Die Allianz will auf dem konzerneigenen, bisher vom TV Georgii Allianz genutzten Areal in Stuttgart-Vaihingen neu bauen. Das Gelände gilt als Kaltluftentstehungsgebiet. Foto: Rebecca Beiter

Der geplante Neubau des Allianz-Konzerns in Stuttgart-Vaihingen stößt vor Ort auf Ablehnung. Auch die städtischen Klimaexperten haben gravierende grundsätzliche Bedenken. Die Grünen im Rat geraten politisch unter Druck.

Stuttgart - Der geplante Neubau des ­Lebensversicherungskonzerns Allianz auf einem eigenen Grundstück an der Vaihinger Heßbrühlstraße bleibt ein Zankapfel. Neue Nahrung erhalten die Kritiker des Projekts durch eine Stellungnahme des städtischen Umweltamts. Darin raten die Klimatologen grundsätzlich von einer Bebauung des bisherigen Sportgeländes ab. Das Gebiet gilt als Kaltluftentstehungsgebiet und habe eine besondere Bedeutung für die Durchlüftung des Stadtbezirks und des Körschtals. Wenn doch gebaut werden sollte, empfehlen die Stadtklimatologen als Mindestanforderung einen circa 50 Meter breiten Grünzug im ­Süden des Areals freizuhalten. Insbesondere die Grünen im Gemeinderat geraten nun politisch unter Druck: Sie hatten dem Vorhaben gegen Widerstand aus den eigenen Reihen vor Ort prinzipiell zugestimmt und zugleich einen Kompromiss mitbeschlossen, der einen 40 Meter breiten Grünzug vorsieht. Dementsprechend gereizt reagierte die Grünen-Sprecherin Beate Schiener am Dienstag im Umweltausschuss des Gemeinderats auf Vorhaltungen seitens der Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus, die Grünen würden ihre ökologischen Grundsätze über Bord werfen.

„In dem Gutachten steht circa 50 Meter“, so Schiener. Zudem enthalte die Expertise veraltetes Kartenmaterial. Wenn man dort keine Bebauung zulasse, „dann müssten wir über Stuttgart einen Sarkophag stülpen“.

Baubürgermeister Pätzold (Grüne) sichert Prüfung im Wettbewerbsverfahren zu

Auch die SPD sieht in den stadtklimatologischen Aspekten den „Casus Knacksus“, wie es ihr Stadtrat Hans H. Pfeifer formulierte. Die Fraktion fordert in einem Antrag, dass der freizuhaltende Grünstreifen mindestens 50 Meter betragen soll. Die Stellungnahme des Amts für Umweltschutz sei „erhellend“, so Pfeifer.

Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) betonte, man werde im Wettbewerbsverfahren das Thema Grünzug nochmals untersuchen lassen: „Wir müssen abwägen, welches die vertretbare Mindestbreite ist.“ CDU und FDP dagegen stehen ohne Einschränkung hinter der Allianz-Ansiedelung. Luigi Pantisano (SÖS) schloss sich dagegen dem Plädoyer der Klimatologen an: „Wir dürfen an dieser Stelle nichts bauen.“ Der Konzern will wie berichtet seine Gebäude im Stuttgarter Westen aufgeben und nach Vaihingen umziehen. Im Stadtbezirk stößt das Projekt auf Widerstand. Der Bezirksbeirat hat die Einleitung des Wettbewerbsverfahrens mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit abgelehnt. Der Umweltausschuss will nun am 14. März endgültig entscheiden.

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