragen.

Kopierdienste: Es gibt inzwischen viele Dienstleister, die sich auf das Digitalisieren von VHS-Kassetten auf DVD spezialisiert haben (etwa www.jetzt-digital.de, www.videooncd.de, www.vhs-digitalisierung.de). Die Kosten berechnen sich entweder pro Filmminute (etwa 30 Cent) oder pro Film (ca. 15 Euro). Inklusive ist meist eine Farb- und Tonkorrektur. 

Super-8-Filme

Um Super-8-Filme auf digitale Datenträger zu überspielen, braucht man sehr viel Zeit und vor allem Geld. Denn die dafür notwendigen Scanner, die Schmalfilme Bild für Bild abtasten, kosten Tausende Euro. Oft fehlt zudem zu Hause bereits ein funktionierendes Abspielgerät. Besser ist es deshalb, sich an einen Dienstleister zu wenden:

Kopierdienste: Spezielle Dienstleister ­(etwa www.digitalspezialist.de, ­www.medienrettung.de, www.filmaxx.de) digitalisieren Schmalfilme mit einer Stunde Länge für etwa 60 Euro.

Abfilmen: Wer es sich technisch zutraut, die Digitalisierung selbst zu übernehmen, kann im Internet nach alternativen Ideen wie Abfilmen oder Umlenkspiegel suchen. 

Audio-Kassetten

Musik oder Hörspiele, die es auf CD oder als MP3-Datei zu kaufen gibt, haben eine bessere Qualität als das Material, welches man von Audio-Kassetten digitalisiert. Wer darauf Raritäten oder persönliche Erinnerungen gespeichert hat, kann Folgendes tun:

Kassetten-Digital-Konverter: Am bequemsten geht das Digitalisieren mit speziellen Konverter-Geräten (ab etwa 25 Euro). Wie bei einem Walkman werden die Kassetten eingelegt und abgespielt. Ein USB-Kabel verbindet den Konverter mit dem PC. Software zum Abspeichern auf dem Computer wird mitgeliefert.

Selbst digitalisieren: Dazu braucht man einen funktionierenden Kassettenspieler mit zwei Cinch-Ausgängen, ein Audiokabel, das zwei Cinch-Stecker mit einem Mini-Klinken-Stecker verbindet und einen PC mit Soundkarte. Kostenlos aus dem Internet herunterladen lässt sich die Aufnahmesoftware Audacity (www.audacity.de). Wie genau die Aufnahme funktioniert und welche zusätzlichen Einstellungen man am Computer vornehmen muss, ist unter www.kassetten-digitalisieren.de beschrieben.

Kopierdienste: Auch für das Digitalisieren von Kassetten gibt es verschiedene professionelle Dienstleister (etwa www.kassetten-digitalisieren.de, www.digitalkopie24.de ), die für etwa 10 Euro pro Kassette die Arbeit übernehmen

Dias, Negative, Papierbilder

Auch Dias und Negative halten nicht ewig. Außerdem lassen sie sich – wie auch Papierbilder – weder im Internet noch in Fotobüchern verwenden. So bekommt man diese Erinnerungen trotzdem auf den Rechner:

Scanner: Spezielle Diascanner (von 100 bis 1000 Euro) können manchmal auch Negative einlesen. Bei einigen Geräten muss man die Bilder einzeln einlegen, andere scannen Dias magazinweise ein, was Zeit spart. Die Qualität ist ähnlich gut wie bei Kopierdiensten. Bei manchen Anbietern können die Geräte auch ausgeliehen werden. Eine weitere Möglichkeit ist, sie günstig auf Internet-Auktionsplattformen zu ersteigern. Mit Flachbrettscannern (ca. 100 bis 300 Euro) mit Durchlichteinheit (Vorrichtung, in der ein Dia oder Negativ größengenau belichtet wird) kann man auch Papierbilder einlesen. Die Qualität der digitalen Fotos ist meist aber schlechter als bei speziellen Diascannern. Grundsätzlich gilt: Ist das Ausgangsmaterial verkratzt, verfärbt oder unscharf, bekommt man daraus auch keine guten digitalen Fotos.

Kopierdienste: Wer zu einem Dienstleister (ww.digitalspezialist.de, www.fotoporto.de, www.diafix.de) geht, muss sich selbst kein Gerät anschaffen (lohnt sich für wenige Bilder nicht) und spart die Zeit für das Digitalisieren (dauert bei sehr vielen Bildern sehr lang). Die Kosten schwanken stark, je nachdem ob die Bilder zusätzlich von Kratzern und schlechten Farben befreit werden sollen, die Dias lose oder bereits einsortiert sind und in welcher Auflösung man die digitalen Fotos haben möchte.

Einfache Angebote gibt es ab zehn Cent pro Dia. Oft ist es möglich, vor einer größeren Bestellung Probescans zu bekommen. „Viele Anbieter bieten zudem Mengenrabatte“, sagt Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband. Sie rät, die Dias immer per Einschreiben mit Rückschein zu verschicken, wenn man einen Online-Anbieter wählt. „So können die Erinnerungen in der Post nicht verloren gehen.“ Wem das trotzdem zu riskant ist, der kann sich auch an einen Fotoladen in der Umgebung wenden. „Auch diese arbeiten oft mit einem entsprechenden Dienstleister zusammen und haben sichere Transportwege“, sagt Clauß. 

Schallplatten

Schallplatten-Fans schwören auf die gute Qualität der Aufnahmen. Geht eine ­seltene Platte kaputt, sind aber selbst ­diese froh über eine digitale Kopie. Auch wer den defekten Plattenspieler nicht mehr ersetzen will oder die Platten-Musik auf dem Smartphone hören will, kann auf Digitalisierung setzen:

Direkte Digitalisierung: Es gibt Plattenspieler, mit denen man Platten ohne Umweg über den PC digitalisieren kann. Im Jahr 2010 hat die Stiftung Warentest solche Geräte getestet, die Ergebnisse kann man sich kostenlos durchlesen unter www.test.de, Suchwort „Musik digitalisieren“.

Digitalisierung über den PC: Hierzu wird der Plattenspieler entweder über ein Kabel direkt mit dem PC verbunden. Oder die Musik wird zunächst auf einem USB-Stick gespeichert und dann auf den PC übertragen. Voraussetzung ist, dass der verwendete Plattenspieler entsprechende Schnittstellen hat und analoge in digitale Signale umwandeln kann. Ist die Musik auf dem Computer, kann sie dort bearbeitet und mit Hilfe von Programmen wie dem Media-Player übersichtlich ­archiviert werden.

Vorverstärker: Wer einen alten Plattenspieler hat, kann sich für die Verbindung mit dem PC einen USB-Vorverstärker zulegen (etwa von Magix, „Retten Sie Ihre Schallplatten“, ca. 70 Euro, mit Software, um Kratz- und Rauschgeräusche zu bearbeiten). Die Verstärkung garantiert, dass die Audiosignale korrekt übertragen werden. Wer nur einen Vorverstärker kaufen will, kann Gratis-Programme nutzen, etwa www.audacity.de.

Dienstleister: Gibt man die Platten an einen Digitalisierungs-Experten (etwa www.schmalfilmdigital.de, www.platten-retter.de, www.lp-digitalservice.de) werden auch Kratz- und Rauschgeräusche entfernt. Die Kosten liegen bei etwa 13 Euro pro Platte, meist gibt es Mengenrabatte.

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