Bitteres Ende der Saison: Kapitänin Antonia Stautz und die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart. Foto: Imago/Eibner

Die Stuttgarter Volleyballerinnen scheitern auch an sich selbst – Trainer Konstantin Bitter steht aus Sicht unseres Autors Jochen Klingovsky vor einer schwierigen Aufgabe.

Was für eine Enttäuschung! Was für ein Frust! Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart hat in dieser Saison nicht nur einen Titel leichtfertig verspielt, sondern gleich zwei. Im Pokalfinale führte das Team gegen den VfB Suhl im Tiebreak mit 13:11 – und verlor. In der Play-off-Halbfinalserie folgte nun das schnelle Aus gegen den Dresdner SC, weil die Stuttgarterinnen im ersten Duell drei Matchbälle vergeben hatten und letztlich in beiden Tiebreaks unterlagen. Die Folgen sind gravierend: wieder kein Finale um die Meisterschaft, wieder kein Ticket für die Champions League, wieder kein Supercup im Oktober. Und erneut die Frage: Was fehlt, um Titel nicht nur holen zu können, sondern es dann auch tatsächlich zu schaffen?

 

Keine Angreiferin mit Killerinstinkt

Offensichtlich war im Pokalendspiel und im DM-Halbfinale, dass die Mannschaft zu wenige Führungskräfte hat, die auch dann voll auf der Höhe sind, wenn es wirklich zählt. Und im Kader gibt es keine Angreiferin mit Killerinstinkt, die in entscheidenden Momenten verlässlich punktet. Dazu kam ein ungewöhnlicher Saisonaufbau. Obwohl im Sommer nach dem Rücktritt der Legenden Krystal Rivers, Roosa Koskelo und Maria Segura Pallerés ein großer Umbruch zu bewältigen war, lief es lange prächtig. In der Bundesliga gab es in 20 Spielen 19 Siege, dazu den Einzug ins Pokalfinale und tolle Auftritte im europäischen CEV-Cup. Doch ausgerechnet als die Titel vergeben wurden, kam das Team nicht mehr an seine Bestleistung heran.

Vertrag bis 2030: Konstantin Bitter, Trainer von Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann

Dies künftig besser zu steuern, ist die Aufgabe von Konstantin Bitter. Aber der Trainer hat noch viel mehr zu tun. Seit der Trennung von Sportdirektorin Kim Renkema im Januar 2025 ist er alleine für die Weiterentwicklung des Teams verantwortlich, der Verein abhängig von seinem Volleyball-Sachverstand und Netzwerk. Einen Titel gab es seither nicht mehr, trotzdem sind die Verantwortlichen sicher, dass dieses Modell erfolgversprechend ist: Der Vertrag mit Konstantin Bitter wurde nach dem Pokalfinale vorzeitig bis 2030 verlängert.

Der Coach muss nun nicht nur das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigen, sondern auch mit neuen Führungskräften eine Mannschaft formen, die das Potenzial hat, eine Trophäe zu gewinnen, und in der zugleich die Talente aus dem eigenen Verein eine wesentlich größere Rolle spielen als bisher. Diese Aufgabe ist alles andere als einfach – und nicht ohne Risiko. Gut möglich, dass die Titel auch in der nächsten Saison an andere gehen werden.