Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart haben den Einzug in die Finalserie verpasst. Sie scheitern am Dresdner SC – und ein bisschen auch an sich selbst.
Es ist die Auszeichnung, die keine Volleyballerin haben will: Am Ende der Play-off-Halbfinalserie werden die Medaillen für Platz drei vergeben. In den vergangenen zehn Jahren befanden sich die Stuttgarterinnen bei dieser Zeremonie stets in der Zuschauerrolle, doch am Mittwochabend war alles anders. Enttäuscht, frustriert und mit Tränen in den Augen nahmen sie die bronzenen Plaketten entgegen. Nach der 1:3(18:25, 25:23, 24:26, 21:25)-Pleite gegen den Dresdner SC ist die Saison für Allianz MTV Stuttgart früher als erwartet vorbei. „Wir haben den dritten Satz verkackt, ihn leider nicht zu Ende gespielt“, sagte Trainer Konstantin Bitter, „in Summe haben wir zu viele Fehler gemacht, was der Dresdner SC stark ausgenutzt hat. Es ist bitter – aber so ist der Sport!“
Schon vor dem ersten Aufschlag hatte es eine schlechte Nachricht für den Titelverteidiger gegeben: Krystal Rivers, die beste Angreiferin der Bundesliga, kam im Trainingsanzug aus der Kabine. Während sich ihre Kolleginnen auf die Partie vorbereiteten, nahm die Diagonalangreiferin auf der Bank Platz. Die offizielle Begründung lautete, dass die US-Amerikanerin sich einen Infekt eingefangen hatte, allerdings bewegte sie sich auch ziemlich unrund. Zum Einsatz kam Krystal Rivers auf jeden Fall nicht, weshalb Hallensprecher Frank Schuhmacher schon bei der Präsentation ihrer Vertreterin Pauline Martin vor der Partie meinte: „Auf sie wird es ankommen!“
Schlechter Start für Allianz MTV Stuttgart
Allerdings war bereits im ersten Satz zu sehen, wie sehr Krystal Rivers ihrem Team fehlte. Pauline Martin, die in der nächsten Saison die Nummer eins im Diagonalangriff sein wird, schaffte es nicht, eine ähnliche Durchschlagskraft zu entwickeln, zudem fehlte es der belgischen Linkshänderin auch an Präzision. Nach dem 0:4-Rückstand glich Allianz MTV Stuttgart dank einer Aufschlagserie von Martin zwar noch einmal zum 5:5 aus, doch beim 12:18 war die Vorentscheidung gefallen, am Ende ging der Satz klar verloren. Danach gelang die Wende, zumindest vorübergehend.
Die Stuttgarterinnen brachten nun ihre Moral, ihren Willen und ihren Kampfgeist ins Spiel. Dazu kam die Unterstützung der Fans in der ausverkauften Scharrena (2251 Plätze). Zunächst gerieten die Gastgeberinnen zwar mit 2:7 in Rückstand, beim 11:10 allerdings gingen sie erstmals in Führung. Bis zum 22:22 war der Durchgang ausgeglichen, doch Zuspielerin Pia Kästner setzte ihre Kolleginnen immer wieder gut in Szene, am Ende verwandelte Maria Segura Pallerés den zweiten Satzball zum 25:23. In diesem Stil ging es weiter. Auch im dritten Satz stand es zunächst 1:4, dann aber hatten die Stuttgarterinnen ihre beste Phase. Sie zogen auf 17:10 davon und kamen beim 24:22 zu zwei Satzbällen – die sie allerdings vergaben! Der Dresdner SC machte vier Punkte in Serie und ging mit 2:1 Sätzen in Führung. Es war die Vorentscheidung.
Alexander Waibl lobt die Mentalität seines Teams
Die Stuttgarterinnen rafften sich zwar noch einmal auf und lagen im vierten Durchgang 8:5 vorne, dann jedoch war die erste Heimniederlage der Saison nicht mehr abzuwenden. Die körperlich enorm starken Dresdnerinnen um die überragende Diagonalangreiferin Marta Levinska setzten sich auf 15:11 ab, ließen sich den Sieg und den Einzug in die Finalserie gegen den SSC Palmberg Schwerin nicht mehr nehmen. „Meine Mannschaft hat eine unglaubliche Mentalität und eine große Leidenschaft gezeigt“, sagte DSC-Trainer Alexander Waibl, „wir waren insgesamt ein bisschen konstanter und haben weniger Fehler gemacht.“
Das Ende aus Stuttgarter Sicht? War eine Ehrung, auf die alle gerne verzichtet hätten.