Der Rassismus, der sich in Gewalt äußert, ist für viele als solcher zu erkennen. Es gibt aber auch noch eine andere Form für Rassismus, die nicht von allen erkannt wird. (Symbolbild) Foto: dpa

Rassismus, der sich in Gewalt oder verbalen Attacken und klaren Beleidigungen äußert, wird von vielen auch als solcher wahrgenommen. Es existiert aber auch noch eine andere Form von Rassismus, die eher unbewusst geschieht. Die Wirkung bleibt jedoch dieselbe: Ausgrenzung.

Stuttgart - Wenn in Chemnitz Neonazis auf offener Straße ihren rechten Arm in die Luft recken und Menschen mit einer anderen Hautfarbe verbal oder physisch attackiert werden, dann zeugt dies von nichts anderem als purem Rassismus. Das ist zumindest den meisten Menschen bewusst. Vielen ist jedoch nicht bewusst, dass auch noch eine andere, eine latente Form von Rassismus in Deutschland existiert. Es ist eine Art Diskriminierung zwischen den Zeilen – im Vergleich zum offen ausgetragenen Rassismus, der durch klare Beschimpfungen, Erniedrigungen sowie Gewalt deutlich wird.

Der unbewusste Rassismus

Viele Menschen mit einer anderen Hautfarbe erleben kleinere und größere Diskriminierungen im alltäglichen Leben, den sogenannten Alltagsrassismus. Dieser wird auch von Menschen bedient, die sich für nicht-rassistisch, aufgeklärt und unvoreingenommen halten.

„Wo kommst du eigentlich her?“

Ein typisches Beispiel für Alltagsrassismus ist die Frage „Wo kommst du eigentlich her?“. Denn dadurch wird dem Gegenüber suggeriert: „Du gehörst hier nicht dazu. Du bist kein Teil dieser Gesellschaft.“ Dieses Urteil basiert allein auf dem Aussehen des Anderen. Als weiteres Beispiel lässt sich nennen, wenn ein Kind mit guten Noten von Lehrern keine Gymnasiumempfehlung bekommt, nur weil es aus einer Familie mit ausländischen Wurzeln stammt.

Auch bei Aussagen wie „Sie sprechen aber gut Deutsch“ wird dem anderen aufgrund seines Aussehens oder Namens eine bestimmte Fähigkeit abgesprochen. Alltagsrassismus geschieht meist unbewusst und wird von denen, die ihn ausüben erst einmal gar nicht als rassistisch oder diskriminierend wahrgenommen. Dahinter steckt auch nicht immer eine böswillige Absicht. Die Wirkung ist jedoch immer dieselbe: Ausgrenzung.

#metwo und die Relativierung von Erfahrungen mit Rassismus

Zuletzt erreichte das Thema Alltagsrassismus eine große Öffentlichkeit, als auf der Internetplattform Twitter unter dem Hashtag #metwo tausende Menschen ihre alltäglichen Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus in Deutschland schilderten. Die Reaktionen darauf waren unterschiedlich. Viele zeigten sich schockiert oder verständnisvoll. Jedoch war es auch oft der Fall, dass den Betroffenen ihre Erfahrungen mit rassistischen Ressentiments abgesprochen und mit Aussagen wie „So schlimm ist es aber auch nicht“ relativiert und nichtig gemacht wurden. „Wir alle tun uns schwer dabei, einzugestehen, dass wir Vorurteile gegenüber anderen Gruppen hegen“, erklärt Gari Pavkovic, der Integrationsbeauftragte der Stadt Stuttgart, dieses Verhalten.

Kultur lebt vom Austausch

Deswegen sei eine vorurteilsbewusste Erziehung und Bildung wichtig. „Wir müssen erkennen, woher unsere Vorurteile kommen, ob sie zum Beispiel auf generalisierten Einzelerfahrungen beruhen oder ob es etwas ist, was ich einfach aus einer Stimmung heraus nachplappere“, meint Pavkovic. „Außerdem hat man besonders Stereotypen gegenüber den Gruppen, mit denen man im Alltag nicht viel Kontakt hat. Deswegen unterstützen wir, die Stadt Stuttgart, den interkulturellen Austausch. Dabei entsteht die Möglichkeit, dass sich Menschen aus verschiedenen Kulturen kennenlernen und dadurch potenzielle Vorurteile abgebaut werden“, erzählt der Integrationsbeauftragte. „Außerdem sollten wir uns mehr auf unsere gemeinsame Gegenwart und Zukunft konzentrieren und nicht nach der Herkunft fragen, sondern danach, was uns verbindet. Wir dürfen nicht vergessen, dass eine Kultur immer von Austausch lebt und sich weiterentwickelt“, so Gari Pavkovic.

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