In Altbach (Kreis Esslingen) gibt es noch offene Plätze in den Kinderbetreuungseinrichtungen – und gleichzeitig ein millionenschwerer Neubau. War die Investition wirklich nötig?
Stolze 7,7 Millionen Euro steckt die Gemeinde in ihr neues Kinderhaus „Mosaik“. Für den 6400-Einwohner-Ort ist das ein finanzieller Kraftakt. Dafür erhält sie ein neues Gebäude, in welchem Raum für zwei Krippen- und zwei Kindergartengruppen mit insgesamt rund 70 Kindern sein wird. Im September soll der Betrieb losgehen. Angesichts der nun präsentierten Zahlen stand während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates jedoch die Frage im Raum, ob der Neubau eines großen Kinderhauses für mehrere Millionen Euro tatsächlich so dringend notwendig war.
„Wir hatten andere Prognosen“, erinnerte die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Barth während der Präsentation der aktuellen Zahlen zur Belegung der Plätze in den Altbacher Kinderbetreuungseinrichtungen. Wiederholt habe sie in der Vergangenheit nach den Belegungszahlen gefragt, von der Gemeindeverwaltung aber keine Antwort erhalten, klagte die Gemeinderätin. Bisher sei stets angekündigt worden, dass die vorhandenen Plätze nicht ausreichten. Dass es mehrere freie Betreuungsplätze in den bestehenden Einrichtungen gebe, das habe man dem Gemeinderat bislang nicht mitgeteilt, so Barth.
Teil des neuen Kinderhauses bleibt leer
Der Betrieb im Kinderhaus Mosaik soll zunächst mit einer, vielleicht mit zwei Gruppen beginnen, erklärte die zuständige Mitarbeiterin für Schul- und Kindergartenwesen auf dem Altbacher Rathaus Martina Grasser. Ein Teil des neuen Kinderhauses wird also erst einmal leer stehen. „Es war schon immer klar, dass wir nicht direkt mit vier Gruppen starten, sondern die Einrichtung sukzessive aufbauen“, sagt sie. Anfang des Jahres 2027 könnte dann eine weitere Gruppe dazukommen. Vielleicht könnte zwischenzeitlich eine Gruppe aus dem Kinderhaus Vogelwiesen ins Mosaik ausgelagert werden, überlegte Grasser. Das würde die räumliche Situation im Haus Vogelwiesen entspannen.
Die Rathausmitarbeiterin betont weiterhin die Notwendigkeit des Kindergartenneubaus auf dem Grundstück der Alten Schule. Es gebe nur sehr wenige freie Kindergartenplätze in der Gemeinde. Mitte des Jahres 2026 werde es noch drei reguläre und neun freie Notplätze geben. Notplätze sind normale Betreuungsplätze, die aber für unvorhergesehene Bedarfe, beispielsweise bei einem Zuzug eines Kindergartenkindes, vorgehalten werden. Ferner würden acht Altbacher Kinder bis August 2026 im Kinderhaus Himmelblau in Deizisau betreut, so Grasser weiter.
Nachfrage nach Krippenplätzen stark eingebrochen in Altbach
Anders sei die Lage bei den Krippenplätzen für Ein- bis Dreijährige. Im Krippenbereich sei die Nachfrage im vergangenen Jahr stark eingebrochen, erklärt Grasser. „Wir vermuten, dass hier auch die aktuelle wirtschaftliche Lage eine Rolle spielt. Frauen haben es aktuell schwerer in ihren Beruf zurückzukehren beziehungsweise eine neue Arbeitsstelle zu finden“, meint die Fachfrau des Rathauses.
Hinzu komme ein überraschender bundesweiter Rückgang bei den Geburtenzahlen, der zu einem verringerten Bedarf im Krippenbereich führt (und in der Folge dann auch im Kindergartenbereich ankommt). Ferner habe sich das Anmeldeverhalten der Eltern verändert. „Viele Jahre wollten die Eltern bereits ab dem ersten Lebensjahr einen Platz. Aktuell geht der Trend dahin, die Kinder erst ab dem zweiten Lebensjahr für einen Krippenplatz anzumelden“, erklärt Grasser. Mitte des Jahres 2026 seien vor diesem Hintergrund zehn von 30 Krippenplätzen nicht belegt.