Der Zankapfel Seewiesen: Altdorf ist eine der wenigen Gemeinden weit und breit, die mitten im Ort einen Grünzug hat Foto: factum/Granville

Auf der Suche nach dem geeigneten Standort für ein Pflegeheim sehen die Planer die Seewiesen im Vorteil. Gegen ein Bauvorhaben dort regt sich im Gemeinderat jedoch einiger Widerstand. Im Februar soll die Entscheidung fallen.

Altdorf - Der Konflikt schwelt schon seit Jahren. Ökologische Interessen kollidieren mit finanziellen Aspekten. Noch dazu läuft die Zeit davon. Die Altdorfer wollen ein Pflegeheim bauen, doch die Diskussionen drohen auszuufern. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte Norbert Goerlich vom Stuttgarter Architektenbüro ARP die Pläne für die Standorte vor, um die sich der Streit rankt. Würde im Grünzug der Gemeinde gebaut, bedeute dies einen doch enormen Eingriff in die Natur, sagen die einen. Andererseits befinden sich die meisten der Grundstücke dort bereits in kommunalem Besitz. Würde an einem der anderen beiden Standorte ein Gebäude errichtet, wäre das kein so großer Eingriff in die Natur, sagen die anderen. Jedoch müssten die meisten Flächen dann erst noch erworben werden. Was also tun?

Hohe Lebensqualität in den Seewiesen

Inmitten der Kontroverse, in der Mitglieder der jeweils selben Fraktion unterschiedliche Auffassungen vertraten, legte der Bürgermeister Erwin Heller die Karten auf den Tisch. Eine Analyse habe ergeben, dass ein Bauvorhaben in den Seewiesen die meisten Vorteile biete. Goerlich erklärte zwar, dass ein Grünzug durch den Ort wie dieser in den Kommunen in der Region ziemlich einmalig sei. Er pflichtete Heller aber bei: Die Seewiesen seien geradezu ideal, weil die Bewohner eine hohe Lebensqualität erwarte. Außerdem gehöre eine solche Einrichtung dorthin: Mitten in den Ort und nicht an den Rand der Gemeinde. Diese Bedingung erfüllten die anderen beiden Standorte, die Erlachaue und die Rappenäcker, nicht. Für die Seewiesen schlug er alternativ einen Standort im Südwesten der Seewiesen oder einen im Bereich der Krautäcker vor.

Für ein Heim im Bereich der Krautgärten traten auch Christoph Zipperer und Miriam Mickeler von der Bürgerlichen Wählervereinigung ein. „Die Pflegebedürftigen sollen den schönsten Platz im Ort bekommen“, betonte Mickeler. Der Entwurf füge sich sehr schön in die Landschaft ein, befand ihr Fraktionskollege. Außerdem sei auf den Zeit- und Kostenfaktor zu achten. Grundstückskäufe in der Erlachaue würden die Gemeinde wohl zwischen 600 000 und 800 000 Euro kosten. Ob und wann die Eigentümer zum Verkauf bereit seien, sei ungewiss. In den Seewiesen dagegen könnte mit dem Bau bald begonnen werden, weil die Gemeinde im Besitz fast aller Grundstücke sei. Außerdem ist für ihn die Lage im Grünen optimal.

Drei Quellen und die Würm

Sein Fraktionskollege Arnd Rehn widersprach ihm vehement. In den Seewiesen, durch die die Würm fließt, gebe es drei Quellen und einen Brunnen. In früheren Zeiten hätten die Altdorfer aus ihnen ihr Wasser gehabt. Es müsse alles getan werden, um dieses natürliche Reservoir zu erhalten. Außerdem dürfe die Kaltluftschneise nicht zugebaut werden. Und darüber hinaus sei nicht sicher, was der Untergrund biete. Im zweiten Weltkrieg seien nach den Bombenangriffen Schutt und die Überreste dorthin gekarrt worden. Rehn forderte die Verwaltung auf, die Kosten für die Altlastenbeseitigung zu klären. Außerdem lasse der Flächennutzungsplan ein Bauprojekt nicht zu. Er favorisiere vielmehr den Standort Erlachaue. Auch dort könnten die Bewohner durch die freie Natur spazieren, durch einen Kindergarten in der Nähe sei die Stelle ebenfalls belebt und die Anbindung an die Schönbuchbahn sehr gut.

Albrecht Brenner vom Altdorfer Forum hielt die Ausführungen für unangebracht. Die Gemeinde sei an die Bodensee-Wasserversorgung angeschlossen, dadurch sei wohl kaum ein Wassermangel zu befürchten. „Die Brunnen würden durch das Bauprojekt nicht tangiert werden“, meinte Brenner zu wissen. Und das mit der Kaltluftschneise sei „weit hergeholt“. Altdorf liege doch schon in einem ländlichen Gebiet mit frischer Luft, gab ihm der Architekt Goerlich Rückendeckung. „Wir diskutieren nun schon drei Jahre, wo das Heim hinkommen soll“, kritisierte Brenner und sein Mitstreiter im Forum, Hans Haas, unterstrich: „Wir können nicht erst in fünf bis acht Jahren bauen. Wir brauchen das Heim jetzt bald.“

Gute Bewertung auch für die Rappenäcker

Gute Noten bekam in der Analyse der Verwaltung und des Architektenbüros allerdings auch der Standort Rappenäcker. Zum einen, weil weniger Grundstücke gekauft werden müssten als in der Erlachaue. Zum anderen, weil ein Heim dort an einer Straße liegen würde und die Erschließungskosten relativ gering wären. Zudem befinden sich gen Osten Äcker. „Es ist ruhiger als an den anderen Standorten. Außerdem gibt es eine Bushaltstelle in der Nähe. Und einen Ausblick in die Natur hat man dort auch“, sagte Gertrud Göbel. Den Grünzug Seewiesen müsse man „für die Allgemeinheit erhalten“.

„Möglich sind alle diese Standorte“, resümierte der Schultes Erwin Heller. Allerdings sei mit Grundstückskäufen stets ein Zeitrisiko verbunden. Bei einem Bauprojekt in den Seewiesen könne man den Flächennutzungsplan ändern. Bei einem öffentlichen Vorhaben sei das durchaus legitim, erklärte der Rathauschef. Die Gemeinderatssitzung beendete er mit den Worten: „Sie sollten nun alle noch einmal über die Standortfrage nachdenken können.“ Die Entscheidung, wohin das Heim gebaut wird, soll in der nächsten Sitzung am 6. Februar fallen.

In dem Pflegeheim sollen 48 Menschen aufgenommen werden

Bauprojekt:
Die rund 4700 Einwohner zählende Gemeinde ist eine von vier Kommunen im Kreis, die noch kein eigenes Pflegeheim hat. Wenn der Standort feststeht, wird ein Heimträger gesucht, der das Haus baut und betreibt.

Planung
: Der Kreispflegeplan 2020 sieht für Altdorf einen Bedarf an 27 stationären Pflegeplätzen und geht von einer steigenden Nachfrage aus. Deshalb plant die Gemeinde ein Gebäude mit 48 Plätzen. Ein solches lasse sich bei dieser Größenordnung wirtschaftlich betreiben, heißt es von Seiten der Gemeinde. Nach Möglichkeit sollen in dem Gebäude auch Räume für die Diakoniestation sowie eine Begegnungsstätte entstehen. Für das Grundstück werden 3000 Quadratmeter benötigt.

Standorte:
Ein Planungsbüro hat neun mögliche Standorte untersucht. Vier sind nun in der engeren Auswahl, die alle geeignet seien. Favorisiert wird der südwestliche Bereich in den Seewiesen. Wegen möglicher Altlasten wurden dort Bodenproben genommen. Schadstoffe wurden keine gefunden.

Bürgerprotest:
Für den Erhalt der Seewiesen und gegen ein Heim dort kämpft eine Bürgerinitiative, die einen Verein gegründet hat. Ihm gehören 35 Mitglieder an.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: