In den vergangenen 50 Jahren spiegelte die Geschichte Altbachs eine Entwicklung wider, die viele Kommunen entlang des Neckartals östlich von Stuttgart erfuhren. Mehr Menschen, mehr Industrie, mehr Verkehr und ein wachsender Anspruch der Einwohnerschaft bei gleichzeitig schrumpfendem finanziellem Spielraum stellen die Gemeinde vor große Herausforderungen.
Es gibt viel zu tun. Der stetige Wandel begleitet Altbach nicht erst seit 50 Jahren. Schon zuvor und bis heute verändert sich die Gemeinde in rasender Geschwindigkeit. Wie mit dem Durchgangsverkehr im Ortskern umgegangen werden soll, ist eine der brennenden Fragen der Gegenwart, ebenso wie die Zukunft des Areals der ehemaligen neuapostolischen Kirche aussieht. Fest steht dagegen, dass die Alte Schule zu einem Kinderhaus umgebaut und die Feuerwache aufgestockt wird.
Die Einwohnerzahl wächst Laut Zensus 2011 leben knapp 6400 Menschen im Ort. Im Jahr 1973 waren es laut Statistischem Landesamt noch 5580 Einwohner – ein Zuwachs von fast 15 Prozent. Die Gemeinde Altbach ist damit ähnlich gewachsen wie das Land Baden-Württemberg. Die Einwohnerzahl betrug zu Beginn des Jahres 1973 in Baden-Württemberg knapp 9,2 Millionen. Seither hat sich deren Zahl um etwa ein Fünftel auf derzeit rund 11,2 Millionen Menschen erhöht.
Neuer Wohnraum Die wachsende Zahl der Menschen im Land zwingt die örtlichen Verwaltungen bis heute, immer neue Wohngebiete auszuweisen. Während bis zum Ende der 50er Jahre vor allem die Städte durch Zuzüge wuchsen, waren es danach die Umlandgemeinden. Immer mehr Menschen konnten sich den Wunsch nach einem Eigenheim mit mehr Wohnfläche und einem Garten erfüllen. Gleichzeitig stieg die Mobilität, auch durch den Ausbau des ÖPNV. Erst nach der Jahrtausendwende zog es wieder mehr Menschen in die größeren Städte, wobei dieser Trend in der jüngeren Vergangenheit aufgrund der explodierenden Preise und einer hohen Verkehrsbelastung wieder beendet zu sein scheint.
In Altbach wurde zuletzt Ende 2018 mit dem Areal „Losburg“ ein Neubaugebiet für 65 bis 70 Wohneinheiten mit 300 bis 350 Einwohnern ausgewiesen. Inzwischen ist das Gelände am Hang fast vollständig bebaut. Und während in vielen anderen Städten Neubauprojekte aufgrund des immer knapper werdenden Platzes nur noch mit großen Mehrfamilienhäusern möglich zu sein scheinen, wurde in Altbach auch Baugrund für Einfamilienhäuser angeboten. In der näheren Zukunft sollen neue Wohngebäude im Westen der Gemeinde Richtung Zell ermöglicht werden.
B 10, Autobahn, S-Bahn und Flughafen vor der Haustüre Attraktiv ist Altbach als Wohnort unter anderem wegen seiner Verkehrsanbindung. Über die Bundesstraße 10 sind Berufspendler mit dem Auto, eine günstige Verkehrslage vorausgesetzt, in wenigen Minuten in einer der zahlreichen Unternehmen, die sich entlang des Neckars und der Fils angesiedelt haben. Wer weiter weg muss, hat es außerdem nicht weit bis auf die Autobahn oder den Flughafen. Wobei letzterer für viele Altbacher wegen des Lärms der Flugzeuge wohl eher Fluch als Segen ist. Auch die Bahnlinie und die B 10 im Neckartal sorgen in Verbindung mit der Hanglage für eine erhebliche Lärmbelastung. Die S-Bahn bietet ebenfalls eine zuverlässige Verbindung im Nahverkehr. Und mit dem Peoplemover gibt es am Altbacher Bahnhof eine technisch anspruchsvolle Rarität zu bewundern, die manchmal aber wegen Störungen oder den Hinterlassenschaften von Wildpinklern nicht zu benutzen ist.
Industrie und Gewerbe Viele Arbeitsplätze gibt es in Altbach vor allem auf der Neckarinsel im Süden der Gemarkung. Auch dort sind viele Landwirtschaftsflächen in den vergangenen fünfzig Jahren einer Bebauung gewichen. Weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus ist das Kraftwerk mit seinen mehr als 250 Meter hohen Schornsteinen bekannt, die als markante Landschaftsmerkmale auch von Weitem eine Orientierung ermöglichen.
Besondere Orte Mit viel historischer Bausubstanz ist die Gemeinde Altbach nicht gesegnet. Die Ulrichskirche im Ortskern stellt allerdings eine Ausnahme dar. Eine Kapelle soll es an der jetzigen Stelle schon seit dem Mittelalter gegeben haben. Sie wurde immer wieder umgebaut und erweitert. Namensgeber ist der Heilige Ulrich, der im 10. Jahrhundert Bischof von Augsburg war.
Darüber hinaus hat das alte Jagdschloss an der Esslinger Straße eine spannende Geschichte. Ursprünglich stand es auf dem Schurwald. Es war das Jagdschloss des ehemaligen Wildparks Hohengehren. Es wurde im Jahr 1839 von Altbach erworben, abgebaut und als Rathaus im selben Jahr wieder aufgebaut. Viele Jahre diente es als Rathaus. Heute weiß die Gemeinde allerdings nicht so recht, was sie mit dem architektonisch zwar herausragenden, aber umfassend sanierungsbedürftigen Gebäude anfangen soll. Es soll verkauft werden.
Wichtiger für die Gegenwart sind jedoch Einrichtungen wie das Hallenbad, die Bibliothek, die Grundschule, die Sportplätze und -halle und die Gemeindehalle.
Rund um die Serie
Motto
Die Stadtteil- und Kreisserie der Eßlinger Zeitung steht in diesem Jahr ganz im Zeichen des Landkreisjubiläums. Der Landkreis wird 50 Jahre alt.
Inhalte
Die Serie beleuchtet, wie sich die jeweiligen Orte in den vergangenen 50 Jahren entwickelt haben. Dabei wird sich zeigen, wie vielseitig die Kommunen im Kreis sind. Schon allein geografisch, da sich das Gebiet von den Fildern übers Neckartal bis hinauf auf den Schurwald erstreckt. Die Serie blickt nicht nur zurück auf die vergangenen fünf Jahrzehnte, sondern betrachtet auch die Gegenwart. Auch, dass jede Kommune mit eigenen Herausforderungen zu kämpfen hat, wird eine Rolle spielen.
Folgen
Die Serie wird bis zum 19. Juli erscheinen. Insgesamt gibt es 23 Teile, die mittwochs und freitags erscheinen. Nächste Folge: die Esslinger Innenstadt.