Ihre Zeit bei Allianz MTV Stuttgart geht zu Ende: Sportdirektorin Kim Renkema. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Das Bekenntnis des Hauptsponsors Allianz zum Frauen-Volleyball in Stuttgart zeigt: Die Trennung von Sportdirektorin Kim Renkema liegt nicht an wirtschaftlichen Zwängen, kommentiert unser Redakteur Jochen Klingovsky.

Für Sportfunktionäre ist es nicht immer ganz einfach, der Öffentlichkeit gegenüber völlig ehrlich zu sein – das ist in Stuttgart spätestens bekannt, seit VfB-Sportvorstand Michael Reschke im Oktober 2018 nach einer 1:3-Pleite seinem Trainer Tayfun Korkut die Treue schwor, ehe er ihn am Morgen danach rauswarf. „Ein bisschen Flunkern gehört in diesem Job dazu“, sagte Reschke anschließend, das sei doch allerdings nur eine „Wahrheitsbeugung“.

 

Vor einem ähnlichen Problem stehen bei Allianz MTV Stuttgart derzeit Rainer Scharr, wichtigster Gesellschafter und Hauptsponsor, sowie Geschäftsführer Aurel Irion. Die beiden pflegen ein vertrauensvolles Verhältnis, und gemeinsam erklärten sie zuletzt, die von der Laufzeit her mickrige Offerte an Sportdirektorin Kim Renkema, ihren Vertrag um ein Jahr zu verlängern, liege allein daran, dass auf den Verein finanziell unsichere Zeiten zukämen – schließlich würde der zweite Hauptsponsor Allianz seinen Kontrakt nur um ein Jahr verlängern.

Blöd nur, dass die Allianz ein klares Bekenntnis zum Verein abgegeben hat – über 2026 hinaus. Das Ein-Jahres-Angebot an Renkema, das diese als Affront empfinden musste, lag also doch nicht an wirtschaftlichen Zwängen. Sondern eher daran, dass Irion und Scharr mit ihrer Sportdirektorin, der stets ein Großteil des Erfolgs zugeschrieben wird, auf die sich die Medien fokussieren, die unbequem sein kann und eine neue Hierarchie forderte, um künftig auf Augenhöhe mit Irion agieren zu können, nicht länger zusammenarbeiten wollten. Am Ende ging es folglich wohl eher um Machterhalt, persönliche Eitelkeiten und fehlende Kommunikation als um finanzielle Probleme. Dies in der Öffentlichkeit zuzugeben? Ist viel verlangt. Das hat auch schon Michael Reschke erlebt.