Ende 2024 soll der Allianz-Park in Betrieb genommen werden, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden Mitte 2025 umziehen. Foto: Jürgen Brand

Der Allianz-Park in Stuttgart-Vaihingen liegt trotz Lieferkettenproblemen und der aktuellen weltwirtschaftlichen und -politischen Dauerkrise sogar ein kleines bisschen vor dem Zeitplan. Für ein Großprojekt dieser Art ist das geradezu ungewöhnlich.

Die zehnte Etage an der Heßbrühlstraße in Stuttgart-Vaihingen ist in diesen kalten Wintertagen eine Herausforderung. Dort ganz oben auf dem immer weiter wachsenden Allianz-Hochhaus sind die Bauarbeiter dick eingepackt, verlegen Stahlbewehrungen, bringen Verschalungen an, betonieren. Es ist einfach zu kalt, um die Aussicht zu genießen. Und schließlich fehlen noch ein paar Stockwerke, 17 sollen es werden. Bis minus 8 Grad können sie betonieren, aber so kalt war der Winter bisher tagsüber noch nicht. Fünf Wochen dauert es, bis eine Etage fertig ist. Im Sommer soll Richtfest gefeiert werden.

 

Viele Allianz-Beschäftigte arbeiten inzwischen regelmäßig im Homeoffice

Das Bauprojekt Allianz-Park ist anspruchsvoll und riesig – muss aber damit leben, nur Zweiter in Rankings zu sein. Die Baustelle ist die zweitgrößte in der Landeshauptstadt Stuttgart, an Stuttgart 21 kommt sie nicht heran. Dafür sind die Bauarbeiten in Vaihingen deutlich unumstrittener, schneller, und der Kostenrahmen wird auch eingehalten. Der Allianz-Park wird künftig auch der zweitgrößte Standort des Versicherungskonzerns in Deutschland sein. Er soll 2025 die bisherigen Betriebsstätten an der Reinsburgstraße und der Uhlandstraße in der Stuttgarter Innenstadt ersetzen. Dort sind bisher 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Ganz so viele Arbeitsplätze wird es in den Neubauten nicht geben, hat die Coronapandemie die Arbeitswelt doch verändert, viele Allianz-Beschäftigte arbeiten inzwischen regelmäßig im Homeoffice.

Thomas Lutz ist Gesamtprojektleiter und muss bei seinen regelmäßigen Baustellenrundgängen von ganz unten bis ganz oben aufpassen, dass er vor allem in den schon fortgeschrittenen unterirdischen Bauteilen nicht die Orientierung verliert. Der 54-jährige Bau- und Wirtschaftsingenieur ist seit 2009 bei der Allianz beschäftigt, seit 2020 beansprucht ihn sein bisher größtes Projekt voll und ganz. Auch, weil das Neubauprojekt in einer weltwirtschaftlichen und -politischen Dauerkrise entsteht. Erst kam Corona, dann der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Das hat auch in Vaihingen immer wieder zu Unwägbarkeiten geführt.

Zeitweilig war unklar, ob noch genügend Stahl geliefert werden kann

Die Lieferkettenprobleme hätten auch dieses Bauprojekt betroffen, erzählt der gebürtige Augsburger. Es habe eine Phase gegeben, in der unklar gewesen sei, ob in der übernächsten Woche noch genügend Stahl geliefert werden könne. Die bei dem Projekt zusammenarbeitenden Baukonzerne seien allerdings weltweit tätig und hätten entsprechend agieren können. Auch deswegen ist der Rohbau in Vaihingen sogar ein kleines bisschen vor dem Zeitplan.

Der erste Spatenstich auf dem Baufeld in der Nähe des Vaihinger Bahnhofs war am 16. September 2021. Gleich danach wurde die Baugrube ausgehoben. Sie musste ziemlich tief werden, weil wichtige Bauteile unterirdisch sind, zum Beispiel die 45 Meter lange, 27 Meter breite und ziemlich hohe Dreifeldsporthalle. Oder die Logistikfläche für die komplette Anlieferung, in der auch Sattelschlepper wenden können. Die Tiefgarage wird mehrere hundert Plätze haben, Platz für zwei Blockheizkraftwerke gibt es auch.

Der neue Allianz-Gebäudekomplex wird aus drei unterirdisch verbundenen Gebäudeteilen bestehen, dem Hochhaus mit 17 Stockwerken sowie zwei weiteren Solitären mit jeweils sechs Etagen. Der Zugang zu allen drei Gebäuden wird über eine zentrale Plaza erfolgen, die von einer großen Glaskuppel überdeckt sein wird. Neben den Blockheizkraftwerken werden unter anderem große Photovoltaikanlagen viel Energie produzieren, die durchgängige Betonkernaktivierung soll den Energieverbrauch deutlich niedriger halten als in vergleichbaren herkömmlichen Bürogebäuden. Auch deswegen wird der Allianz-Park von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit Platin zertifiziert. Das ist die höchstmögliche DGNB-Auszeichnung und berücksichtigt den kompletten Lebenszyklus des Gebäudes, den Standort, die verwendete Technik und die dort ablaufenden Prozesse bis hin zu soziokulturellen Aspekten.

Ende 2024 soll der Allianz-Park in Betrieb genommen werden

Bis in den neuen Büroräumen in Vaihingen tatsächlich über Versicherungsfragen aller Art nachgedacht werden kann, haben die aktuell rund 220 Bauarbeiter noch eine ganze Menge zu tun. Während unterirdisch schon die ersten Wände geweißelt sind, fließt oben noch Beton aus den Betonpumpen. Und während oben eine Verschalung nach der anderen montiert und später wieder demontiert wird, beginnen unten schon die Arbeiten an der Fassade. Ende 2024 soll der Allianz-Park in Betrieb genommen werden. Die Umzüge aus der Innenstadt nach Vaihingen sind für den Sommer 2025 geplant. Gesamtprojektleiter Thomas Lutz wird aber auch dann noch genug zu tun haben. Es braucht eine komplette Heiz- und Kühlperiode, bis so ein Gebäudekomplex richtig eingestellt ist.

Daten zum Allianz-Park

Eckdaten
Spatenstich: 16. September 2021, Grundsteinlegung: 28. April 2022 (pandemiebedingt verspätet), Richtfest: geplant Mitte 2023, Inbetriebnahme: geplant Ende 2024, Baufläche: 50 000 Quadratmeter, Bruttogeschossfläche: 75 000 Quadratmeter, Investitionssumme: mittlerer dreistelliger Millionenbetrag.

Baumaterial
Insgesamt werden 78 000 Kubikmeter Beton – mit einem Anteil an Recyclingmaterial – gegossen. 15 000 Tonnen Stahl werden in dem Gebäudekomplex verbaut, das entspricht etwa der Stahlmenge von zwei Eiffeltürmen.

Besonderheit
Die 90 Jahre alte Eiche auf dem Areal wird erhalten, etwa 70 neue Bäume werden gepflanzt. Die Dreifeldsporthalle wird künftig vom TSV Georgii Allianz und dem betrieblichen Gesundheitsmanagement genutzt. Freie Zeiten stehen den mit dem TSV kooperierenden Vereinen zur Verfügung.