Familienbande: Gabriele Schäfer mit Falk Stiepel und Tochter Vanessa inmitten ihrer Alpakaherde. Lama Udo bereichert seit kurzem die Gruppe. Fotos: Elke Hauptmann Foto:  

2005 hat Gabriele Schäfer auf dem Landwirtschaftlichen Hauptfest zum ersten Mal Alpakas gesehen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Seither züchtet sie am Fuße des Württembergs die Tiere.

Untertürkheim - Linus läuft unermüdlich am Zaun auf und ab. Die Mädels auf der anderen Seite lässt er dabei nicht aus den Augen. Doch Nelly, Maya, Peppine und die anderen Anden-Schönheiten nehmen von ihm keinerlei Notiz. Was Linus sichtlich verärgert. Immer wieder bringt er sich hinter dem Gitter aufmerksamkeitsheischend in Pose. „Das ist typisches Imponiergehabe“, sagt Gabriele Schäfer lachend. „Er ist eben ein richtiger Macho.“

Linus ist ein bildhübscher Kerl mit dunklen Knopfaugen und Gardemaß. Einer, der schon mehrere Wettbewerbe gewonnen hat. Kein Wunder also, dass der schneeweiße Alpaka-Mann Schäfers bester Zuchthengst ist. Und sehr gefragt. Gerade erst hat sie ihn an die Wilhelma ausgeliehen, weil dort Nachwuchs erwünscht ist – auf der Südamerikaanlage des zoologisch-botanischen Gartens lebt eine reine Stuten-Gruppe. Es war übrigens nicht Linus’ erster Besuch dieser Frauen-WG.

Mit einer eigenen Zucht zwischen Schrebergärten und Streuobstwiesen am Fuße des Württembergs in Untertürkheim hat sich die Nebenerwerbslandwirtin einen Lebenstraum erfüllt. 2005 fing alles an. Nein, nicht aus einem Urlaubsgefühl heraus, gibt Gabriele Schäfer freimütig zu. „In den Anden war ich noch nie.“ Vielmehr habe sie damals auf dem Landwirtschaftlichen Hauptfest in Stuttgart zum ersten Mal Alpakas gesehen. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Augenzwinkernd fügt sie hinzu: „Es heißt nicht umsonst: Schau’ einem Alpaka nicht zu tief in die Augen, du könntest dich verlieben.“ Nur wenig später kaufte sie, die hauptberuflich einen Bürojob bei der Telekom hat, drei tragende Stuten. Es war der Beginn der Zucht ihrer „Württemberg Alpakas“, die sie „nur in gute Hände“ abgibt – und auch nur in eine Gruppe mit mindestens drei Artgenossen. „Alpakas sind Herdentiere.“

Fellfarbe ist immer eine Überraschung

Linus kam 2009 zur Welt – und blieb nicht der einzige Prachthengst. Auch der hellbraune Gomez, Jahrgang 2011, hat schon für Nachwuchs gesorgt. Im Schnitt kommen laut Schäfer drei bis vier Fohlen pro Jahr auf der Ranch neben der TBU-Sportanlage zur Welt. Ein Weibchen bringt nach 345 bis 365 Tagen ein Jungtier zur Welt, welches dann sechs bis acht Monate gesäugt wird. Welche Fellfarbe die Tiere haben werden, das sei übrigens jedes Mal eine Überraschung. „Ursprünglich wurden Alpakas in Südamerika vor allem in Weiß gezüchtet“, berichtet die Untertürkheimerin. Mittlerweile haben sich 21 weitere Farbtöne – Schwarz, Braun, Grau und Beige in allen Nuancen – herausgebildet. „Derzeit sind gefleckte Tiere sehr gefragt.“

Ob eine Stute trächtig ist, lässt sich schnell herausfinden: „Dann spukt sie, wenn ein Hengst zu aufdringlich wird.“ Ansonsten seien Alpakas sehr soziale Tiere, räumt Schäfer mit einem Klischee auf: „Das Spucken kommt gewöhnlich nur unter Artgenossen vor. Menschen sind nur dann betroffen, wenn die Tiere falsch erzogen wurden. Oder wenn man sie zu sehr ärgert oder erschreckt.“ Am besten sollte man sich ihnen ruhig von der Seite her nähern, sanftes Streicheln am Hals ist erlaubt.

Auch ein Lama gehört zur Gruppe

Aktuell kümmert sich Gabriele Schäfer gemeinsam mit ihrem Partner Falk Stiepel und ihrer Tochter Vanessa um mehrere Dutzend Alpakas. Das Jüngste, Erwin, ist gerade mal sechs Wochen alt. Zur Gruppe gehört aber ebenso Udo, das Lama. „Der bringt Ruhe rein. Vor dem Großen haben alle Respekt“, sagt Schäfer. Udo war ein Geburtstagsgeschenk für Vanessa. Die angehende Erzieherin will künftig längere Trekkingtouren unternehmen – Lamas sind, im Gegensatz zu Alpakas, gute Lastenträger. „Demnächst“, verrät Gabriele Schäfer, soll ein zweites Tier die Herde bereichern. Denn die Wanderungen, die Familie Schäfer mit ihren Tieren in den Weinbergen rund um die Grabkapelle anbietet, finden immer mehr Zuspruch. „Es sind einfach wunderbare, sanftmütige Tiere, die einen allen Stress vergessen lassen“, erklärt Gabriele Schäfer, warum Alpakas voll im Trend liegen.

Ursprünglich wurden die Nutztiere in Anden-Ländern wie Peru vor allem wegen ihrer aus dem langen, weichen Fell gewonnenen Wolle gezüchtet. Einmal im Jahr werden auch die „Württemberg Alpakas“ geschoren. Ein Tier gibt bis zu sechs Kilogramm weiches Vlies pro Jahr ab. Im kleinen Hofladen der Schäfers werden einige Produkte aus Alpaka-Wolle und Alpaka-Keratin angeboten, zum Beispiel verschiedene Seifen.

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