Wenn die Villa Berg wie erhofft von der Stadt erworben werden kann, soll sie laut Baubürgermeister Matthias Hahn saniert werden. Der Sendesaal könnte für Konzerte genutzt werden. Foto: Leif Piechowski

Baubürgermeister Hahn schließt eine Nutzung des Sendesaals der Villa Berg als Konzertort nicht aus.

Stuttgart - Baubürgermeister Matthias Hahn schließt eine künftige Nutzung des Sendesaals der Villa Berg als Konzertort nicht aus, sollte die ehemalige königliche Residenz wie erwünscht bald der Stadt gehören. Die Konzertveranstalter brauchen dringend einen Saal in dieser Größe.

Baubürgermeister Matthias Hahn und Finanzbürgermeister Michael Föll nahmen bei der Veranstaltung Stuttgarter Nachrichten Mittendrin zur Zukunft der Villa Berg am 8. Mai kein Blatt vor den Mund. Sie skizzierten ein Szenario, das den Investor Mathias Düsterdick von der Property Development Investors GmbH (PDI) erzürnte: Demnach verweigert der Gemeinderat der PDI das Planungsrecht für den geplanten Wohnungsbau im Park der Villa Berg, die PDI tritt daraufhin vom Kaufvertrag zurück, danach bietet der Insolvenzverwalter der Stadt das Areal zu einem günstigeren Preis an.

Hahn sicherte zudem zu, in diesem Fall die Villa zu sanieren und den Park zu renaturieren. Zwar fehlt immer noch ein Konzept, doch eine Zuhörerin regte an, wieder Konzerte in der Villa zu veranstalten. Was angesichts fehlender Konzertsäle in Stuttgart auch für den Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost, Martin Körner, „Charme“ hätte.

Nach Wegfall der Röhre ist ein neuer Saal besonders begehrt

Für die Konzertveranstalter hat die Idee nicht nur Charme, sondern für sie ist ihre Umsetzung geradezu existenziell. „Ich bin der Erste, der hier schreit“, sagt Christian Doll, Geschäftsführer der Konzertagentur C2 Concerts. Zumal die Röhre durch den Bau von Stuttgart 21 Anfang des Jahres schließen musste. „Seitdem haben wir in Stuttgart nichts mehr in der Größe“, so Doll. Er habe – wie alle großen Stuttgarter Veranstalter – bis 2005 Konzerte in dem Sendesaal veranstaltet, der damals noch dem SWR gehörte. Und zwar gern. Denn in dem Saal, der bestuhlt 300 und unbestuhlt rund 600 Plätze bietet, könne man „sowohl Pop- und Rockkonzerte als auch gediegenere Konzerte, etwa von Singern/Songwritern“ veranstalten.

Auch Paul Woog, Geschäftsführer der Konzertdirektion SKS Russ, ist sehr angetan von der Idee, den Sendesaal bespielen zu können. Ihn interessiert allerdings besonders die unbestuhlte Variante. „Einen Saal mit einer Kapazität über 500 brauchen wir besonders nach dem Wegfall der Röhre dringend“, sagt er. Deshalb sieht er die Nutzung des Saals eher als Rockclub denn als hochwertigen Konzertsaal. „Die gibt es schon“, sagt er. Für die kleineren Konzerte hingegen suche man derzeit händeringend nach Veranstaltungsorten. „Wir müssen nun ins Zapata ausweichen oder ins Universum – dort aber ist die Bühne sehr niedrig und nicht für alle Bands geeignet“, so Woog. Das LKA sei bereits jetzt bis auf ein paar wenige Termine bis zum Jahresende ausgebucht. Zudem, sagt Christian Doll, sei die Röhre der einzige Club gewesen, vor dem ein Tourbus parken durfte. „Das ist für manche Produktionen einfach unerlässlich“, sagt er.

Hans-Peter Haag, Geschäftsführer der Konzertagentur Music Circus, sieht wiederum keine Rock- und Popkonzerte im ehemaligen SWR-Sendesaal, sondern „eher solidere Sachen“. Begeistert aber ist auch er von der Idee, den Saal wieder nutzen zu können.

„Die Atmosphäre dort ist besonders schön“

Er erinnert sich noch gut an das letzte Konzert, das dort stattfand – und das er veranstaltete: mit dem amerikanischen Sänger Richard Marx. Das war der bisherige Abschluss einer Reihe von Jazz-, Pop- und Rockkonzerten in der Villa Berg. „Die Atmosphäre dort ist besonders schön“, so Haag, „der denkmalgeschützte Konzertsaal aus den 1950er Jahren unterscheidet sich von allen anderen in der Stadt.“ Auch Woog und Doll bestätigen, dass es „ein besonderes Erlebnis ist, an diesem Ort Konzerte zu veranstalten“. Optimal sei, dass der Raum leicht ansteige, und somit von allen Plätzen aus gute Sicht auf die Bühne gewährleistet sei. Deshalb denken sie auch, dass der Sendesaal als Konzertsaal vom Publikum angenommen werde – obschon er nicht in direkter Innenstadtlage beherbergt sei.

Konsequenzen aus der ungenügenden In­frastruktur muss Paul Woog bereits heute ziehen: Mit einigen Konzerten muss er in die Peripherie von Stuttgart ausweichen, etwa nach Ludwigsburg oder gar nach Karlsruhe. Das schade der Kulturlandschaft der Landeshauptstadt nachhaltig.

Geld ist erwünscht

Was also hindert die Stadt, den Sendesaal zu sanieren und für Konzertveranstaltungen freizugeben? „Zunächst muss das Gelände erst einmal der Stadt gehören, das heißt, der Investor muss von seinem Rücktrittsrecht Gebrauch machen“, sagt Baubürgermeister Matthias Hahn. „Dann aber ist eine Nutzung des Sendesaals als Konzertsaal nicht auszuschließen.“ Zu wissen, dass die Konzertveranstalter großes Interesse an dem Sendesaal haben, „eröffne neue Spielräume“. „Interessenten sind mir hochwillkommen, ich setze mich gern mit ihnen an einen Tisch – allerdings sollten sie etwas Geld mitbringen“, so Hahn.

Zwei Interessenten, die eine Nutzung für Kultur und Gastronomie im Auge hätten, gibt es laut Hahn bereits. Einer habe sich nach der Veranstaltung Stuttgarter Nachrichten Mittendrin bei ihm gemeldet. Namen nennen will und darf er allerdings noch nicht. „Das ist längst noch nicht spruchreif, aber die beiden sind durchaus ernst zu nehmen“, sagt Hahn.

Nun will Hahn sich demnächst aber erst noch einmal mit Mathias Düsterdick treffen. „Vielleicht hat er ja auch noch andere Ideen“, so Hahn.

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