Ein Spaziergang durch das Labyrinth soll entspannend und erbaulich wirken. Foto: Horst Rudel

In der Gemeinde Altbach ist unlängst ein Labyrinth eingeweiht worden. Dieses soll insbesondere Senioren Bewegungsspaß vermitteln und gleichzeitig deren Konzentrationsfähigkeit und Erinnerungsvermögen schulen.

Altbach - Wer seine Konzentrationsfähigkeit und sein Erinnerungsvermögen schulen, zu innerer Ruhe und Entspannung finden und gleichzeitig etwas für seine Gesundheit tun möchte, ist im Heinrich-Mayer-Park in Altbach goldrichtig. Dort ist unlängst ein Labyrinth eingeweiht worden, das insbesondere Senioren zur Bewegung im Freien einlädt und positiv auf Körper und Geist wirken soll.

Wie der Altbacher Bürgermeister Wolfgang Benignus erklärt, ist das Projekt aus den montäglichen B.U.S. (Bewegung-Unterhaltung-Spaß)-Treffen für ältere Menschen entstanden. Auf dem Marktplatz fänden sich jedes Mal 70 bis 80 Senioren ein. „Egal, ob es regnet, schneit oder stürmt“, sagt Wolfgang Benignus. Zunächst sei angedacht gewesen, diesen Menschen zusätzlich ein fest installiertes Angebot in Form eines Fitnessparks zu bieten. Diese Idee habe sich unter anderem aus Kostengründen zerschlagen. Zudem hätten die Senioren an den einzelnen Geräten angeleitet werden müssen.

Weglänge von 400 Meter

Beim Labyrinth, für dessen Kosten von rund 7000 Euro der Verein Altenhilfe Plochingen, Altbach, Deizisau aufkomme, ist das anders. Der Parcours mit einer Weglänge von gut 400 Metern und sieben Gängen kann von jedermann auf eigene Faust erkundet werden. Jeder muss seinen Rhythmus selbst finden – wie im richtigen Leben.

Nicht umsonst gilt das Labyrinth als uraltes Symbol für den Lebensweg. In der Mitte des Rondells mit einem Durchmesser von 18 Metern hat die Gemeinde einen Ginkgo gepflanzt. Aus gutem Grund, gilt er doch als der Baum, der Kraft spendet und das Leben verlängert. Die ältesten Labyrinthe, die entdeckt wurden, stammen aus Griechenland und sind mehr als 3000 Jahre alt. Sie waren aber fast überall auf der Welt verbreitet und wurden für unterschiedlichste Zwecke genutzt. Beispielsweise wurden bei religiösen Zeremonien rituelle Reigen durch Labyrinthe getanzt.

In der Altenhilfe wird schon seit einigen Jahren der diagnostische und therapeutische Effekt des Labyrinths genutzt. So hat der Diplom-Sozialpädagoge Franz Miller schon im Jahr 2003 seine Erfahrungen dokumentiert, die er im Rahmen eines Labyrinthprojekts in der Tagespflege altersverwirrter Senioren beim Arbeiter-Samariter-Bund in Augsburg gemacht hat. Das selbstständige Gehen oder Geführtwerden durch das Labyrinth wirke sich positiv auf die älteren Menschen aus – sowohl auf deren Körper als auch auf ihren Geist. Es diene dazu, die Mobilität der Senioren zu erhalten und ihre Flexibilität zu steigern. Zudem habe die Bewegung, verbunden mit der Konzentration auf den richtigen Weg, eine beruhigende Wirkung.

Verbesserung des Kurzzeitgedächtnisses

Für altersverwirrte Menschen seien Angst und Unsicherheit elementare Lebensgefühle. Das Gehen im Labyrinth mit seiner strengen und klaren Ordnung wirke dem entgegen. Denn bei genauerem Hinsehen entpuppe sich das vermeintliche Durcheinander von Wegen als die mathematische Struktur dieses Ursymbols.

Zudem hätten die Therapeuten laut Franz Miller festgestellt, dass sich das Kurzzeitgedächtnis der Demenzpatienten durch die Übungen verbessert habe. Und mit jeder Begehung sei deren Selbstständigkeit gefördert worden. Freilich sei Denken nicht erforderlich, um durch das Labyrinth zu gehen, schreibt Franz Miller. Aber es erfordere eine große Aufmerksamkeit, um auf dem Weg zu bleiben. Daraus resultiere eine Kombination von „reduzierter mentaler Erregung und erhöhter Bewusstheit dessen, was man gerade tut“. Das mache das Labyrinth zu einem idealen Ort der Meditation und Entspannung.

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