Der neue Altbacher Bürgermeister Sebastian Flörchinger hat sein Amt angetreten: Er will gestalten und setzt darauf, dass Verwaltung, Gemeinderat und Bevölkerung mitziehen.
Der neue Bürgermeister von Altbach, Sebastian Flörchinger, amtiert ab sofort. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er darüber, wie er sich auf seine künftigen Aufgaben vorbereitet hat – und welche Themen er als erstes anpacken möchte.
Herr Flörchinger, Sie treten Ihr Amt in einer für die Gemeinde Altbach finanziell schwierigen Situation an. Wie gehen Sie damit um?
Die Zeiten werden anspruchsvoller. Für mich ist das aber kein Grund, vor den vor mir liegenden Aufgaben zurückzuschrecken. Ich sehe es als Motivation. Ich will gestalten. Einen Vorteil sehe ich in meinem bisherigen beruflichen Werdegang in der Privatwirtschaft. Das bringt eine andere Denkweise mit sich. Ich stelle mich den Herausforderungen wie beispielsweise der Haushaltslage.
„Ausgaben- und Einnahmendisziplin in den Fokus nehmen“
Haben Sie sich bereits einen genauen Überblick über die allgemeine und die finanzielle Situation in Altbach verschafft?
Ja, direkt nach der Wahl habe ich mich erkundigt und mit Amtsleitern sowie mit weiteren Beschäftigten des Rathauses gesprochen. In der Gemeinderatssitzung am 27. Januar wird der Haushalt analog der vergangenen Jahre mit einem Fehlbetrag eingebracht. Das kann auf Dauer nicht so bleiben. Es müssen verschiedene Themen auf den Prüfstand mit der Frage, ob dies zwingend erforderlich ist oder in einer anderen Form realisiert werden kann. Vielleicht kann die Gemeinde nicht alle ihre bisherigen Angebote in der aktuellen Ausgestaltung aufrechterhalten. Am Ende muss zukünftig ein ausgeglichener Haushalt angestrebt werden – dorthin gelangen wir jedoch nur Schritt für Schritt. Für mich beginnt dieser Weg direkt mit meinem Start. Dabei ist es wichtig, schon im Haushalt 2026 eine klare Ausgaben- und Einnahmedisziplin in den Fokus zu nehmen.
Sie haben es bereits erwähnt, dass Sie bisher bei einem Unternehmen und nicht in der öffentlichen Verwaltung gearbeitet haben. Wie haben Sie sich auf das neue Aufgabenfeld als Bürgermeister vorbereitet?
Ich habe viele Gesetze und Vorschriften gelesen. Außerdem habe ich ein Seminar an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl besucht. Die Fülle an Informationen ist jedoch groß, und entscheidend ist letztlich, wie diese Regelungen in der Praxis angewendet und gelebt werden. Gerade in der Anfangszeit werde ich mich daher auch auf die Erfahrung und Kompetenz der Mitarbeitenden im Rathaus stützen. Ich habe den Eindruck, dass die Verwaltung sehr gut aufgestellt ist und effizient arbeitet. Deswegen habe ich keine Sorgen vor den neuen Aufgaben. Außerdem hoffe ich doch, dass ich zumindest die ersten Tage eine Art Welpenschutz habe (lacht). Es wird sicherlich auch ein „Training on the Job“. Zusammengefasst: Man muss wissen, wo man etwas nachschauen kann und wen man etwas fragen kann. Das ist in einem Großkonzern aber ähnlich. Dort gibt es ebenfalls umfangreiche Regelwerke für die Arbeit.
„Übergabe erfolgte auf Amtsleitungsebene“
Wie lief denn die Übergabe genau ab?
Auf Wunsch des amtierenden Bürgermeisters Martin Funk erfolgte die Übergabe der laufenden Themen zunächst über die Ebene der Amtsleiterinnen und Amtsleiter. Er hat sein Amt auch nach der Wahl bis zu seiner Verabschiedung vollumfänglich weitergeführt. Unmittelbar nach der Wahl habe ich mich dennoch mit einer E-Mail an alle Mitarbeitenden der Gemeinde gewandt. Die eigentliche intensive Einarbeitung ist bewusst erst ab meiner offiziellen Amtseinführung vorgesehen – auch aus Respekt und Wertschätzung gegenüber dem bisherigen Amtsinhaber.
Im Wahlkampf haben Sie betont, nicht an Dingen sparen zu wollen, die Altbach lebenswert machen, also beispielsweise an Vereinen oder Familienangeboten. Lässt sich diese Zusage halten?
Ziel ist es, das Angebot zu erhalten. Gleichzeitig braucht es die Offenheit aller Akteure dafür, die Form der Umsetzung gemeinsam weiterzuentwickeln.
„Es soll nicht nur reagiert werden. Die Themen müssen proaktiv angegangen werden.“
Sebastian Flörchinger, Altbacher Bürgermeister
Wie ist Altbach aufgestellt? Betreten Sie ein bestelltes Feld?
Grundsätzlich ist Altbach gut aufgestellt. Es gibt aber schon Themen, an die man mit höherer Priorität rangehen muss, zum Beispiel der Zustand mancher Gebäude, die der Gemeinde gehören. Wir müssen auch nach der Infrastruktur schauen, dass sie auf dem jetzigen Niveau bleibt oder besser wird. Vieles wird aber nur über Fördertöpfe gehen. Da müssen wir gut vorbereitet und die Ersten sein, um die Fördergelder zu bekommen. Es soll nicht nur reagiert werden. Die Themen müssen proaktiv angegangen werden.
Was sind die „Baustellen“ in Altbach?
Das Bahnhofsareal ist beispielsweise ein Thema, das angegangen werden muss. Vision und Kommunikation sind dabei wichtige Stichworte. Was möchte ich als Gemeinde und wie ist der Weg dahin.
„Richtungsentscheidung über Zukunft des Schulareals“
Was ist das erste große Thema nach der Haushaltsverabschiedung?
Noch vor der Sommerpause möchte ich eine Richtungsentscheidung über die Zukunft des Schulareals gemeinsam mit dem Gemeinderat treffen, Basis hierfür sind die vorliegenden Zustandsgutachten der Gebäude. Die Verkehrssituation, die Elterntaxis, sind ein Problem. Erste Gespräche mit der Verkehrsbehörde des Landratsamts ergaben, dass sich mit einfachen Mitteln etwas verbessern lässt, Details müssen hier noch geklärt werden. Am Ende steht und fällt aber alles mit dem Verhalten der Eltern. Dafür ist die Kommunikation entscheidend.
Die Gewerbesteuer ist ein wichtiges Standbein für den Haushalt der Stadt. Haben Sie schon Kontakt zu den Unternehmen aufgenommen?
Natürlich sind Antrittsbesuche geplant, um in den Dialog zu gehen und zu diskutieren, wo beziehungsweise wie die Gemeinde unterstützen kann. Ich denke, es ist dabei von Vorteil, dass ich viele Jahre als Einkäufer in einem Großkonzern gearbeitet habe. Ich hatte Kontakte zu Mittelständlern, aber auch großen Unternehmen. Wichtig ist mir hierbei, auf Augenhöhe zu sprechen.
Rathaus statt Großkonzern
Vita
Sebastian Flörchinger wohnt in Altbach, ist katholisch, verheiratet und hat zwei Kinder. Der 42-Jährige hat nach eigenen Angaben seit 2008 bei der Mercedes Benz in unterschiedlichen Positionen gearbeitet, zuletzt als Teamleiter im Bereich IT und Digitalisierung. Ehrenamtlich engagiert sich Flörchinger als Zweiter Vorsitzender im Förderverein der Grundschule sowie in weiteren Vereinen Altbachs.
Wahl
Am 19. Oktober 2025 gewann Sebastian Flörchinger mit etwas mehr als 54 Prozent der Stimmen die Bürgermeisterwahl gegen den Amtsinhaber Martin Funk. Die öffentliche Amtseinsetzung erfolgte am vergangenen Dienstag in feierlichem Rahmen in der Gemeindehalle. Die Amtszeit dauert acht Jahre.