Die Libera aus Finnland führt nach dem Umbruch das Volleyball-Team von Allianz MTV Stuttgart an – für die Verantwortlichen des Volleyball-Bundesligisten ist sie die perfekte Wahl.
Drei Titel feierten die Bundesliga-Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart am Ende der vergangenen Saison, es gab aber nicht nur Tränen der Freude. Denn nach dem Gewinn von Supercup, Pokal und Meisterschaft wurde Maria Segura Palleres, die Kapitänin, nach vier Jahren in Stuttgart verabschiedet. Mittlerweile ist die Spanierin zwar zurück in der Scharrena, weil sie das Ende ihrer Karriere doch noch einmal verschoben hat. Allerdings ist offen, welche Rolle sie nächste Saison im Kader spielen wird. Sicher ist bislang nur eines: Es gibt beim MTV eine neue Kapitänin.
Dass die Wahl von Trainer Konstantin Bitter auf Roosa Koskelo fallen würde, war keine große Überraschung. Wie US-Diagonalangreiferin Krystal Rivers, der weiterhin auf und abseits des Feldes viele Regenerationszeiten zugestanden werden, geht die finnische Libera beim MTV in ihre siebte Saison. „Sie ist der Publikumsliebling, lebt für diesen Verein“, sagt Sportdirektorin Kim Renkema über die 33-jährige Neu-Kapitänin, „auch in unserer neuen Mannschaft spielt sie eine bedeutende Rolle, sie wird das Team nicht nur auf dem Feld anführen. Ich bin überzeugt, dass sie die perfekte Persönlichkeit für diese Aufgabe ist.“
Roosa Koskelo war die logische Wahl
Das sieht Konstantin Bitter ganz ähnlich. In der vergangenen Saison trainierte er einen bestens aufeinander abgestimmten Kader, in dem jede Volleyballerin die internen Regeln verinnerlicht hatte. Insofern waren deutliche Ansagen von Kapitänin Maria Segura Palleres kaum einmal nötig. Nun, nach dem Umbruch, der aufs Triple folgte, müssen sich die Hierarchien neu bilden und die Abläufe aufeinander einspielen. Gut möglich, dass auf die künftige Chefin dann ein verändertes Aufgabenprofil zukommt. „Deshalb ist Roosa Koskelo in unserer derzeitigen Situation die absolut beste Lösung“, sagt Konstantin Bitter, „sie ist eine sehr toughe Spielerin und ein Vorbild für Disziplin, Härte und Einsatzwillen. Und sie scheut sich nicht, klare Worte zu sprechen. Das passt perfekt zu der neuen Gruppe, die wir haben.“
Für Roosa Koskelo selbst ist es „eine große Ehre“, nun Kapitänin von Allianz MTV Stuttgart zu sein: „Die Bedeutung des Clubs ist für mich persönlich Jahr für Jahr gestiegen. Ich bin sehr glücklich, die Werte des Vereins auf diese Art und Weise repräsentieren zu können. Das ist für mich persönlich eine große Sache.“ Die Finnin ist sich aber auch der Verantwortung bewusst, der sie nun gerecht zu werden hat. „Auf dem Feld wird sich nicht viel verändern, ich war schon immer auch dafür zuständig, meine Teamkolleginnen anzutreiben“, sagt sie, „als Kapitänin wird meine Hauptaufgabe sein, dafür zu sorgen, dass alle verstehen, für welche Werte und Ziele Allianz MTV Stuttgart steht, wie Dinge hier erledigt werden, welche Standards für das Team gelten. Wir haben viele neue, junge Spielerinnen, die eine Art Führung von uns Älteren und Erfahrenen benötigen.“ Zusätzlich dazu wird die anstehende Saison für Roosa Koskelo noch eine weitere spezielle Herausforderung bereithalten.
In der Vergangenheit war die Finnin als Libera stets die unumstrittene Nummer eins, sie stand in allen wichtigen Spielen die ganze Zeit auf dem Feld. Doch diesmal muss auch sie um ihren Platz kämpfen – gegen die niederländische Olympia-Teilnehmerin Florien Reesink. „Das wird ein interessantes Duell“, sagt Kim Renkema, „auf der Position der Libera waren wir noch nie so stark besetzt.“ Oder anders ausgedrückt: Das Amt der Kapitänin garantiert Roosa Koskelo zwar eine exponierte Stellung im Team des Meisters. Aber keinen Stammplatz.